Dreharbeiten zu Wolf-Krimi „Ostfriesensturm“ – Leiche liegt bei Greetsiel im Schilf
Ein Toter in blutiger Unterhose, ein zappelnder Gummi-Aal und ein Starauflauf an der Leybucht nahe Greetsiel: Die Dreharbeiten für den neuen Ostfriesenkrimi haben begonnen. Wir waren am Set dabei.
Greetsiel/Norden - Mitten im Schilf am Norder Tief liegt ein toter Mann. Er trägt eine blutbefleckte Unterhose. Um ihn herum wuseln Mitarbeiter der Spurensicherung in weißen Anzügen. Zwei Kommissare beugen sich interessiert über die Leiche. Im Hintergrund kämpft einer ihrer Kollegen mit einem zappelnden Aal, der sich in einem Anglerhaken verfangen hat.
„Stopp, noch mal“, ruft dann plötzlich Regisseur Marcus O. Rosenmüller. Schauspielerin Picco von Groote und ihr Kollege Tom Radisch laufen zum Polizeiauto zurück, bringen sich in Form für die Wiederholung des Takes. Dann laufen sie noch mal vom Auto zum Schilf, beugen sich erneut über den toten Mann mit der verschmutzten Unterhose.
„Ostfriesensturm“: Übel zugerichtete Leiche in der Ferienwohnung
Spätestens die vielen Kameras und das regelmäßige Klacken der Filmklappe machen es überdeutlich: Hier, direkt am Schöpfwerk Leybuchtsiel, auf halbem Weg zwischen Greetsiel und Norden und damit an einem der wohl beliebtesten Küstenabschnitte der ostfriesischen Nordsee, wird an diesem Nachmittag ein Film gedreht. Der Autor Klaus-Peter Wolf, der am Filmset dabei ist, macht deutlich, für welche Reihe hier gedreht wird. Am Norder Tief entstehen Szenen für die Verfilmung von „Ostfriesensturm“, dem 18. Band der Ostfriesenkrimi-Reihe von Kultautor Wolf.
Der Name ist Programm: Während die Schauspieler bei schönstem Sonnenschein die Leiche im Schilf untersuchen, ziehen während der Dreharbeiten an diesem Donnerstagnachmittag dunkle Sturmwolken am Horizont hinter dem Norder Tief auf. Passend zu den düsteren Themen des Films. In „Ostfriesensturm“ erinnert sich Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen an einen spektakulären Fall während des Corona-Lockdowns zurück. Damals wurde in einer Ferienwohnung an der Küste die Leiche eines Mannes gefunden, der bizarr zugerichtet war. Eine Verbindung zum organisierten Verbrechen liegt nahe. Dann geschehen weitere Morde.
Trotz Unterbrechungen: Klaus-Peter Wolf genießt die Tage am Set
Aber das Team hat an diesem Drehtag Glück: Trotz der düsteren Wolken am Horizont bleibt es trocken. „Tolles Wetter“, freut sich auch Autor Klaus-Peter Wolf. Am Morgen hatte es nämlich noch ganz anders ausgesehen: In weiten Teilen Ostfrieslands fielen dicke Tropfen vom Himmel. „Im Roman kann ich mir das Wetter aussuchen, da hängt der Film noch ein bisschen hinterher“, sagt Wolf lachend. Er ist nicht zum ersten Mal bei einem solchen Drehtermin dabei. Regelmäßig haben er und seine Frau Bettina Göschl Cameo-Auftritte in den Verfilmungen seiner Bücher. Langweilig werde das nie, sagt er am Rande des Sets.
Dann wird der Dreh erneut unterbrochen: Hoch über den Wolken fliegt ein Flugzeug. „Das klingt für uns jetzt vielleicht nicht so laut, aber in den unterschiedlichen Sequenzen hört man es ganz deutlich, wenn da einmal das Flugzeug rüber fliegt und dann wieder nicht“, erklärt Produzent Simon Grohe von der Firma Schiwago-Film. Als das Team weiterfilmen möchte, kommt dann auch noch ein Trecker auf der nahegelegenen Straße mit lautem Getöse vorbeigefahren. Noch eine kleine Zwangspause für die Darsteller und das Filmteam.
Gesucht und gefunden: Rupert und sein Gummi-Aal
An diesem Tag sind 48 Personen ins Drehgeschehen involviert. Dazu gehört neben der Regie, den Produzenten und den Darstellern unter anderem auch noch eine Reihe an Tontechnikern, Maskenbildnern und Kameraleuten. Es werden Stühle hin und her getragen, Autos vor- und zurückgefahren, Haare neu gerichtet. Dazwischen Barnaby Metschurat, der in den Ostfriesenkrimis Publikumsliebling Rupert verkörpert. Im Arm hält er einen Gummi-Aal, auf den er liebevoll hinabblickt. „Wir haben uns gefunden“, sagt Metschurat zu seinem neuen Kompagnon. Der Aal ist jener, mit dem Metschurat zuvor am Leichenfundort kämpfte. In jener Szene, die an diesem Tag gedreht wurde, finden die Kommissare im Schilf einen verstümmelten Mann mit blutiger Unterhose. Er wurde entmannt.
