Saisonauftakt im Fischerdorf Greetsiel wird zur Hochburg für Karnevalsmuffel
Wer dem Karneval entfliehen möchte, findet in Greetsiel Ruhe, Natur und ostfriesische Gemütlichkeit – fernab von Konfetti und Menschenmassen. Wir haben uns auf der Straße umgehört.
Greetsiel - Während in vielen Regionen Deutschlands derzeit bunte Umzüge, laute Musik und feiernde Menschenmassen das Straßenbild prägen, herrscht in Greetsiel eine ganz andere Atmosphäre. Das malerische Fischerdorf wird in der Karnevalszeit zu einem beliebten Rückzugsort für all jene, die dem Trubel entfliehen möchten. Wer hier Konfetti und Luftschlangen sucht, wird enttäuscht. Besonders im Rheinland, wo der Karneval eine große Tradition hat, sehnen sich viele Menschen nach einer Auszeit von der „fünften Jahreszeit“. In Greetsiel finden sie genau das: Statt lauter Partymusik hört man hier das Kreischen der Möwen und das sanfte Plätschern der Wellen im Hafen.
Das weiß auch Familie Schmitt aus Koblenz zu schätzen. „Wir mögen die frische Luft und den Norden allgemein“, sagt Markus Schmitt. „Wir tanken hier ein paar Tage Kraft, bevor es wieder ins Getümmel geht.“ Ganz dem Karneval entfliehen kann der Ordnungsamtsleiter nämlich nicht. Nachdem der Urlaub für die Familie mit dem Rückweg am Rosenmontag endet, ist der Straßenkarneval sein Einsatzbereich. Seit vielen Jahren schon reist die Familie aus diesem Grund zur Karnevalszeit an die Nordsee. Ein Ausflug nach Greetsiel gehört dabei immer zum Programm – so auch an diesem Donnerstagvormittag, der in den Faschingshochburgen Weiberfastnacht genannt wird und den Übergang vom Sitzungs- zum Straßenkarneval darstellt.
Kleiner Saisonauftakt für Händler und Gastronomen
Obwohl die Wettervorhersage Regen angekündigt hat, bleibt es trocken und sogar die Sonne lässt sich blicken. Ein perfekter Vormittag für einen Bummel durch das Fischerdorf, das langsam aus der Winterpause erwacht. Am Hafen werkeln Fischer an ihren Netzen, die Gastronomen rücken ihre Stühle auf den Außenflächen zurecht. Wo vor Kurzem noch Schilder im Fenster mit Aufschriften wie „Wir sind in der Winterpause“ hingen, kehrt nun wieder Leben ein. Die Karnevalszeit ist in Greetsiel inzwischen so etwas wie ein kleiner Saisonauftakt, berichtet die Inhaberin eines kleinen Schmuck- und Souvenirgeschäfts am Kalvarienweg. „Man merkt schon sehr gut, dass es jetzt wieder voller wird“, sagt sie.
Wenige Meter weiter liegen schon Matjes- und Krabbenbrötchen in der Auslage eines Fischimbisses bereit. Normalerweise wird der beliebte Snack frisch für jeden Kunden eigens zubereitet. Doch heute nicht: Die Verkäuferin hat an diesem Tag schon einige Exemplare vorbereitet, damit sie später nicht in Stress gerät, wenn ab Mittag der Verkauf so richtig startet. Denn: Ein Fischbrötchen gehört für viele Urlauber einfach dazu, wenn sie durch Greetsiel bummeln.
Winterreiseziel für Wiederkehrer
Einen „Tapetenwechsel“ erhofft sich indes ein Paar aus dem Kreis Borken, das in Greetsiel inzwischen schon Stammgast ist. „Man kennt sich, wir fühlen uns hier wohl“, sagt der Mann. Er und seine Partnerin seien zwar nicht gezielt vor dem Karneval geflüchtet, vermissen tun sie den Trubel aber auch nicht. Im Gegenteil: „Mit dem Alter wird man ruhiger.“
Auf den großen Karnevalstrubel verzichten kann auch Familie Wenske aus Leipzig, die an Weiberfastnacht andere Pläne hat. Während sich andernorts viele in fantasievolle Kostüme hüllen, bummeln die Wenskes durch das Fischerdorf. Die berühmten Zwillingsmühlen, die historischen Giebelhäuser und die vielen verwinkelten Gassen haben auch in den Wintermonaten ihren Charme.
Ihr eigenes kleines Zuhause bringen indes die vielen Wohnmobilisten mit, die mit ihren Fahrzeugen den Stellplatz im Ortskern von Greetsiel in unmittelbarer Nähe der Zwillingsmühlen angesteuert haben. Dort ist es dieser Tage besonders voll. Die Kennzeichen verraten: Für Karnevalsmuffel ist Greetsiel längst mehr als nur ein Geheimtipp. „Auch sonst sind die Unterkünfte besser ausgelastet als in den Wochen direkt davor und danach“, sagt Wolfgang Lübben von der Touristik GmbH Krummhörn. „Natürlich sind wir keine Karnevalshochburg, sondern die Gäste kommen zu uns, um zu entspannen und die Ruhe an der Nordsee zu genießen.“ Entsprechend sei auch das Veranstaltungsprogramm der Gemeinde auf die Wünsche der Gäste angepasst.