Bundestagswahl-Nachlese  CDU-Chef – „Die AfD zeigt vor Ort kein Gesicht“

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 05.03.2025 07:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Sieht gute Ergebnisse, seine Partei gegen rechtsaußen aber weiter gefordert: CDU-Kreisvorsitzender Wilke Held. Foto: Schuurman
Sieht gute Ergebnisse, seine Partei gegen rechtsaußen aber weiter gefordert: CDU-Kreisvorsitzender Wilke Held. Foto: Schuurman
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Die CDU hat in Emden deutlich an Stimmen gewonnen. Kreisvorsitzender Wilke Held erklärt, warum er dennoch nicht zufrieden ist und wie seine Partei die AfD im Emder Rat verhindern will.

Emden - Die Bundestagswahl 2025 hat Einfluss auf die Parteienlandschaft in Emden. Einige haben Federn gelassen, andere Zugewinne gemacht. Wir haben einmal nachgefragt, warum die Parteien in manchen Stadtteilen mehr oder weniger vertreten sind, wie sie die Gründe für ihr Abschneiden sehen und wie sie die Bundestagswahlergebnisse im Hinblick auf die nächste Kommunalwahl bewerten. In diesem Teil geht es um die Christdemokraten.

Herr Held: Sie haben als Kreisvorsitzender der CDU und Emder Ratsmitglied bei dieser Bundestagswahl Grund, erhobenen Hauptes durch die Stadt zu laufen. Ein Plus von 4,25 Prozentpunkten gab es aus Emden für die Christdemokraten. Kleiner Wermutstropfen: Mit 18,89 Prozent haben Sie nicht ganz den Bundesdurchschnitt von 22,6 Prozent erreicht. Woran lag es? Welches i-Tüpfelchen fehlte noch?

Wilke Held: Emden ist traditionell eine Hochburg der SPD. Es ist deshalb schön zu sehen, dass wir in Emden weiter an Vertrauen gewinnen. Dieser Wahlkampf war kurz und intensiv, aber voller Engagement: Die 18,89 Prozent Zustimmung sind für uns Ansporn und Auftrag zugleich. Wir sehen: Die SPD verliert, doch zu viele Menschen wechseln lieber zur AfD statt zur CDU. Das ändern wir.

Schaut man auf die Stimmbezirke, haben Sie allerdings richtig zugelegt. 2021 gelang der Sprung über die 20 Prozent lediglich in Früchteburg, Uphusen/Marienwehr und einem Briefwahlbezirk von 45 Bezirken. Bei der aktuellen Wahl nahmen Sie die Hürde bei 20 (!) von 48 Stimmbezirken locker. Haben Sie einfach einmal einen guten Wahlkampf gemacht?

Held: Das ist das Ergebnis harter Arbeit eines engagierten Teams in Emden. Zusammen haben wir Großartiges geleistet! Ich denke auch, dass mittlerweile anerkannt wird, dass die CDU in Emden für Aufbruch steht und dass wir mittlerweile viele sind, die der Partei ein Gesicht geben. Zur Wahrheit gehört aber sicher auch, dass die CDU jetzt insgesamt eine bessere Ausgangslage hatte als 2021 und dass das Abschneiden der AfD uns jetzt fordert.

In welchen Bezirken müssen Sie noch stärker überzeugen? Und womit? Stichworte Transvaal, Stadtmitte II, Barenburg, Grüner Weg.

Held: Die AfD profitiert besonders stark in den Stadtteilen, wo es strukturelle Herausforderungen gibt, oder vielleicht auch, wo sich Menschen von der SPD-geprägten Stadtpolitik im Stich gelassen fühlen. Dass wir in einzelnen Emder Stadtteilen jetzt so große AfD-Mehrheiten sehen, damit werde ich mich nicht abfinden. Denn diese Partei zeigt vor Ort kein Gesicht und steht für ideologische Versprechen, die am Ende nichts Gutes bringen. Emden ist aber kein westdeutscher Einzelfall: Die ehemaligen SPD-Hochburgen Kaiserslautern, Gelsenkirchen oder eben Emden weisen als Gemeinsamkeit strukturelle Schwächen und hohe Sozialquoten auf. So ist es hier für die AfD besonders leicht, Ängste zu schüren und diese Ängste in Stimmen für sich umzuwandeln.

Die CDU hat aber in diesen Stadtteilen nicht gepunktet.

Wenn Sie fragen, wie wir dort stärker überzeugen: Es geht um Arbeitsplätze, um Bildung, um Integration. Es geht darum, vor Ort Gesicht und Haltung zu zeigen: auf den Straßen, in den Vereinen, bei den Menschen. Als CDU bleiben wir vor Ort ansprechbar und ehrlich. Und wir suchen vor Ort weiter nach Mitstreitern, die bereit sind, politisch aktiver zu werden.

Wie ist es Ihnen persönlich und Ihren Mitstreitern im Wahlkampf in Emden ergangen, als Ihr Bundeskandidat den umstrittenen 5-Punkte-Plan als Antrag zur Abstimmung mit den Stimmen der AfD durchgesetzt hat? Bundesweit hat er Ihrer Partei trotz Protestwelle letztlich auch nicht geschadet…

Held: Die inhaltliche Präzisierung unser Migrationspolitik war richtig, aber der Bundestag war kurz vor der Wahl wohl nicht die beste Bühne. Dass die AfD in dieser Abstimmung zugestimmt hat, war kein Ziel, sondern eine politische Realität, die wir nicht kontrollieren konnten. Die AfD-Zustimmung hat als direkte Folge insbesondere die Linke mobilisiert und die Bilder der chaotischen Debatten haben Verunsicherung geschaffen und teilweise Vertrauen gekostet. Das nehme ich sehr ernst. Und wir müssen auch selbstkritisch bleiben: 28,5 Prozent bundesweiter Zustimmung für die Union sind nach dieser Ampel-Bilanz einfach nicht zufriedenstellend.

5301 Emderinnen und Emder haben jetzt für die CDU votiert, 2021 war es knapp ein Drittel weniger. Aus welchem Lager, glauben Sie, kommen die Stimmen?

Held: In dieser Reihenfolge: frustrierte SPD-Wähler, Nichtwähler und natürlich die Menschen, die wir im Wahlkampf persönlich erreicht haben. Wer erst mal mit uns ins Gespräch gekommen ist, der hat uns bei dieser Wahl auch gewählt.

Es sind noch eineinhalb Jahre bis zur Kommunalwahl. Wie wollen die Christdemokraten das gute Abschneiden zur Bundestagswahl 2025 auf lokaler Ebene halten? Was sind Ihre Ziele?

Held: Wir wollen unser Ergebnis nicht halten, sondern weiter ausbauen! Diese Bundestagswahl hat gezeigt, dass viele Menschen in Ostfriesland ihr Vertrauen wieder in die CDU setzen – und das wollen wir weiter stärken. Dafür setzen wir auf die richtigen Themen, zum Beispiel Gesundheitsversorgung vor Ort, Arbeitsplatzsicherheit bei VW und umzu und ein besseres Wohnraumangebot in Emden. Mir macht Mut, dass es bei der Kommunalwahl persönlich wird: Die CDU in Emden wird von Menschen getragen, die für unsere Stadt brennen, wir machen Kommunalpolitik aus Leidenschaft. Mit dieser Energie und einem klaren Zukunftsplan gehen wir in die Wahl 2026.

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