Tattoo-Kunst  „Reeperbahn privat“ – sogar seine Augäpfel sind tätowiert

Susanne Ullrich
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Von Susanne Ullrich
| 10.03.2025 12:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Sein Aussehen polarisiert: Marco Apfler ist Tattoo-Artist und selbst großflächig tätowiert. Selbst eine Augäpfel wurden mit Tinte eingefärbt. Foto: Ortgies
Sein Aussehen polarisiert: Marco Apfler ist Tattoo-Artist und selbst großflächig tätowiert. Selbst eine Augäpfel wurden mit Tinte eingefärbt. Foto: Ortgies
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Der Tattoo-Künstler Marco Apfler steht wieder für „Reeperbahn privat – Das wahre Leben auf dem Kiez“ vor der Kamera. Nach Jever kehrt er nur noch für eine kurze Auszeit vom Nachtleben zurück.

Jever/Hamburg - Es ist ein turbulentes Leben, das Marco Apfler führt. Genau so liebt er es – aber manchmal braucht er einfach eine kurze Auszeit. Dann packt er seine Tasche und kommt für ein paar Tage nach Jever: „Hier hab ich meine Ruhe.“ In Friesland hat der 48 Jahre alte Tattoo-Künstler jahrelang gelebt, hat sein Tattoo-Studio „Tief unter deine Haut“ in der Kreisstadt betrieben und eine Familie gegründet. Noch immer hat er eine Handvoll Freunde, die er gern besucht. Wirklich zu Hause aber sei er in Jever nie gewesen. Vielleicht, weil die Stadt zu klein ist für einen Mann wie Marco Apfler. Ein Mann, der den Großteil seiner Haut mit Körperkunst bedeckt hat und sogar die Augäpfel in Rot tätowieren ließ. Seine „Hautfarbe“ ist anders als die der meisten – und auch sein Gesicht ein Kunstwerk, das vermutlich nie ganz fertig werden wird.

In Jever findet Marco Apfler Ruhe vor dem turbulenten Alltag auf Hamburgs Partymeile und Rotlicht-Viertel. Foto: Ortgies
In Jever findet Marco Apfler Ruhe vor dem turbulenten Alltag auf Hamburgs Partymeile und Rotlicht-Viertel. Foto: Ortgies

In Jever fällt er sofort auf. In Hamburg weniger. Auf der Reeperbahn ist Apfler angekommen, fühlt sich zugehörig und heimisch. Dort wird er angenommen, wie er ist, sagt er. „Diesen extremen Zusammenhalt, den hab ich noch nie so erlebt.“ Ganz ohne schräge Blicke. Und wenn er doch angeschaut und angesprochen wird, dann meist, weil jemand ein Selfie mit ihm machen möchte oder eine Autogrammkarte will. Die, verrät er lachend, hat er mittlerweile immer dabei. Auf dem Kiez ist der Tattoo Artist ein gefragter Mann. Gerade steht er für die sechste Staffel von „Reeperbahn privat! Das wahre Leben auf dem Kiez“ vor der Kamera. Ein Produktionsteam begleitet ihn seit Ende Februar 2025 wieder einmal für das Reality-TV-Format in seinem stressigen, aber abwechslungsreichen Alltag: beim Tätowieren, als Geschäftsführer der Kiezkneipe „Lehmitz“ und als Familienvater.

Konny Reimann und Marc Terenzi sind seine Kumpels

Seit der vierten Staffel ist Apfler Teil der Doku-Soap auf RTL2, die das Leben auf dem Hamburger Kiez zwischen Rampenlicht, Rotlicht und Blaulicht begleitet. Die Kamerateams zeigen verschiedene Persönlichkeiten wie beispielsweise Drag Queens und Rausschmeißer. Die Produktionsfirma Story House begleitet für „Reeperbahn privat – das wahre Leben auf dem Kiez“ verschiedene Charaktere, teils schon über Jahre. Die Produzenten verstehen das 2019 gestartete Format als „eine gefühlvoll erzählte Serie, die den Protagonisten auf Augenhöhe begegnet und ihren Geschichten Raum gibt“. Gezeigt wird unter anderem, was hinter den Kulissen der kultigen Amüsiermeile abgeht.

Marco Apfler ist rundum tätowiert – aber nicht überall komplett. Er selbst schätzt, etwa 70 Prozent seines Körpers seien von Tinte bedeckt. Es könnte aber auch mehr sein. Foto: Ortgies
Marco Apfler ist rundum tätowiert – aber nicht überall komplett. Er selbst schätzt, etwa 70 Prozent seines Körpers seien von Tinte bedeckt. Es könnte aber auch mehr sein. Foto: Ortgies

Marco Apfler ist wie immer mittendrin: „Meine ganzen Freunde sind dabei – also bin ich auch dabei“, sagt er. 2021 stolperte er da so rein: „Ich wollt nur einen trinken“, erinnert er sich. Sein Aussehen fiel auf, und man fragte ihn, ob er nicht vor laufender Kamera tätowieren wolle. Anfang 2022 war er erstmals als Protagonist der Serie „Reeperbahn privat“ im TV zu sehen. Apfler ergriff damals die Chance, die sich ihm bot – obwohl er bis heute mit gemischten Gefühlen vor der Kamera steht. Wo andere es lieben, sich zu präsentieren, musste er sich erst daran gewöhnen. Mittlerweile stehe er aber gern vor der Kamera: „Man hat Blut geleckt“, gibt er zu. Der 48-Jährige wird längst nicht mehr nur für die Serie gefilmt. Im August ist er beim Dreh eines Horrorfilms dabei, verrät er. Dort und auf der Reeperbahn lernt er übrigens regelmäßig Promis ganz privat kennen. Mit dem Kult-Auswanderer Konny Reimann und dem Popsänger Marc Terenzi verbinde ihn mittlerweile eine Freundschaft. „Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Das passte“, sagt Apfler über Reimann.

