Urteile, Prozesse, Aufklärung  Hexenwahn in Leer – von Scheiterhaufen bis Harry Potter

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 28.02.2025 10:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die frühe Neuzeit in Mitteleuropa: Die Hexenlehre hat Konjunktur. Das zeigen Gemälde wie die "Hexenküche" von Frans Francken d. J. (1625).
Die frühe Neuzeit in Mitteleuropa: Die Hexenlehre hat Konjunktur. Das zeigen Gemälde wie die "Hexenküche" von Frans Francken d. J. (1625).
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Der Glaube an Hexerei ist eine weltweite Erscheinung. Eine Ausstellung im Heimatmuseum Leer beschäftigt sich damit. Menschen wurden ausgegrenzt und hingerichtet – auch in Ostfriesland.

Leer - Helle Augen, schwarzes Fell, lange Hörner: Der Ziegenbock, der Gästen im Heimatmuseum in Leer gegenübersteht, macht es deutlich: Dort gibt es eine besondere Ausstellung. Diese Zeitung durfte sich vor der offiziellen Eröffnung am 28. Februar bereits anschauen, was die Besucher bei „Hexenwahn“ erwartet. „Wir hatten so viele Anmeldungen für die Eröffnung, dass wir Interessierten leider absagen mussten“, sagt Oliver Freise, Leiter des Heimatmuseums. „Wir scheinen mit der Sonderausstellung einen Nerv getroffen zu haben“, sagt auch Günter Podlich, Vorsitzender des Heimatvereins.

Sie freuen sich über die Ausstellung: Oliver Freise (Leiter Heimatmuseum, von links), Peter Detmers (Bünting-Stiftung), Dr. Nina Hennig (Ostfriesische Landschaft) und Günter Podlich (Vorsitzender des Heimatvereins). Foto: Vogt
Sie freuen sich über die Ausstellung: Oliver Freise (Leiter Heimatmuseum, von links), Peter Detmers (Bünting-Stiftung), Dr. Nina Hennig (Ostfriesische Landschaft) und Günter Podlich (Vorsitzender des Heimatvereins). Foto: Vogt

Was wird ausgestellt? Vorwürfe, Prozesse, Hinrichtungen und der Weg hinaus

Dass der Glaube an Hexerei eine weltweite Erscheinung ist, zeigt die Ausstellung gleich zu Beginn. Sie ist aufgeteilt in die Abschnitte Glaube, Macht, Angst und Freiheit. „Es sind insgesamt rund 90 Exponate“, erklärt Freise. Vieles stamme aus dem Archiv der Stadt Rinteln. „Diese war sowas wie ein Zentrum der Hexenprozesse“, sagt er. Es gibt beispielsweise Urteilsschriften und Anklageschriften zu sehen, Gemälde, aber auch das Richtschwert eines Scharfrichters um 1700 und Folterwerkzeuge.

Oliver Freise, Leiter des Heimatmuseums in Leer, erklärt was auf dem ausgestellten Gemälde zu sehen ist. Foto: Vogt
Oliver Freise, Leiter des Heimatmuseums in Leer, erklärt was auf dem ausgestellten Gemälde zu sehen ist. Foto: Vogt

In Europa war die Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts die Epoche des Hexenglaubens und der Verfolgung angeblicher Hexen und Hexenmeister. „Es traf häufig ältere Personen oder solche, die wenig besaßen“, so Freise. Krisen wie Überflutungen oder Pestwellen ließen die Verfolgungen aufflammen. Die Ausstellung zeigt, welche Vorwürfe gemacht wurden, wie ein Prozess und schließlich die Urteilsvollstreckung aussahen. Dieses dunkle Kapitel gab es auch in Ostfriesland. Dem Thema ist die obere Etage gewidmet. Unter anderem wird das Schicksal einer Leeranerin vorgestellt, der der Prozess gemacht worden ist. Aber es geht auch um den Weg heraus aus dem Hexenwahn. Um Personen, die in verschiedenen Epochen den Hexenglauben infrage stellten, aufklärerisch dagegen hielten. Und schließlich zeigt die Ausstellung, wie die einstigen Angstbilder in Genres der Kunst verarbeitet worden sind. Zum Gruseln oder zur Unterhaltung – mit Bibi Blocksberg und Harry Potter.

Welche Besonderheiten gibt es?

Eine interaktive Station versetzt die Besucherinnen und Besucher in die Rolle einer angeklagten Person: Man kann seine Reaktionen durch Antippen auswählen und schauen, ob man alles überstanden hätte.

Für Kinder gibt es sechs zusätzliche Hörstationen (Tonies), an denen das Thema kindgerecht mit kurzen Texten erklärt wird. Die Ausstellung wird gefördert durch die Ostfriesische Landschaft, die Sparkasse Leer-Wittmund, die Johann-Bünting-Stiftung und die Aloys-Wobben-Stiftung. Vom 1. März bis 20. Juli ist die Ausstellung zu sehen. Der Eintritt kostet sechs Euro (ermäßigt vier). Kinder zahlen drei Euro, bis einschließlich sechs Jahre ist der Eintritt frei.

Am Donnerstag, 10. April gibt es um 19 Uhr den Vortrag „Im Spiegel der Quellen: Ostfriesische Hexenprozesse in der Frühen Neuzeit“ von Marina Lenz von der Universität Köln im Klottje-Huus, Eintritt fünf Euro, Anmeldung unter info@heimatmuseum-leer.de oder unter Tel. 0491/2019.

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