Osnabrück Geld machen mit Rüstungsaktien? Eine Frage des Gewissens...
Das Geschäft mit der Kriegsangst boomt: Deutschlands größter Waffenbauer Rheinmetall erzielt immer neue Rekordgewinne – und lockt Anleger. Warum Rüstungsgeschäfte nicht mehr ehrenrührig sind.
Für Deutschlands größten Rüstungskonzern Rheinmetall zahlt sich die angespannte geopolitische Lage aus. Der Konzern verzeichnet seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine vor drei Jahren einen Rekordgewinn nach dem anderen. Die Auftragsbücher sind voll wie nie. Und die Aktie kennt seit drei Jahren nur eine Richtung: steil nach oben.
In Rüstungsaktien zu investieren, ist salonfähig geworden. Längst halten nicht mehr nur abgebrühte Anleger entsprechende Papiere. Ganz ungeniert wirbt Rheinmetall inzwischen auf den Trikots von Fußballbundesligist Borussia Dortmund; der öffentliche Aufschrei ist wirkungslos verhallt.
Was bedeutet all das für Anleger? Tatsächlich muss die Frage erlaubt sein: Ist die Investition in Militärgüter ethisch vertretbar, oder trägt man damit zur Verschärfung von Leid und Zerstörung bei? In Friedenszeiten mag das Geschäft mit Waffen ehrenrührig gewesen sein. Jetzt aber gewinnt die Sicherung Europas vor äußerer Aggression an Bedeutung. Der Schutz liberaler Demokratien braucht eine abschreckende militärische Stärke. Doch rechtfertigt ein guter Zweck auch umstrittene Mittel?
Während der Verkauf von Rüstungsgütern hohe Profite beschert, droht das von Staaten dafür ausgegebene an anderer Stelle zu fehlen. Manch einer kritisiert, es würden Gewinne privatisiert, die Folgekosten aber sozialisiert. Bislang sind die meisten Bürger vor allem an den Kosten der Aufrüstung beteiligt, nämlich über ihre Steuerzahlungen.
Vielleicht ist es an der Zeit, über eine Übergewinnsteuer für Rüstungskonzerne nachzudenken, die die Allgemeinheit stärker von dieser Sonderkonjunktur profitieren lässt? Und sollte nicht auch die Auflage eines europäischen ETF-Fonds für Rüstung Kleinanlegern verstärkt die Möglichkeit geben, risikoärmer und ohne US-Anteil vom Boom zu profitieren?
Letztlich bleibt die Frage: Wann ist Profit moralisch vertretbar, wann nicht? Die Entscheidung muss jeder Anleger für sich selbst treffen. Die Vorstellung, ein reines Gewissen sei gratis zu haben, indem man einfach wegsieht, ist so naiv wie illusorisch.