Hamburg  Glamour statt Taktik? Deshalb braucht die Fußball-WM keine Halbzeitshow

Sophie Wehmeyer
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Von Sophie Wehmeyer
| 06.03.2025 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fußball braucht keine Halbzeit-Show: Emotionen gibt es bei den Fans der WM genug. Foto: dpa/Rainer Jensen
Fußball braucht keine Halbzeit-Show: Emotionen gibt es bei den Fans der WM genug. Foto: dpa/Rainer Jensen
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Taktik, Spannung, Emotionen – dafür steht ein WM-Finale. Doch 2026 droht ein Traditionsbruch: Die FIFA plant eine Halbzeitshow. Anstatt sich auf den Sport zu konzentrieren, treibt sie die Kommerzialisierung des Fußballs auf die Spitze. Das WM-Finale ist aber kein Super Bowl.

Das Finale einer Fußballweltmeisterschaft ist der Höhepunkt des größten Sportereignisses der Welt. Und doch will die FIFA diesen Moment künftig mit einer Halbzeitshow nach amerikanischem Vorbild verwässern. Eine Inszenierung mit Promis, Lichteffekten, Marketing und Glamour – mitten in einem Spiel, das von der eigenen Spannung und Dynamik leben sollte. Das WM-Finale ist kein Super Bowl, und das ist auch gut so.

Wie FIFA-Chef Gianni Infantino angekündigt hat, soll es 2026 beim Finale der Fußball-WM, die in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen wird, eine Halbzeitshow, wie beim Super Bowl, dem Finale der amerikanischen Football-Liga NFL, geben. Damit treibt die FIFA die Kommerzialisierung des Fußballs weiter auf die Spitze. Nach der umstrittenen WM 2022 in Katar, der Erweiterung des Turniers auf 48 Teams und Diskussionen über neue Wettbewerbe wie die Klub-WM, folgt nun der nächste Schritt: mehr Show, mehr Sponsoren, mehr TV-Gelder. Das eigentliche Spiel wird so zur Nebensache.

Ja, die Fußball-WM hat sich bereits heute mit Rahmenprogrammen, VIP-Events und Marketingkampagnen zur Werbemaschinerie entwickelt. Doch eine Halbzeitshow im Finale ist das klare Signal, dass sich der Fußball endgültig dem Entertainment-Druck unterwirft.

In den USA ist Sport nicht nur Wettkampf, sondern vor allem Unterhaltung. Football, Basketball und Baseball leben von der großen Inszenierung. Doch Fußball funktioniert anders, also: noch. Er lebt von seinem Spielfluss und einer Spannung, die sich über 90 Minuten oder länger aufbaut. Die Faszination für den Sport entwickelt sich aus dem Spiel heraus – nicht aus einer perfekt inszenierten Show in der Pause. 

Die FIFA degradiert mit der Show insbesondere diejenigen Zuschauer im Stadion, die wegen des Sports und nicht der Halbzeit-Unterhaltung teure Tickets gekauft haben, zu Statisten herab. Die Fans fachsimpeln üblicherweise in der Pause – nicht selten in der Schlange am Bierstand – über die Taktik, Aufstellung und was sie anders gemacht hätten.

Wer die Show und nicht den Sport sucht, der findet genug Formate, die der Ablenkung dienen, den Super Bowl selbst zum Beispiel, bei dem der Football zur Nebensache wird, oder gleich den Eurovision Song Contest. Doch wer den Fußball liebt, will kein Spektakel auf einer Bühne in der Pause – nur eines auf dem Rasen.

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