Abhängen mit Axel Schulz, Mike Süßer und Klaus Borrmann

Auch der Ex-Profiboxer Axel Schulz, der Fernsehkoch Mike Süßer und der US-Car-Spezialist Klaus Borrmann gehören zu Apflers Bekanntenkreis, erzählt er auf Nachfrage. Manchmal hängen die auch im „Lehmitz“ ab. Gemeinsam mit seiner Partnerin Anneliese Janßen hat Apfler im August 2024 die Geschäftsführung der Kiezkneipe an der Reeperbahn übernommen, nachdem sie ein Jahr zuvor nach Hamburg gezogen waren. „Die Übernahme war eine Bierlaune“, erinnert er sich. Man habe sie dem Paar angeboten – und das hatte ziemlich spontan zugesagt. Wenig später hatten Apfler und Janßen schon die Schlüssel und damit auch die Verantwortung für die Rockkneipe mit Livemusik samt Gästen und Personal. „Anneliese ist glücklich. Die geht da voll auf“, freut er sich.

Marco Apfler kam mehr durch Zufall auf die Hamburger Reeperbahn und lebt dort seit 2023. Dauerhaft zurück nach Jever will er nicht – hier steht er vor dem Schloss zu Jever. Die kurze Auszeit in der Kleinstadt aber genießt er. Foto: Ortgies
Marco Apfler kam mehr durch Zufall auf die Hamburger Reeperbahn und lebt dort seit 2023. Dauerhaft zurück nach Jever will er nicht – hier steht er vor dem Schloss zu Jever. Die kurze Auszeit in der Kleinstadt aber genießt er. Foto: Ortgies

Zusammen mit seinem Tattoo-Studio und seiner Familie – Janßen brachte ihren mittlerweile 15 Jahre alten Sohn Lasse mit in die Beziehung und vor zweieinhalb Jahren wurde der gemeinsame Sohn Tayler geboren – bedeutet dies lange Tage für den gelernten Schuhverkäufer. Tagsüber tätowiert er, die Nächte schlägt er sich nicht selten in der Kneipe um die Ohren. Schlaf bekommt er nur wenig, denn es ist fast immer etwas los. „Die Reeperbahn, als Partymeile ist das genial“, unterstreicht er. Selbst komme er allerdings derzeit kaum noch dazu, das Nachtleben zu genießen. Dafür wird er zu Events eingeladen und darf beispielsweise ganz nah am Ring sitzen, wenn dort die Boxer loslegen. Er ist als Gast auf Messen unterwegs und hat mit dem „Apfler“ sogar seine Collection eigener Cocktails der Cocktailrocker: „Die sind richtig lecker.“

Aufwachsen im Milieu

Das Rotlichtmilieu ist Teil von Apflers DNA. Berührungsängste kennt er nicht. Sein Vater sei Betreiber eines Bordells in Osnabrück gewesen, berichtet er. Seine Mutter Bardame. „Ich habe oft mit den Damen gespielt. Wir haben auf der Straße mit ferngesteuerten Autos gespielt“, erinnert er sich. Geburtstage seien ein Highlight gewesen: „Ich hab viele Geschenke bekommen. Das waren alles meine Tanten.“ Das waren schöne Momente seiner Kindheit. Aber es muss auch viele andere gegeben haben. Denn Apfler verbrachte einen erheblichen Teil davon in einem Kinderheim. Bekannt wurde Marco Apfler später übrigens unter anderem als Ziehsohn von Ex-Zuhälter Klaus Barkowsky, der 2023 starb.

Ein paar Tage ausspannen in Jever gönnt Marco Apfler sich alle paar Monate, dann geht es für den Tätowierer und Geschäftsführer einer Kneipe zurück ins Hamburger Szeneleben. Foto: Ortgies
Ein paar Tage ausspannen in Jever gönnt Marco Apfler sich alle paar Monate, dann geht es für den Tätowierer und Geschäftsführer einer Kneipe zurück ins Hamburger Szeneleben. Foto: Ortgies

Die Körperkunst des Marco Apfler erzählt seine Lebensgeschichte vermutlich auf eine ganz individuelle Weise. In den nächsten Tagen will er sein Werk im Gesicht fortsetzen – das macht allerdings ein anderer Künstler für ihn. Ein Gast-Tätowierer aus Chile kommt zu ihm ins Studio und wird einen weiteren Beitrag am lebendigen Gesamtkunstwerk leisten. José soll Details im Gesicht ausarbeiten. Denn noch ist Apfler längst nicht fertig. Vielleicht wird er es auch nie, lenkt er ein. Und ja, auch ein Tätowierer ist nicht schmerzunempfindlich. Vor allem im Gesicht, beispielsweise am Kiefer, ist es oft nicht ohne. „Das tut schon weh“, weiß er aus erster Hand. Da hilft nur eins: „Augen zu und durch.“

Und auch wenn auf den ersten Blick für den Laien kaum freier Platz zu sehen ist für mehr Tinte, so sieht das der Experte doch ganz anders: Nur rund 70 Prozent seines Körpers seien wirklich bedeckt, überschlägt Apfler. Andere tippen auf 80 Prozent, manche sogar auf 90. Neben sehr viel Schwarz trägt er auch ein buntes Einhorn auf seiner Haut: „Das gehört zu mir.“ Insgesamt, überschlägt er, hat er bisher vermutlich um die 50.000 oder 60.000 Euro in seine Tattoos investiert.

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