Knie und Hüfte  Neuer Chefarzt am Borro in Leer im Gespräch – Dr. Holger Alex

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 17.03.2025 11:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Dr. Holger Alex übernimmt die Leitung der Abteilung Orthopädie im Borromäus Hospital als Chefarzt. Foto: Ortgies
Dr. Holger Alex übernimmt die Leitung der Abteilung Orthopädie im Borromäus Hospital als Chefarzt. Foto: Ortgies
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Am 1. Januar hat Dr. Holger Alex die Leitung der Abteilung Orthopädie im Borromäus Hospital Leer übernommen. Wer ist er und was gibt es Neues für Patienten?

Leer - Dr. Holger Alex ist seit Anfang des Jahres Chefarzt der Orthopädie am Borromäus Hospital in Leer. Er ist allerdings in Ostfriesland kein Unbekannter. „Seit Juni 2022 habe ich zwei Tage die Woche hier unterstützt, seit 2023 war ich Sektionsleiter in Teilzeit. Und seit 1. Januar bin ich nun voll in Leer als Chefarzt tätig“, sagt Alex beim Treffen mit dieser Zeitung. Wir hatten die Chance, ihm einige Fragen zu stellen. Wir fassen die wichtigsten Fakten einmal zusammen.

Wer ist Dr. Holger Alex?

Der 60-Jährige Mediziner lebt in Lingen. „Ich fahre mit dem Zug nach Leer“, erzählt er. „Ich habe mir ein Klapprad angeschafft und nehme es mit.“ Die Stelle am Borromäus-Hospital soll keine kurze Zwischenstation sein. „Ich bleibe Leer erhalten.“

Knie- und Hüftgelenke sind das Metier von Dr. Holger Alex. Foto: Ortgies
Knie- und Hüftgelenke sind das Metier von Dr. Holger Alex. Foto: Ortgies

Viele Ostfriesen waren schon Patienten - Was macht Dr. Alex?

„Es muss nicht immer Hamburg sein“, sagt Dr. Alex und lacht. Schon eine ganze Reihe Ostfriesen dürften Patienten des Mediziners gewesen sein, „es gibt viele von ihnen mit Hüften und Knien, die ich operiert habe“, sagt er. Denn Alex ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Chirotherapie, Physikalische Therapie und Balneologie sowie zertifizierter Fußchirurg. Und war 16 Jahre in der „Nachbarschaft“ tätig. „Im Emsland. In Sögel und Lingen.“

Die Hauptoperateure Dr. Ferzen Can (von links), Dr. Holger Alex und Dr. Tjark de Vries im Operationsaal. Foto: Borromäus Hospital Leer
Die Hauptoperateure Dr. Ferzen Can (von links), Dr. Holger Alex und Dr. Tjark de Vries im Operationsaal. Foto: Borromäus Hospital Leer

Unter seiner Leitung wurde nun am Borro ein Endo-Prothetik-Zentrum aufgebaut. Dabei geht es um Knie- und Hüftendoprothesen – also künstlicher Gelenke. Das Zentrum wurde kürzlich zertifiziert. „Das setzt strenge Kriterien voraus“, so Alex. Es sei ein Qualitätssiegel. Gleichzeitig nehmen Krankenhäuser damit an einem Register teil. Im Deutsche Endoprothesenregister sind nach eigenen Angaben mehr als drei Millionen OP-Dokumentationen erfasst. Es soll die Qualität der endoprothetischen Versorgung in Deutschland messen und darstellen. „Patienten werden gefragt, ob sie Treppensteigen können beispielsweise“, so Alex.

Hunderte haben Fragen: Brauchen viele Leute neue Hüften und Knie?

Ja. „In Deutschland werden pro Jahr insgesamt etwa 200.000 künstliche Hüftgelenke eingesetzt und 200.000 künstliche Knie“, sagt Dr. Alex. Die Anzahl der Knie steige dabei immer weiter. „Früher waren die Möglichkeiten noch nicht so gut. Im Gegensatz zur Hüfte als Kugelgelenk ist das Knie ein Roll-Gleit-Gelenk. Das ist komplizierter zu rekonstruieren“, sagt er. Mittlerweile gebe es aber das sogenannte Persona-Knie – sozusagen ein personalisierbares Gelenk. Die Endoprothese könne auf die Anatomie des Patienten abgestimmt werden. Man sei „bei der vierten Generation. Das ist schon sehr, sehr gut.“ Man sage, bei den Hüftgelenken könne nichts Besseres mehr kommen, so Alex.

In einem Audit überprüften Fachexperten die Qualität der Versorgung im Bereich Endoprothetik am Borromäus Hospital. Dr. Holger Alex (Chefarzt Orthopädie & Leiter EPZ, von rechts), Prof. Dr. med. Gabriela von Lewinski (Leitende Fachexpertin), Sarah Sebeke (Krankenhausleitung), Dr. Ferzen Can und Dr. Tjark de Vries (Oberärzte und Hauptoperateure EPZ), Dr. Dietrich Keller (Ärztlicher Direktor Borromäus Hospital) und Dr. med. Gotthard Knoll (Co-Fachexperte) Foto: Borromäus Hospital Leer
In einem Audit überprüften Fachexperten die Qualität der Versorgung im Bereich Endoprothetik am Borromäus Hospital. Dr. Holger Alex (Chefarzt Orthopädie & Leiter EPZ, von rechts), Prof. Dr. med. Gabriela von Lewinski (Leitende Fachexpertin), Sarah Sebeke (Krankenhausleitung), Dr. Ferzen Can und Dr. Tjark de Vries (Oberärzte und Hauptoperateure EPZ), Dr. Dietrich Keller (Ärztlicher Direktor Borromäus Hospital) und Dr. med. Gotthard Knoll (Co-Fachexperte) Foto: Borromäus Hospital Leer

