Ferber am Freitag Wer wird der nächste James Bond?
Es wird ein Nachfolger für 007-Darsteller Daniel Craig gesucht. Dass nun Amazon die kreative Kontrolle über die Reihe übernommen hat, gefällt nicht jedem. Geht es nur um die Lizenz zum Geld drucken?
Es mag mit Blick auf die reale, turbulente Weltlage drängendere Fragen geben als die, wer der neue James Bond wird. Aber nicht nur mich als Fan der Reihe beschäftigt die Nachfolge von Schauspieler Daniel Craig. Und das mit zunehmender Verunsicherung, nachdem die langjährigen Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson die kreative Kontrolle über das Franchise an Amazon abgegeben haben. Ein Schritt, der viele Anhänger des britischen Geheimagenten mehr geschüttelt, denn gerührt haben dürfte. Befürchten doch Kritiker, die Reihe könnte verramscht, in Serien ausgeweidet werden. 08/15 statt 007. Die zahlreichen Ableger aus dem „Star-Wars“-Universum dienen als warnende Beispiele für zu viele Dollarzeichen in Produzenten-Augen.
Nun muss man nicht soweit gehen, in Amazon-Chef Jeff Bezos – trotz einer gewissen äußerlichen Ähnlichkeit – eine Wiedergeburt des fiktiven, Katze kraulenden Superschurken Ernst Stavro Blofeld von 007-Autor Ian Fleming zu sehen. Etwas beunruhigt darf man aber schon sein, wenn Bezos nach Bekanntwerden der Übernahme seine Follower beim Kurznachrichtendienst X fragt, wer der nächste Bond werden soll. Donald Trump? Elon Musk? Kanye West? Mickey Maus? Zum Glück nicht. Favorit in der Umfrage ist wohl der Brite Henry Cavill. Der sammelte immerhin als „Superman“ Helden-Erfahrung.
„Namen sind was für Grabsteine, Baby!“
Für mich gibt es indes nur einen echten James Bond: Roger Moore. Mit Daniel Craig bin ich nie richtig warm geworden, der Charme von Schönling Pierce Brosnan wirkte bei mir nicht, Timothy Dalton war mir zu ernst, One-Hit-Agent George Lazenby habe ich schnell wieder vergessen und die Filme mit Ur-Bond Sean Connery (zu) spät gesehen.
Bester Film der Reihe bleibt für mich Roger-Moores-Einstieg „Leben und sterben lassen“ von 1973. Hier stimmt für mich alles, vom Titelsong („Live and Let Die“, Paul McCartney and Wings) übers Bondgirl (Jane Seymour) bis zum Bösewicht Kananga/Mr. Big. Dazu authentische 70er-Jahre Atmosphäre samt Harlem-Vibes, Karibikflair, Voodoo-Priester, Motorboot-Stunt und Krokodilfarm. Und Textzeilen für – im wahrsten Sinne – die Ewigkeit: „Namen sind was für Grabsteine, Baby!“
Braucht es gerade jetzt den Agenten?
Von dieser Mission war ich total geflasht und folgte Moore begeistert auf seinen sechs folgenden. Daher treibt mich die Frage um, wer sein Erbe in Zukunft weiterführen wird. Denn um auf die anfangs erwähnte turbulente Weltlage zurückzukommen: Vielleicht braucht es gerade jetzt den entschlossenen Agenten im Geheimdienst Ihrer Majestät mehr den je. Florian Ferber