„Im Roman wird das viel offener dargestellt“, sagt Produzent Grohe. „Aber für die Ausstrahlung am Samstagabend ist FSK 12 (freigegeben für Kinder ab 12 Jahren, Anm. d. Red.) natürlich weiterhin unsere Aufgabe“, sagt er in Bezug auf die blutige Szene. Apropos blutige Szene: Auf einmal steht die Leiche in der blutigen Unterhose auf, bekommt vom Filmteam eine Jacke und verschwindet in einem nahegelegenen Haus. „Für Jürg waren es jetzt schon viele Stunden“, so Grohe. Mit Jürg meint er Jürg Plüss, der im Film die Rolle des Opfers Uwe Spix einnimmt. Lange musste er als Leiche im Schilf liegen, bis die Szene abgedreht war.
Schauspieler Tom Radisch: „In Ostfriesland schläft man gut“
Einer, für den das Schauspielern selbst zwar nicht neu ist, aber der erst frisch zum „Ostfriesen-Team“ dazugestoßen ist, ist Tom Radisch. Der Schauspieler, unter anderem bekannt aus vielen SOKO-Folgen, ist der neue Kommissar Frank Weller an Ann Kathrin Klaasens Seite, gespielt von Picco von Groote. Er hatte die Rolle vom vorherigen Darsteller Christian Erdmann übernommen, nachdem dieser die Rolle aufgegeben hatte, um sich anderen Projekten zu widmen.
„Ich bin immer noch beim Ankommen“, sagt Radisch über seine neue Rolle. Er sei noch dabei, herauszufinden, was denn die Temperatur von Kommissar Weller ist. Aber: „Man wächst mit jeder Arbeit immer weiter“, sagt Radisch. Zwei Filme hat er als Frank Weller bereits abgedreht. Die wurden allerdings noch nicht ausgestrahlt. „In der zweiten Jahreshälfte wird Tom Radisch dann auch auf dem Bildschirm zu sehen sein“, heißt es von der Produktionsfirma. Auch wenn er sich in seiner neuen Rolle noch etwas einfinden muss, Ostfriesland hat es dem gebürtigen Sachsen auf jeden Fall schon angetan. „Man schläft hier gut“, so der Schauspieler. In Ostfriesland war er vor den Filmdrehs noch gar nicht, wie er erzählt. Doch, verbessert er sich, auf den ostfriesischen Inseln war er schon mal. Sein Fazit? „Wunderschön.“
Schauspielerin: Ausflug ins Jugendzentrum in Moormerland
Auch noch nicht so lang dabei ist Sofie Eifertinger, die die Polizeianwärterin Jessi Jaminski verkörpert. Die Drehtage in Ostfriesland möchte sie dafür nutzen, sich ein bisschen besser mit der Region bekannt zu machen, wie sie am Set verrät. „Heute Abend möchte ich ins Jugendzentrum Phönix“, sagt sie. In dem Zentrum in Moormerland finden regelmäßig Konzerte statt, auch Theateraufführungen werden gezeigt. Ostfriesische Kunst und Kultur auf dem Silbertablett, sozusagen.
Und bei einer Sache sind sich sowohl die frisch hinzugekommenen als auch die alteingesessenen Ostfriesenkrimi-Darsteller sicher: Das sind freundliche Leute, die Ostfriesen. Nicht nur die Schauspieler, auch Autor Wolf zeigt sich zufrieden mit dem Drehtag. Besonders ein Detail hat ihm gefallen: „Als ich gesehen habe, wie Barnaby Metschurat, der den Rupert spielt, mit dem Aal umgegangen ist, das fand ich großartig!“
Auch in Emden und in Pilsum wird gedreht
Für den Film „Ostfriesensturm“ wird voraussichtlich noch bis Anfang April 2025 in Norden und Umgebung gedreht. Weitere Drehorte sind zum Beispiel auch Pilsum, Aurich und Emden, wo die dortige Jugendarrestanstalt eine Rolle spielen wird. Und: „Ostfriesensturm“ ist nicht der einzige Ostfriesenkrimi, den das Filmteam aktuell in der Region dreht. Parallel dazu wird nämlich auch „Ostfriesentodesspiel“ gedreht, ein Spin-off der Krimis, in dem Ann Kathrin Klaasen wiederholt mit ihrem Gegenspieler Dr. Bernhard Sommerfeldt konfrontiert wird.
Die Fans der Filme müssen sich allerdings noch ein wenig gedulden. Bis die Filme erscheinen, dauert es noch. Ende 2024 wurde erstmals die Verfilmung des 13. Bandes der Ostfriesenkrimi-Serie beim ZDF ausgestrahlt, „Ostfriesennacht“. Und dann gibt es ja auch noch die beiden bereits abgedrehten Filme, in denen Tom Radisch alias Frank Weller erstmals seine neue Rolle einnimmt.