Bauarbeiten in Greetsiel  So geht′s weiter mit Poppingas Alter Bäckerei

Stephanie Tomé
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Von Stephanie Tomé
| 06.03.2025 13:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Fenster und auch die Fassade sollen schon bald in neuem Glanz erstrahlen. Die neuen Eigentümer planen eine umfassende Sanierung des Gebäudes aus dem 17. Jahrhundert. Foto: Tomé
Die Fenster und auch die Fassade sollen schon bald in neuem Glanz erstrahlen. Die neuen Eigentümer planen eine umfassende Sanierung des Gebäudes aus dem 17. Jahrhundert. Foto: Tomé
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Die historische Teestube in Greetsiel bekommt eine zweite Chance. Schon bald sollen die Umbauarbeiten starten.

Greetsiel - „Hier deit sück wat!“ („Hier tut sich was“) steht auf einem Schild geschrieben, das im Fenster von Poppingas Alter Bäckerei hängt. Gleich daneben die Erklärung: Eine umfassende, denkmalgerechte Sanierung sollte im Februar 2025 starten. Im April 2026, so der Plan, wird die alte Teestube am Greetsieler Hafen wiedereröffnen. Doch bislang ist von Bauarbeiten nichts zu sehen. Wann geht es endlich los?

„Hier deit sück wat“ (Hier tut sich was): Die Umbauarbeiten haben zwar noch nicht begonnen, sollen aber bald starten. Foto: Tomé
„Hier deit sück wat“ (Hier tut sich was): Die Umbauarbeiten haben zwar noch nicht begonnen, sollen aber bald starten. Foto: Tomé

Wie Johannes Cassens als einer der Investoren auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, wartet die „PAB Denkmal eGbR“, die im vergangenen Sommer das Gebäude von der Gemeinde Krummhörn gekauft hat, nun nur noch auf grünes Licht von der Denkmalbehörde, um mit den Sanierungsarbeiten beginnen zu können. Cassens und seine Mitgesellschafter Bernd Cirksena-Thaden sowie Eike Willms rechnen jeden Tag damit, dass die nötige Genehmigung im Briefkasten liegt. „Ich denke, wir haben den Zeitraum richtig eingeschätzt“, sagt Cassens. Er hält daran fest: Im Frühjahr 2026 soll die Teestube wiedereröffnen.

Was genau wird gemacht?

Bis es so weit ist, hält das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert einiges an Arbeit bereit. Die Bauunternehmen stünden bereits in den Startlöchern und seien auf das große Projekt vorbereitet, so Cassens. Im Grunde steht dem Gebäude eine Kernsanierung bevor, die es mitsamt aller Auflagen des Denkmalsschutzes beinahe in den Zustand eines Neubaus versetzen soll. „Wir alle sind gespannt darauf“, so Cassens.

In den Innenräumen der Alten Bäckerei konnten sich Gäste früher auch die historische Einrichtung anschauen. Foto: Archiv
In den Innenräumen der Alten Bäckerei konnten sich Gäste früher auch die historische Einrichtung anschauen. Foto: Archiv

Weil das Gebäude komplett unter Denkmalschutz steht, gestaltet sich aber vieles schwieriger als bei einem Neubau. Anstatt einfach neue Fenster einzubauen, sollen die alten ausgebaut und fachgerecht restauriert werden. Auch die Fassade erhält eine Auffrischung und soll unter anderem neue Fugen bekommen, verrät Cassens. Das werde auch dem Ortsbild zugutekommen, wenn das Gebäude in neuer Frische erstrahlt. Die alte Kaufmannstheke im Inneren der Teestube, die aus dem 19. Jahrhundert stammt, wird ausgebaut, aufbereitet und wieder an ihren Platz gesetzt. Ein wenig Sorge bereitet den Eigentümern indes der nasse Keller des Gebäudes. Aber auch für dieses Problem wurde inzwischen eine bautechnische Lösung erarbeitet, die das Gebäude nach Fertigstellung, „mindestens 50, wenn nicht für für die nächsten 100 Jahre auf ein sicheres Fundament stellt“, so Cassens.

Viel zu entdecken in Poppingas Alter Bäckerei. Wie wird es in Zukunft dort aussehen? Foto: Archiv
Viel zu entdecken in Poppingas Alter Bäckerei. Wie wird es in Zukunft dort aussehen? Foto: Archiv

Was haben die neuen Eigentümer mit dem Gebäude vor?

Mit dem Kauf des Gebäudes im vergangenen Sommer verpflichteten sich Johannes Cassens und seine Geschäftspartner gegenüber der Gemeinde Krummhörn, das Gebäude zu sanieren und wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das sei ihnen auch ein großes Anliegen, betonte Cassens. Es sei geplant, den Betrieb grundsätzlich wieder so herzurichten, wie es die ehemalige Pächterin Inge Ysker-Cornelius in über 30 Jahren mit sehr viel Herzblut und Engagement aufgebaut hat.

Inge Ysker-Cornelius führte 38 Jahre lang die Alte Bäckerei. Foto: Archiv
Inge Ysker-Cornelius führte 38 Jahre lang die Alte Bäckerei. Foto: Archiv

Künftige Betreiber könnten dieses Konzept aber selbstverständlich ergänzen oder modernisieren. Einen Pächter oder eine Pächterin gebe es aktuell noch nicht, Interessenten könnten sich gerne melden. Es gehe den Investoren nicht darum, besonders hohe Pachteinnahmen zu generieren, sondern vielmehr darum, jemanden zu finden, der die Teestube langfristig und „mit viel Herzblut“ betreibt.

Was macht das Gebäude so besonders?

Poppingas Alte Bäckerei gehört zu den traditionsreichsten Häusern in der Krummhörn. Das schmuckvolle und ortsprägende Gebäude an der Sielstraße befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Hafen und zum Marktplatz. Der Name Poppinga geht auf den im Jahr 1811 geborenen ersten Bäckermeister Heit Harm Poppinga zurück, der mit einer Bäckerstochter aus Loppersum verheiratet war und schließlich selbst eine Bäckerei in dem Gebäude an der Sielstraße eröffnete. Die letzte Bewohnerin des Hauses, Mareike Poppinga, hat dort noch bis 1973 Brot und Lebensmittel verkauft. In den 80er Jahren wurde die alte Bäckerei aufwendig saniert und zur Teestube hergerichtet.

Ein Schild wies früher auf die Alte Bäckerei hin. Foto: Archiv
Ein Schild wies früher auf die Alte Bäckerei hin. Foto: Archiv

38 Jahre lang führte Inge Ysker-Cornelius die urige Teestube. Es gab darin Kunst- und Kulturveranstaltungen, Sitzungen, Neujahrskuchen-Backaktionen und mehr. Die Kombination aus Lage, historischem Charme und lokaltypischer Gastronomie ist es wohl, die auch viele prominente Gäste einst schon in die Teestube lockte: Zu Gast waren schon Showmaster Thomas Gottschalk, Musiker Peter Maffay, Politiker wie Gerhard Schröder, Sigmar Gabriel, Björn Engholm und Rudolf Scharping, Journalisten wie „Stern“-Gründer Henri Nannen, Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni und weitere. Sogar die britische BBC schaute einst vorbei.

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