Arbeitgeber-Chef im Interview „Achtung, da brennt was an in Ostfriesland“
Johann Doden, der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes in Ostfriesland, hat in den zurückliegenden Jahrzehnten viel erlebt. Hier erzählt er, was ihn angetrieben hat – und was ihn sorgt.
Ostfriesland - Johann Doden, bis vor Kurzem noch Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands für Ostfriesland und Papenburg, hat sich am Freitag in den Ruhestand verabschiedet. Unmittelbar vor der 75-Jahr-Feier seines Verbands sprach er mit unserer Redaktion darüber, was ihn in den vergangenen Jahren umgetrieben hat. Ein amüsanter Rückblick und ein privater Ausblick:
Herr Doden, wie kommt man auf die Idee, Hauptgeschäftsführer eines Arbeitgeberverbandes zu werden?
Johann Doden: Wenn ich sagen würde, dass das von Anfang an mein Berufswunsch war, würde ich lügen.
Sie hatten ganz andere Pläne?
Doden: Wissen Sie, Herr Teschke, ich bin im Emder Krankenhaus geboren, bin also ein echter Ostfriese, bin in Emden zur Schule gegangen, habe Abitur am Johannes-Althusius-Gymnasium gemacht. Mein Vater war selbstständiger Kaufmann. Wir hatten einen Lebensmittelladen, waren Edekaner. Das alles hat mich sehr geprägt.
Das klingt nach einer ziemlich braven Bilderbuch-Karriere.
Doden: Na ja, das Abitur war schon mit einem Riesen-Tam-Tam verbunden. Der Jahrgang ‚79 war echt gefürchtet. Wir haben anstelle der offiziellen Zeugnis-Übergabe einen Abi-Umzug gemacht, der ein bisschen ausgeufert ist. Mit allem, was dazu gehört: Straßensperrungen und, und, und. Dem Rektor standen die Haare zu Berge. Wir wurden dann aufgefordert, die Zeugnisse einzeln und unbegleitet aus dem Sekretariat abzuholen.
Oha, der wilde Johann in den wilden Siebzigern …
Doden: Mein Vater hat immer gesagt: „Du kannst alles machen, aber geh‘ nicht zur Bundeswehr.“ Er hatte im Krieg und in Gefangenschaft zu viel erlebt. Ich bin dann tatsächlich auch nicht zur Bundeswehr gegangen. Und mein Vater hat sich von seinen Kindern auch immer gewünscht, dass sie erst einmal eine Ausbildung absolvieren, bevor sie ans Studieren denken.
Im elterlichen Betrieb?
Doden: Nein. Ich habe mich unter anderem bei der Stadt Emden beworben, bin dort aber beim Eignungstest durchgefallen.
Wie ist das denn passiert? Haben Sie sich schlecht benommen?
Doden: Nein. Ich weiß es noch, als wäre es erst gestern gewesen: Die Stadt Emden hatte im Bewerbungsverfahren einen Psychologen dabei, der nach unseren Hobbys fragte. Ich habe dann erzählt, dass ich gerne zum Angeln gehe und dass ich zu Hause ein Aquarium habe. Und das hat der Psychologe wohl nicht auf die Kette gekriegt – also wie man auf der einen Seite Fische aus dem Wasser ziehen und schlachten und auf der anderen Seite bunten Fischen im Aquarium Futter geben kann. Das war mein K.o. Bei der Stadtsparkasse Emden hat es dann geklappt. Danach habe ich in Osnabrück Jura mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt studiert.
Jetzt haben Sie mir aber immer noch nicht meine Frage beantwortet, wie man auf die Idee kommt, Hauptgeschäftsführer eines Arbeitgeberverbandes zu werden.
Doden: Das war auch eher ein Zufall. Man muss dazu wissen: Frank Wessels, also der heutige Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Ostfriesland, und ich sind seit dem Gymnasium gemeinsam durchs Leben geschippert. Seinerzeit, also Anfang der 90er Jahre, saß Franks Vater im Verwaltungsrat des Arbeitgeberverbandes. In einer Mittagspause, in Höhe der früheren Redaktionsräume der OZ am Delft, wo Heiko Müller und all Ihre anderen Kollegen saßen, bin ich dann zufällig mit Frank Wessels ins Plaudern gekommen. Und so wurde ich mit 32 Jahren Geschäftsführer beim Arbeitgeberverband.
Und dann sind Sie irgendwann eine Gehaltsstufe höher geklettert?
Doden: Ganz so einfach war es dann doch nicht. Ich habe dem Arbeitgeberverband nach einigen Jahren aus verschiedenen Gründen den Rücken gekehrt und bin zur Firma Bünting gewechselt. Zwölf Jahre war ich dort als Personalleiter der Combi-Märkte tätig. Im Jahr 2011 kam wieder Frank Wessels ins Spiel. Der fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, die frei gewordene Stelle des Hauptgeschäftsführers zu übernehmen.
Aber Verbandsarbeit – ist das im Vergleich zu einem Einzelhandelskonzern nicht ein eher trockener Job?
Doden: Überhaupt nicht! Der Job als Verbandsgeschäftsführer ist unglaublich vielfältig. Als Jurist ist man ohnehin sehr breit aufgestellt. Aber als Jurist im öffentlichen Dienst, in einer Amtsstube: Da wäre ich versauert. Ich war in meiner Zeit oft in Hannover und in Berlin unterwegs – aus Liebe zu meiner Region. Das ist genau mein Ding.
Ihr Job war bestimmt nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Erst kürzlich hatten Sie prognostiziert, dass die Arbeitslosenquote in Ostfriesland in absehbarer Zeit zweistellig sein könnte. Warum so pessimistisch?
Doden: Wir haben in den zurückliegenden zwei bis drei Jahren unheimlich viele Arbeitsplätze verloren. Wir müssen uns wieder mit Insolvenzen beschäftigen, mit betriebsbedingten Kündigungen, mit Kurzarbeit. Wenn diese Themen verstärkt an uns als Arbeitgeberverband herangetragen werden, dann müssen wir sagen: Achtung, da brennt was an in Ostfriesland!
Dann möchten Sie also trotz Ihrer 65 Jahre noch ganz lange als Hauptgeschäftsführer weitermachen?
Doden: Nein. Der Arbeitgeberverband steht und fällt doch nicht mit Johann Doden. Der Verband ist super aufgestellt. Und: Ich entscheide selbst, wann ich gehe. Mir braucht keiner die Hand auf die Schulter zu legen und zu sagen: Jetzt wird’s aber auch Zeit.
Und nun?
Doden: Ich sag’s mal so: Meine Frau kam neulich am Küchentisch zu mir und hat gesagt: „Wir müssen jetzt mal gemeinsam durch die Verbrauchermärkte gehen, damit Du weißt, wo was steht.“ Da bin ich fast mit dem Kopf auf den Tisch geknallt.
Das wird hart. Sind Sie denn wenigstens handwerklich ein bisschen begabt?
Doden: Leider nicht.
Also noch einmal die Frage: Wie kriegen Sie nun die Tage rum?
Doden: Als erstes werde ich mich noch um das Thema Seminare bei Arbeitgeberverband kümmern. Außerdem bin ich zum Glück sportlich sehr aktiv. Zuletzt war ich eine Woche Schlittschuh laufen auf dem Weißensee in Kärnten. Ich bin bei jedem Heimspiel von Kickers Emden. Und ich fahre seit ewigen Zeiten Motorrad. Mir wird also bestimmt nicht langweilig werden.