Gefährliche Tierseuche  Jetzt droht eine neue Welle der Blauzungenkrankheit

Rilana Kubassa
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Von Rilana Kubassa
| 14.03.2025 17:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Maren Osterbuhr hat ihre Tiere im Blick. Foto: Archiv/Ortgies
Maren Osterbuhr hat ihre Tiere im Blick. Foto: Archiv/Ortgies
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Mit der Mückensaison startet das Übertragungsrisiko der Blauzungenkrankheit. Die führte 2024 zu massiven Ausfällen in ostfriesischen Betrieben. Nun sollen alle Halter ihre Tiere impfen lassen.

Ostfriesland - Der Frühling ist gerade erst da und schon tanzen die ersten Mücken in der Abendsonne. Nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres werden da wohl bei vielen Landwirten Erinnerungen wach – falls sie überhaupt vergessen konnten, wie Schafe und Rinder mit der Blauzungenkrankheit wochenlang zum Teil schwer krank auf der Weide standen oder lagen.

Aber nicht nur das: Übertragen durch kleine Mücken, führte die Seuche während des feucht-warmen Sommers in Ostfriesland zu massiven Bestandseinbrüchen und Fehlgeburten in Schäfereien und auch Rinderbetrieben, die zudem bis heute über eine deutlich geringere Milchleistung der erkrankten Tiere klagen. Nun lautet die dringende Empfehlung für Schaf- und Rinderhalter: Impfen.

Impfung wird dringend empfohlen

Neben Schutzmaßnahmen wie der Aufstallung empfänglicher Tiere während der Dämmerung und nachts, gut belüfteten Ställen und Insektenbekämpfung im Stall betont die Niedersächsische Tierseuchenkasse auf ihrer Webseite: „Die wichtigste Bekämpfungsmaßnahme zum Schutz der Tiere vor der Blauzungenkrankheit ist und bleibt die Impfung!!“ – in dicken roten Buchstaben.

In einer aktuellen Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) wird Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte zitiert: „Es sind noch immer zu wenige Rinder gegen das Virus der Blauzungenkrankheit geimpft. Das muss sich ändern. Die Erfahrungen zeigen, dass auch bei Rindern die Auswirkungen gravierend sind.“ Es sei damit zu rechnen, dass sich empfängliche Tiere wie Rinder oder Schafe ab dem Frühjahr, wenn es wärmer werde, mit der Blauzungenkrankheit infizieren. Eine Impfung sei derzeit weiterhin der einzige wirksame Schutz vor schweren Krankheitsverläufen und Verlusten. Und weiter: „Wir erinnern: Es dauert mehrere Wochen nach der Impfung, bis eine wirksame Immunisierung vorliegt.“

„Wir hatten also den ganzen Winter damit zu tun“

Eine Erinnerung braucht Landwirtin Maren Osterbuhr aus Strackholt wahrlich nicht. Noch Anfang Januar dieses Jahres habe sie erkrankte Rinder auf dem Hof gehabt, die Blauzungenkrankheit sei in Laboruntersuchungen nachgewiesen worden, erzählt sie. „Wir hatten also den ganzen Winter damit zu tun“, so Osterbuhr und zählt auf: „Abgänge und Aborte (also Fehl- und Frühgeburten, Anm. d. Red.), Kalbungen fehlen.“ Noch heute, berichtet sie der Redaktion, sei der Betrieb von immensen Milchausfällen betroffen, da die Kühe aufgrund der Erkrankung, vor allem aber wegen zahlreicher Früh- oder Fehlgeburten weniger und zum Teil gar keine Milch mehr geben. „Es fehlen etwa 20.000 Liter pro Monat“, sagt sie. Sie erzählt von mindestens 11 toten Kälbern, die zu früh geboren wurden und die sie tot oder nicht lebensfähig auf der Weide gefunden habe. Vier Kühe habe sie einschläfern lassen. Auf ihrem Hof hält sie laut eigenen Angaben zwischen 120 und 130 Milchkühe.

Am 5. März hat Maren Osterbuhr jetzt ihren kompletten Bestand impfen lassen – bis auf die kleinsten der Kälber, wie sie sagt. Die zweite Impfung kommt drei Wochen später, und auch ihre Schafe, die sie im letzten Jahr schon hat impfen lassen, haben bereits eine Booster-Impfung bekommen. Im letzten Jahr ging man noch davon aus, dass Rinder durch die Blauzungenkrankheit weniger gefährdet seien als Schafe. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) sprach zwar auch eine Empfehlung zur Impfung aus, aber deutlich weniger dringlich.

Erkrankte Rinder leiden oft unter Fieber, Schmerzen und Läsionen am Maul. Foto: Archiv/Ortgies
Erkrankte Rinder leiden oft unter Fieber, Schmerzen und Läsionen am Maul. Foto: Archiv/Ortgies

Beiträge für die Tierseuchenkasse sind gestiegen

In diesem Jahr wird auch das Impfen von Rindern über die Niedersächsische Tierseuchenkasse bezuschusst. 2024 erhielten nur Schaf- und Ziegenhalter eine Beihilfe von 3 Euro pro geimpftem Tier, da hier die Sterblichkeit als höher gilt. Nach den Erfahrungen der massiven Verluste in Rinderbetrieben zahlt die Kasse für Rinder pro geimpftem Tier eine Beihilfe von 4 Euro. Trotzdem, sagt Osterbuhr: „Das sind Kosten, selbstverständlich. Den ganzen Bestand auf Immunität gegen BT zu testen, wäre teurer und aufwendiger gewesen, als alle impfen zu lassen.“

Allerdings sind „aufgrund der allgemeinen Kostensteigerung in den letzten zwei Jahren“ die Beiträge zur Niedersächsischen Tierseuchenkasse für 2025 gestiegen, wie diese auf ihrer Webseite mitteilt. Statt 6 Euro zahlen Halter nun 7,60 Euro pro Rind.

Auch in diesem Jahr schon Fälle von Blauzungenkrankheit

Die Viruserkrankung BT (kurz für „Bluetongue Disease“) befällt ausschließlich Wiederkäuer: in der Region also vor allem die zahlreichen Rinder und Schafe. Auch Ziegen und Wildwiederkäuer sowie Kamele, zu denen Alpakas und Lamas zählen, sind gefährdet. Für andere Tierarten und auch für den Menschen ist BT ungefährlich, auch der Verzehr von Produkten erkrankter Tiere. Im letzten Jahr griff in Deutschland der Virustyp BTV-3 um sich – gegen den können Halter ihre Tiere weiterhin mit den im letzten Jahr notzugelassenen Impfstoffen immunisieren lassen.

2023 wurden erste Fälle von BTV-3 in den Niederlanden nachgewiesen, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen breitete sich die Krankheit dann schnell aus und wurde bald in allen deutschen Bundesländern nachgewiesen. Laut ML wurden in Niedersachsen seit dem ersten Ausbruchsfall am 25. Oktober 2023 im Landkreis Ammerland insgesamt 4.380 Feststellungen von Infektionen mit dem Virus der Blauzungenkrankheit im TierSeuchenNachrichten-System (TSN) gemeldet (Stand: 10.03.2025). Bundesweit gab es laut Friedrich-Löffler-Institut seit dem 1. Mai 2024 17.279 Fälle, knapp 1500 davon schon in diesem Jahr.

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