Osnabrück  Lohnt sich der neue Kölner „Tatort: Colonius“?

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 09.03.2025 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Frei sein, high sein. Gina Grabitz (Emma Bading, links) und Meike Bennis (Sinje Irslinger) gehen voll auf in der Szene. Die Techno-Partys der 1990er Jahre im Funkturm sind ihr Zuhause. „Tatort: Colonius“ am Sonntag, 09. März um 20.15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek. Foto: WDR Kommunikation/Redaktion Bild
Frei sein, high sein. Gina Grabitz (Emma Bading, links) und Meike Bennis (Sinje Irslinger) gehen voll auf in der Szene. Die Techno-Partys der 1990er Jahre im Funkturm sind ihr Zuhause. „Tatort: Colonius“ am Sonntag, 09. März um 20.15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek. Foto: WDR Kommunikation/Redaktion Bild
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Der Mord an einem Fotografen führt die Kölner Kommissare im neuen „Tatort: Colonius“ in die Vergangenheit und die Techno-Szene auf dem Kölner Funkturm.

Es müssen heftige Partynächte gewesen sein, die Anfang der 1990er Jahre hoch oben auf dem Kölner Funkturm Colonius getobt haben. Wenn sich die Techno-Szene dort am Wochenende traf, so heißt es, wurde der Turm so sehr in Schwingung versetzt, dass dadurch der Fernsehempfang in Köln und Umgebung beeinträchtigt wurde.

Längst ist der zweigeschossige Besucherbereich in der dreigeschossigen Turmkanzel für Besucher geschlossen. Die Party ist vorbei. Und die Gäste von einst befinden sich in einem Alter, in dem man die Partynächte von damals nicht mehr unbeschadet überstehen würde. Dann aber lässt ein Leichenfund die Vergangenheit wieder aufleben.

Als die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) die Wohnung des ermordeten Alex Schmitz aufsuchen, erkennt Freddy das Opfer auf einem alten Foto wieder und erinnert sich. Ja. Der junge Freddy war tatsächlich auch einmal auf einer dieser Techno-Partys. Rein dienstlich während der Nachtschicht im Kriminaldauerdienst als Polizist und Partykiller, versteht sich. Damals brannte das Auto des heutigen Mordopfers, einem in der Szene bekannten Drogendealer, der später wegen einer „Ehrfurcht erbietenden Menge an Drogen“ in den Niederlanden im Knast saß, wie Freddy schnell herausfindet.

Die Spuren auf dem Rechner des Toten führen zu der damaligen Clique von Alex. Bauingenieur Christian (Thomas Loibl), Galeristin Meike (Karoline Eichhorn) und Renée (Andreas Pietschmann), der eine Gastro-Kette betreibt, in der auch Christians Tochter Svenja (Vanessa Loibl) arbeitet, scheinen allesamt etwas zu verbergen haben. Schnell erweitert sich für die Ermittler der aktuelle Fall um einen Cold Case und um die Frage, was in jener Nacht vor mehr als 30 Jahren mit Svenjas Mutter Gina geschehen ist, die seitdem als vermisst gilt.

Mit der Folge „Colonius“ gelingt Regisseurin Charlotte Rolfes nach dem Drehbuch von Eva Zahn und Volker A. Zahn ein in vielerlei Hinsicht reizvoller „Tatort“. Da ist zum einen im Hier und Jetzt die kammerspielartige Zeugenbefragung der vier Personen, zwischen denen es ganz offensichtlich erhebliche Spannungen gibt. Soviel sei verraten – Jütte (Roland Riebeling) kann gerade noch seinen Computerbildschirm in Sicherheit bringen.

Diese Verhörsituation im Revier wird durchbrochen von zahlreichen Rückblenden in die Techno-Szene im und auf dem Funkturm, der als heimlicher Hauptdarsteller elegant in Szene gesetzt wird. In der Liste der Kölner Baudenkmäler hat der Colonius bereits einen Eintrag. Jetzt erhält er mit diesem Kölner „Tatort“ auch sein filmisches Denkmal.

Wie es Regie und Drehbuch dann schaffen, den alten mit dem neuen Fall zu verknüpfen und dabei eine spannende wie tragische Geschichte aufzubauen, ist wirklich erstaunlich. Die Rückblenden in die Vergangenheit der Kölner Techno-Szene und Jugendkultur wirken alles andere als verklärt, wobei Joshua Hupfauer, Sinje Irslinger und Sebastian Schneider als junge Darsteller der nun in die Jahre gekommenen Verdächtigen beinahe unheimlich authentisch wirken. Und Emma Bading, man kann es nicht anders sagen, sticht in ihrer Schlüsselrolle als damals junge und nun vermisste Mutter mit einer Glanzvorstellung heraus.

Auf die Frage, wie sich die Jugendkultur von einst im Vergleich zu heute eigentlich verändert habe, hat Ballauf-Darsteller Behrendt die beste aller Antworten. „Naja, ich bin ja damals auch nicht zum Tanztee gegangen wie meine Eltern“, erinnert er sich in einem Pressestatement. Und auch, wenn einiges anders war – „wenn du jung bist, willst du Spaß und feiern. Da waren wir doch genauso wie die jungen Leute heute.“

„Tatort: Colonius“ läuft am Sonntag, dem 09. März um 20.15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek.

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