Hamburg Apples KI-Debakel trifft Nutzer: Wichtigste Funktion und neues Gerät verschoben
Apple wirbt seit Monaten mit seinen neuen KI-Funktionen „Apple Intelligence“. Ausgerechnet deren Herzstück verschiebt der iPhone-Hersteller nun – Experten zweifeln sogar, ob es überhaupt kommt. Was das Debakel für Nutzer bedeutet.
Alarm im Apple-Kosmos: Die deutlich verbesserte KI-Version des Sprachassistenten Siri – das Herzstück von Apples KI-Aktivitäten, die das Unternehmen Apple Intelligence nennt – kommt frühestens 2026. Eigentlich wurde der Start der KI-Siri für April erwartet. Nun hat das Unternehmen die bereits im Sommer 2024 angekündigte Neuheit verschoben.
In Deutschland können Verbraucher mit modernen iPhones, iPads oder Macs Apple Intelligence seit Ende März verwenden — als Schreibhilfe in E-Mails und Nachrichten, zum Erstellen eigener Emojis oder für Zusammenfassungen langer Texte. Nutzer, die extra für Apple Intelligence auf ein neueres iPhone, iPad oder einen Mac-Computer umgestiegen sind, müssen auf die beworbenen Siri-Funktionen jedoch verzichten.
Die neue KI-Siri sollte zu einem nie dagewesenen persönlichen Assistenten der Nutzer werden. In Werbespots fragten Nutzer den Sprachassistenten, wann die Mutter am Flughafen landen würde oder wie noch gleich dieser Kerl hieß, der vor ein paar Monaten bei einem bestimmten Treffen mit Freunden dabei war. In den Clips konnte Siri diese Fragen zuverlässig beantworten. Mittlerweile hat Apple die Spots aus seinen Kanälen gelöscht.
Die beeindruckenden Funktionen möglich machen sollte Siris Zugriff auf die persönlichen Daten des Nutzers sowie die Fähigkeit, Informationen aus verschiedenen Apps abrufen und zusammenfügen zu können. Das alles sollte unter größtmöglichem Datenschutz passieren, kündigte das Unternehmen an. „Nur Apple“ könne diese Art von KI liefern, sagte der iPhone-Hersteller bei der Vorstellung im vergangenen Juni.
Acht Monate später teilt Apple zu seinen KI-Aktivitäten mit, man habe „auch an einer personalisierten Siri gearbeitet, die mehr Bewusstsein für Ihren persönlichen Kontext bietet und die Möglichkeit bietet, innerhalb und zwischen Ihren Apps für Sie zu handeln. Es wird länger dauern als gedacht, diese Funktionen zu entwickeln, und wir gehen davon aus, dass wir sie im kommenden Jahr einführen werden.“
Doch daran bestehen Zweifel. Der britische Software-Entwickler Simon Willison vermutet Sicherheitsprobleme hinter der Verschiebung. Die Art, wie Siri in Apple Intelligence funktioniere, sei die „schlimmstmögliche Kombination“ für sogenannte „Prompt-Injection“-Angriffe.
Immer, wenn der technische Unterbau der künstlichen Intelligenz Zugriff auf private Daten hat und gleichzeitig bösartigen Anweisungen aus E-Mails oder Textnachrichten ausgesetzt ist, „besteht ein erhebliches Risiko, dass ein Angreifer diese Tools unterwandert und sie verwendet, um die Daten eines Benutzers zu beschädigen“, erklärte Willison.
Der US-Apple-Kenner John Gruber kommentierte Apples Vorgehen auf seiner Webseite „Daring Fireball“ kritisch: „Apple hatte für dieses Jahr eine ganze Reihe von Funktionen versprochen – und oft auch beworben –, von denen man nun nicht nur eingestanden hat, dass sie in diesem Jahr nicht ausgeliefert werden, sondern dass sie möglicherweise sogar nie ausgeliefert werden können.“
Er frage sich „wie viele Leute bei Apple diese Bedenken vor einem Jahr geäußert haben und warum sie die Debatte verloren haben, diese Funktionen im Juni letzten Jahres zu versprechen und im September dafür zu werben“, so Gruber.
Auch ein bisher unveröffentlichtes Gerät müssen Apple-Fans für dieses Jahr wohl abschreiben. Das als „Kommandozentrale“ beschriebene Gerät – eine Smart-Home-Zentrale im Stile eines quadratischen iPads – basiere laut Berichten des gut informierten Bloomberg-Journalisten Mark Gurman auf der neuen KI-Siri und Apple Intelligence und kann daher nicht mehr in diesem Jahr veröffentlicht werden.