Das Interesse an dem Thema ist riesig, sagt Hauke Mucha, Sprecher des Borros. Im vergangenen Jahr gab es zwei Info-Abende zu künstlichen Gelenken, im Mai soll es eine weitere Veranstaltung geben, außerdem eine weitere zur Fußchirurgie. „Da kommen schon mal 100 Leute zusammen“, so Mucha. Man habe auch leider schon Interessierte wegschicken müssen, weil die Raumkapazitäten ausgereizt waren.

Neue Hüfte oder Knie: Müssen wir operieren, Herr Doktor?

„Die Patienten fragen immer: Müssen wir operieren?“, erklärt Alex. „Man muss erstmal gar nichts, denn an einem kaputten Knie oder eine kaputten Hüfte stirbt man nicht. Aber: Die Lebensqualität ist eingeschränkt.“ Jeder Fall sei individuell. Aber: „Der erste Ansprechpartner, wenn es zwickt und zwackt, ist immer der Hausarzt“, so der Orthopäde. Dieser gebe dann an den Facharzt ab, wenn nötig. Wenn alles ausgeschöpft sei, komme eine OP in Betracht. Es gebe eine umfassende Beratung. Wichtig sei: Das Vertrauensverhältnis zum Arzt müsse passen.

Das Leeraner Borromäus Hospital wurde zertifiziert. Foto: Ortgies/Archiv
Das Leeraner Borromäus Hospital wurde zertifiziert. Foto: Ortgies/Archiv

Es gebe sozusagen eine Checkliste (Evidenz- und konsensbasierte Indikationskriterien), die man durchgehe. „Da geht es um Schmerz und Leidensdruck, Faktoren, die gegen ein neues Gelenk sprechen. Am Ende kommt Ja oder Nein heraus. Aber daran ist niemand gebunden“, sagt Alex. Auch seinerseits gebe es Dinge, wie Übergewicht oder Infektionen, beispielsweise der Haut oder im Mund, die gegen eine OP sprächen und zuerst geklärt werden müssten. Man müsse die Patienten mit ins Boot holen. „Risiko und Nutzen müssen im Verhältnis stehen.“

Erstmal 6 Wochen Bett und Reha: Was bedeutet ein neues Gelenk heute?

„In den 1990er Jahren hieß es, man könne die Hüfte wochenlang nicht belasten, eine Reha sei Pflicht“, erklärt Alex. Heute sei dieser Eingriff minimal-invasiv, je nach Narkoseart könnten und sollten die Patienten ihre Hüfte schnell wieder belasten. „Sie laufen hier nach kürzester Zeit wieder Treppen.“ Bei einem künstlichen Knie werde auch schnell trainiert, wenn man das Gelenk ausreichend beugen könne, gehe es weiter.

Eine genaue Beratung ist das Wichtigste. Foto: Ortgies
Eine genaue Beratung ist das Wichtigste. Foto: Ortgies

Man müsse nicht zwangsweise eine Reha machen. „Manche möchten das gern. Ich persönlich würde lieber zu Hause trainieren, das geht auch. Eine motorbetriebene Schiene, die das Gelenk bewegt, kann man mieten“, sagt er. Innerhalb von drei, vier Wochen könne man meist mit der neuen Hüfte Autofahren, mit dem Knie seien es meist rund sechs bis sieben. Viele wollten im Januar, beziehungsweise Frühjahr eine OP in Angriff nehmen, so Alex. „Im Sommer haben alle weniger Zeit, wollen noch weniger ins Krankenhaus. Im Herbst wird es mehr, dann wegen Weihnachten deutlich weniger. Als Neujahrsvorsatz nehmen es sich dann viele wieder vor.“ Aktuell gebe es eine Wartezeit von rund sechs Wochen.

Tipp vom Experten: Was hilft bei Gelenkschmerzen?

Quark. „Ich habe es selbst erlebt. Es kühlt und lindert die Entzündung. Den Weg zum Arzt konnte ich mir sparen, weil Quarkwickel das Problem schon lösten“, sagt er. Die Entzündung sei das, was die Schmerzen auslöse. „Man kann auch ruhig mal Schmerzmittel nehmen, manche sind da sehr zurückhaltend. Sie lindern nicht nur die Schmerzen, sondern wirken auch entzündungshemmend.“

Schmerzen an den Gelenken hätten unterschiedlichste Gründe. Krankheiten wie Athrose, aber auch Verletzungen kämen häufiger vor. „Oft sind es Sportunfälle beispielsweise beim Fußball.“ Eine Sache sei aber wichtig: „Bewegung ist Leben, Stillstand ist Tod, sage ich immer.“ Gerade im Alter könne man mit der Maxime OPs aufschieben oder vermeiden. „Radfahren, Schwimmen, Wandern mit Stöcken“, sind seine Tipps.

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