Greetsiel Bimmelbahn neben Fischkuttern? – „Bloß nicht!“
Was spricht für und was gegen die Idee einer kleinen Bahn in Greetsiel? Wir beleuchten die Argumente von beiden Seiten.
Greetsiel - Eine neue Touristenattraktion oder doch eher Störfaktor? Die Idee, eine kleine Bimmelbahn durch Greetsiel fahren zu lassen, sorgt für ein geteiltes Echo. Während Befürworter eine neue Attraktion mit Potenzial sehen, fürchten Kritiker eine Störung der Idylle. Vor allem in den sozialen Medien sorgte die letzte Berichterstattung unserer Zeitung über das Thema für viel Kritik. Die Gemeinde Krummhörn hatte bestätigt, Gespräche mit einem Investor zu führen. Doch was spricht für und was gegen eine solche Bahn?
Be- oder Entlastung für den Verkehr?
Greetsiel ist in der Hauptsaison oft überlaufen. In den kleinen Gassen des Dorfes herrscht dann reges Treiben. Viele Touristen fahren mit dem Auto ins Zentrum, Parkplätze sind rar. Eine Bimmelbahn könnte Besucher bequemer ins Dorf bringen und den Verkehr entlasten. Andererseits könnte genau dies auch zum Problem werden: „In den engen Gassen wird es mit Sicherheit ein Chaos werden“, schreibt ein Leser. „Bitte nicht! Dann gibt′s ja noch mehr Stress mit den Fußgängern und Radfahrern, die ja eh schon unerwünscht sind“, so eine andere Facebook-Nutzerin. „Ein Traum. Die Leute rasten ja schon aus, wenn man mit dem Rad durch den Ort fährt. Und jetzt noch eine Bimmelbahn!“, heißt es ironisch in einem anderen Kommentar.
Mehr Komfort für Touristen
Andererseits: Gerade ältere Menschen oder Familien mit kleinen Kindern könnten von einer Bahn profitieren. Statt lange Fußwege in Kauf zu nehmen, könnten sie bequem die schönsten Ecken Greetsiels erkunden. „Für Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, ist es eine gute Möglichkeit, mehr vom Ort zu sehen“, heißt es zu diesem Punkt. Eine nostalgische Bimmelbahn könnte zudem ein Magnet für Touristen werden. Andere Küstenorte haben ähnliche Bahnen erfolgreich etabliert, die als gemütliche und familienfreundliche Erlebnisse gelten. „Die Kinder fanden es toll in Norddeich“, schreibt dazu jemand.
Mit der Idylle könnte es dann vorbei sein
Doch einige befürchten, dass es dann bald mit der Idylle vorbei sein könnte. Greetsiel ist bekannt für seinen ruhigen, malerischen Hafen. Eine Bimmelbahn mit hupenden Signalen oder Motorgeräuschen könnte genau diese Idylle zerstören. „Am besten noch ein Riesenrad. Ab 17 Uhr kommen dann die fliegenden Händler mit gefälschten Schuhen und Textilien“, treibt es ein Mann auf die Spitze. „Greetsiel ist kein Heide-Park“, schreibt ein anderer Leser dazu. „Bloß nicht, das braucht doch keiner“: Kommentare wie diese sind mehrfach zu lesen. Die einhellige Meinung vieler: Eine solche Touristenattraktion würde dem beschaulichen Ort mehr nehmen als geben.
Wirtschaftlicher Vorteil
Ein weiterer Publikumsmagnet in Form einer Bimmelbahn kann letztlich auch einen wirtschaftlichen Vorteil mit sich bringen: Mehr Besucher, die länger bleiben, bedeuten mehr Umsatz für Cafés, Restaurants und Geschäfte. Eine neue Attraktion könnte den Tourismus ankurbeln, ohne dass große bauliche Maßnahmen nötig sind. Andererseits ist Greetsiel ein kleines, fußläufiges Dorf. Viele Wege sind ohnehin problemlos zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar. Eine Bahn sei daher überflüssig und würde nur wenig Mehrwert bieten, finden andere.
Zudem stellt sich die Frage, wer für die Kosten aufkommt und ob das Geld nicht besser in nachhaltigere Lösungen investiert werden sollte. „Wurden deshalb die Grundsteuern angehoben? Nur damit man Geld für so einen Quatsch raushaut?“, fragt ein Leser. Und weiter: „Es geht nur noch ums Geldverdienen. Einheimische und Saisonkräfte finden keine Wohnungen, die bezahlbar sind. Und da wundert man sich, dass kein Personal zu bekommen ist.“
Was ist der aktuelle Stand?
Im Februar 2025 war bekannt geworden, dass es Überlegungen gibt, eine Bimmelbahn durch Greetsiel fahren zu lassen. „Die Gespräche mit dem Investor laufen weiterhin, und es werden verschiedene Aspekte des Projekts sorgfältig geprüft“, teilt dazu Oliver Janssen von der Gemeinde Krummhörn auf Nachfrage mit. Allerdings stehe man noch ganz am Anfang des Projektes. Zur geplanten Wegstrecke oder auch dem Aussehen der Bahn könne deshalb zurzeit noch nichts weiter bekannt gegeben werden.
Grundsätzlich sieht die Gemeinde in einer elektrisch betriebenen Wegebahn jedoch „eine attraktive und umweltfreundliche Ergänzung zum touristischen Angebot in Greetsiel“. Für eine erfolgreiche Umsetzung seien jedoch verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Dazu gehören die Abstimmung der Streckenführung, geeignete Haltepunkte sowie die Einbindung in das bestehende Verkehrs- und Parkraumkonzept. „Diese Fragen werden derzeit mit den relevanten Beteiligten – darunter die Gemeinde, der Landkreis, die Deichacht und der NLWKN – intensiv geprüft“, so Janssen.