Nach Tod eines Hausarztes Ärztemangel in der Krummhörn verschärft sich
Die Hausärzte werden immer älter, ihre Patienten auch. Besonders in ländlichen Regionen macht sich das bemerkbar. In der Krummhörn hofft man auf Hilfe durch Investoren und durchs Telefon.
Krummhörn - Wie lockt man neue Ärzte in ländliche Regionen? Diese Frage stellt sich die Gemeinde Krummhörn nun schon länger. Erst vor Kurzem starb mit Dr. Joachim Euchner einer der letzten verbliebenen Landärzte in der Krummhörn. Er betrieb jahrelang eine kleine Praxis in Loquard. Sein Tod erschwert die ärztliche Versorgung in der Gemeinde.
In der Krummhörn gab es, Stand 2024, vier Hausärzte, vier Fachärzte für Innere Medizin, eine Gynäkologin, vier Psychotherapeuten und drei Zahnärzte. Nun ist es einer weniger. „Noch eine freie Stelle mehr“, sagte Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) beim Jahrespressegespräch am Montag, 10. März 2025, dazu. Das Ableben des Allgemeinmediziners trifft eine ländliche Gemeinde wie die Krummhörn besonders stark. „Sein Ausscheiden verschärft die ohnehin herausfordernde hausärztliche Versorgungslage in der gesamten Region“, so Oliver Janssen, Sprecher der Gemeinde Krummhörn, auf Nachfrage.
Ärztehaus Pewsum: Studie soll jetzt zeigen, was möglich ist
Die Gemeinde versucht schon seit Jahren, sich diesem Abwärtstrend der mangelnden Versorgung durch Hausärzte entgegenzustemmen. Eine erste Idee war darum, den ehemaligen Edeka-Markt im Zentrum von Pewsum in ein Ärztehaus umzuwandeln. Nach dem Neubau des Marktes ein paar Straßen weiter stand das 2800 Quadratmeter große Gelände an der Manningastraße leer. Die Gemeinde erwarb das Grundstück darum im Jahr 2020. Doch seitdem hat sich noch nicht viel getan auf dem Gelände. Das liegt vor allem an fehlenden Investoren für das Projekt. Zwischenzeitlich gab es zwar Investoren, die an der Errichtung eines Gesundheitszentrums auf dem Grundstück interessiert waren, doch diese haben die Pläne nicht weiter verfolgt. Ohne Investoren sieht die Gemeinde allerdings keine Möglichkeit, in naher Zukunft mit dem Abriss des Gebäudes und einem eventuellen Neubau eines Ärztehauses voranzuschreiten – aus Kostengründen. Man wolle als Gemeinde das Gebäude des ehemaligen Marktes nicht kostspielig abreißen, wenn sich vielleicht auch Investoren fänden, die diese Aufgabe übernähmen, so Looden.
Nun kommt aber auf eine andere Art und Weise wieder Bewegung in die Pläne: Die Gemeinde möchte die Weichen für eine Machbarkeitsstudie stellen, und zwar noch in diesem Jahr. Im Rathaus bemühe man sich aktuell um einen entsprechenden Förderantrag. Der Antrag muss demnach bis Mitte April gestellt werden. Die Studie solle dann bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die Verwaltung erhofft sich von der Studie vor allem Klarheit darüber, in welcher Form ein solches Gesundheitszentrum überhaupt möglich wäre. Die Ergebnisse der Studie sollen „eine Grundlage für ein Konzept sein“, so Looden. Die Bürgermeisterin wünscht sich ein Zentrum, in dem sich alles um Gesundheit dreht. Nicht nur Ärzte, auch sonstige Dienstleister aus dem Gesundheitswesen könnten sich dort niederlassen, so der Plan. Sogar Wohnraum könne sie sich auf dem Gelände vorstellen.
Gemeindeschwester soll Ärzte unterstützen – Bewerber gesucht
Eine weitere Alternative, um dem Hausärztemangel in der Krummhörn entgegenzuwirken, sieht die Gemeinde in sogenannten Community Health Nurses (CHN), einer Art Gemeindeschwester. Ein Pilotprojekt befindet sich aktuell in der Krummhörn und Hinte im Aufbau. Diese Gemeindeschwestern sollen die Gesundheitsversorgung in der Region sicherstellen, in enger Zusammenarbeit mit den Ärzten, Apotheken, Therapeuten oder Sanitätshäusern.
Die akademisch ausgebildeten Pflegekräfte könnten dann Aufgabengebiete von Allgemeinmedizinern übernehmen, darunter die Blutabnahme oder die Behandlung von Bagatellverletzungen. Auch Videosprechstunden, Hilfe durch Beratung übers Telefon oder die Schulung der Bevölkerung zum Thema Gesundheit würden zum Aufgabengebiet einer solchen CHN gehören. Im nächsten Schritt sollen nun ein geeigneter Kandidat oder eine geeignete Kandidatin als CHN für die Region gewonnen werden. Dies sei „ein erster Baustein, um die Versorgung in unserer Region nachhaltig zu erhalten und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln“, so Looden in einer Mitteilung.
In Deutschland gibt es immer weniger Landärzte
Ein Landarzt, so wie es Dr. Euchner war, ist umgangssprachlich ein Hausarzt, der in einer ländlichen Region tätig ist. In Deutschland gibt es immer weniger dieser Landärzte. Und zwar gerade in stark ländlich geprägten Regionen wie Ostfriesland. Nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) liegt der Versorgungsgrad speziell mit Hausärzten in Ostfriesland teilweise nur bei rund 85 Prozent. Angestrebt sind eigentlich 110 Prozent. In dem Planungsbereich Emden, zu dem in der Erfassung der KVN auch die Gemeinden Krummhörn, Hinte und die Insel Borkum gehören, liegt dieser Prozentsatz zwar immerhin bei 98, aber damit noch immer unter den gewünschten 110 Prozent.
Übersetzt heißt das, dass es im Planungsbereich Emden bei der Erfassung der Zahlen im letzten Jahr fünf freie Sitze gab, die noch von Hausärzten besetzt werden könnten, um so eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Nach dem Tod von Dr. Euchner dürften es nun sechs freie Sitze sein. „Es ist davon auszugehen, dass sich die hausärztliche Versorgungsquote in unserem Planungsbereich verändern wird“, so Gemeindesprecher Janssen.
Hausärzte werden älter, Patienten auch: Auf dem Land ein großes Problem
Ein Problem ist unter anderem, dass niedergelassene Ärzte immer älter werden. Dieser Trend macht sich besonders unter den Hausärzten bemerkbar. Wie die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen berichtet, liegt der Anteil der Hausärzte, die über 60 Jahre alt sind, bei knapp 37 Prozent. Im Vergleich dazu sind nur etwa ein Viertel aller Kinderärzte bundesweit 60 oder älter.
Heißt, konkret bei den Hausärzten gibt es bereits jetzt Probleme mit der Nachbesetzung. Das könnte zu einem immer größeren Problem werden, denn auch die Bevölkerung wird immer älter und dadurch pflegebedürftiger. Laut dem Landesamt für Statistik wird der Anteil der über 60-Jährigen in Niedersachsen bis 2030 von etwa 28 Prozent auf 37 Prozent steigen. Gerade in ländlichen Regionen sorgt das für Probleme, denn die Verteilung von Hausärzten ist unregelmäßig. In den größeren Städten herrsche oft eine Überversorgung durch Hausärzte, während im ländlichen Raum eine Unterversorgung droht, so die KVN.