Hamburg  Grafik zeigt: So gefährlich sind Deutschlands Autobahnen im Europavergleich

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 02.03.2025 13:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Viele Faktoren begünstigen Verkehrsunfälle auf der Autobahn. Doch gehört der Verzicht auf ein Tempolimit dazu? Foto: IMAGO/Einsatz-Report24/Aaron Klewer
Viele Faktoren begünstigen Verkehrsunfälle auf der Autobahn. Doch gehört der Verzicht auf ein Tempolimit dazu? Foto: IMAGO/Einsatz-Report24/Aaron Klewer
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Auf deutschen Autobahnen passieren täglich Unfälle – manche davon enden tödlich. Doch wie gefährlich sind sie im Vergleich zu anderen europäischen Ländern? Und welche Rolle spielt das Tempolimit? Zwei Grafiken geben Einblicke.

Deutschland ist das einzige Land in Europa ohne striktes Tempolimit auf den Autobahnen. Aus diesem Grund glauben viele, dass die Autobahnen hierzulande durch mehr Raser und Drängler auch gefährlicher sind als in Ländern, wo ein Tempolimit herrscht. Doch ist das wirklich so?

Anhand von Daten der Europäischen Beobachtungsstelle für die Straßenverkehrssicherheit (ERSO) hat das Statistik-Portal Statista eine Übersicht erstellt, welche Autobahnen in Europa angesichts der Todesopfer pro 1000 Kilometern und pro Jahr am gefährlichsten sind.

Aus diesen Daten geht hervor, dass Deutschlands Autobahnen im Mittelfeld liegen. Demnach zählte die Bundesrepublik im Jahr 2022 auf einer Strecke von 1000 Kilometern 23,9 Tote – insgesamt starben 314 Menschen.

An der Spitze dieser Liste liegt Belgien – Tempolimit 120 – mit mehr als doppelt so vielen Toten auf der Vergleichsstrecke (48,8). Auf Platz zwei und drei folgen Italien (42,3 Tote), dann Slowenien (40,6 Tote) mit jeweils 130 Stundenkilometern als Höchstgeschwindigkeit.

Laut Ranking sind dagegen die Autobahnen nördlich von Deutschland deutlich sicherer: Dänemark zählt 8,9 Tote, Schweden sogar nur 2,7 Tote.

Die Grafik zeigt, dass sich die Höhe der Todesraten nicht ausschließlich durch die Existenz oder das Fehlen eines Tempolimits erklären lässt. Es spielen noch weitere Faktoren eine Rolle, beispielsweise Straßenverhältnisse oder das individuelle Fahrverhalten.

So liegt Spitzenreiter Belgien nach Angaben des Weltwirtschaftsforums im europäischen Vergleich der Straßenqualität weit hinten. Eine frühere Studie der französischen VINCI-Autoroutes-Stiftung ergab darüber hinaus, dass in keinem anderen Land so viele Rechtsüberholer unterwegs sind wie in Belgien – trotz Überholverbot. Und laut dem belgischem Institut für Verkehrssicherheit (VIAS) hatten im Jahr 2023 sechs von zehn Autofahrern den Hang zum dichten Auffahren auf den Vordermann.

Auch mit Blick auf Deutschland zeigt sich, dass die Geschwindigkeit keine alleinige Rolle spielt. Daten des Statistischen Bundesamtes bezogen auf das Jahr 2023 zeigen, dass nur ein kleiner Teil der Verkehrstoten durch Unfälle auf Autobahnen zurückzuführen sind (damals 11 Prozent). Innerorts sowie auf Landstraßen sind die Opferzahlen deutlich höher (damals 32 Prozent und 58 Prozent).

Angesichts der Verkehrssicherheit auf Autobahnen kann ein Tempolimit dennoch positive Auswirkungen haben. Mehrheitlich ergeben Studien, dass durch eine verringerte Geschwindigkeit auch die Zahl lebensgefährlicher Unfälle sinkt. So zeigte beispielsweise der „Spiegel“ im Jahr 2017 anhand von Daten des Unfallatlas der statistischen Ämter in Deutschland, dass auf Autobahnabschnitten mit Geschwindigkeitsbegrenzung weniger Unfälle mit Schwerverletzten oder mit Todesfall geschehen.

Unter Klimaschutzaspekten ist sich das Umweltbundesamt sicher, dass ein Tempolimit Wirkung zeigen würde. Im Jahr 2023 veröffentlichte die Behörde eine Studie, in der festgestellt wurde, dass es bei einem Tempolimit von 120 Stundenkilometern pro Jahr eine Ersparnis von 6,7 Millionen Tonnen CO2 und anderen Treibhausgasen gäbe. Die Einsparungen lösten zwar nicht die Klimaherausforderungen im Verkehr, „aber sie sind eben auch keine Kleinigkeit“, betonte UBA-Präsident Dirk Messner damals.

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