Betrieb in Burhafe hört auf Fleischerei Oldewurtel beendet Betrieb nach Jahrzehnten
Nun hört auch noch die Fleischerei Odewurtel im Wittmunder Ortsteil Burhafe auf. Die Zahl der handwerklichen Fleischereibetriebe schrumpft zusehends. Woran liegt das?
Burhafe - Im Landkreis Wittmund wird es demnächst eine Fleischerei weniger geben: Bernhard Oldewurtel und seine Familie schließen zu Ende März ihr Geschäft in Burhafe. „Aus gesundheitlichen Gründen“, wie Gerlinde Oldewurtel bei einem Besuch im Laden kurz erklärt. Sie hat wenig Zeit. Die Kunden stehen Schlange, der Parkplatz ist voll. Seit bekannt geworden sei, dass sie aufhören, sagt Gerlinde Oldewurtel noch, kämen sie mit der Produktion kaum nach.
Das Ladengeschäft ist eher unscheinbar und liegt am Rande des Gewerbegebietes von Burhafe. Trotzdem nehmen die Kunden weite Wege auf sich, um hier einzukaufen. Die Fleischerei Oldewurtel gibt es seit Jahrzehnten. Sie hat einen guten Ruf, ihre Waren sind beliebt. Trotzdem ist jetzt bald Schluss.
Fleischereien – so viele gibt es noch in Ostfriesland
Auf der Suche nach Zahlen und Gründen führt der Weg zur Kreishandwerkerschaft Leer-Wittmund. Eine eigene Fleischerinnung gibt es für den Landkreis Wittmund nicht. „In den letzten Jahren haben viele Betriebe größtenteils aus Altersgründen geschlossen“, schreibt auf Nachfrage Thomas Dreesmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Einen Nachfolger zu finden sei nicht einfach. „In Bunde konnte der Fleischermeister Thieke seinen Betrieb erfolgreich an den Fleischer Nils Spieß übergeben“, schreibt er noch. Das sei aber ein Ausnahmefall.
In Ostfriesland gebe es aktuell noch 18 inhabergeführte Fleischer-Fachbetriebe, die handwerklich in einer Innung organisiert seien. Hinzu kämen noch ein paar wenige Betriebe, die nicht einer Innung in Ostfriesland angehörten. „Es ist sehr bedauerlich, dass die Fleischerei Oldewurtel in Burhafe zu Ende März aufhört“, so der Geschäftsführer.
Fleischereien – was mit den Geschäftsaufgaben verloren geht
Dreesmann verweist auch an Markus Leggedör, Obermeister der Fleischerinnung Leer, die zukünftig für die Region Wittmund zuständig sein soll. Auch Leggedör bedauert das Geschäftsende in Burhafe: „Mit jedem Betrieb stirbt ein Stück Tradition, Vielfalt und letztlich geht auch ein Geschmack verloren“, schreibt er. Jeder Betrieb habe schließlich seine hauseigenen, jahrzehntelang erarbeiteten Rezepturen. Die Spezialitäten dieser Betriebe gebe es dann nie wieder.
Doch warum kommt es überhaupt so weit? „Der Grundbedarf an Fleisch- und Wurstwaren wird durch industrielle Ware in den Supermärkten und Discountern abgedeckt“, schreibt Leggedör. Deutschlandweit liege der Anteil an handwerklich hergestellten Fleisch- und Wurstprodukten nur noch bei etwa 13 Prozent. Den Rest lieferten die Industrie und die großen Schlachthöfe. „Heute sind wir zu einer kleinen Nische geworden.“
Fleischereien – die Entwicklung in Zahlen
Leggedör ist nach eigener Auskunft seit 2011 Obermeister der Fleischerinnung in Leer. „Damals“, schreibt er, „hatten wir noch 22 Innungsmitglieder. Heute sind wir noch mit sieben Betrieben in der Innung organisiert. Alle anderen Betriebe sind leider geschlossen.“ Dazu kämen noch drei nicht organisierte Handwerksbetriebe. Im Landkreis Wittmund gibt es laut Leggedör nach dem Aus in Burhafe künftig nur noch die Fleischerei Bruns in Esens. Die benachbarte Fleischerinnung Aurich-Emden-Norden zählt noch elf Betriebe.
Dabei ist Leggedör von seinem Beruf überzeugt. Das ist ihm anzumerken. Dass trotzdem immer weniger im Fleischerhandwerk eine berufliche Zukunft für sich selber sehen, hängt wohl auch damit zusammen, dass das Gewerk eine spezielle Voraussetzung hat: das Töten von Tieren und der Umgang mit ihrem Fleisch. Beides ist den meisten Menschen völlig fremd – auch denen, die gern Fleisch essen. „Früher“, schreibt Leggedör denn auch, „gab es in unserer ländlichen Region noch die traditionellen Hausschlachtungen. Da kannten alle Kinder die vielen Schritte vom Tier zur Wurst noch persönlich.“ Heute dagegen hätten junge Menschen überhaupt keinen Bezug mehr zu rohem Fleisch, zur Wurstherstellung und zur Schlachtung, wie sie bei kleinen Fleischern noch selbst durchgeführt werde.