Verwirrung um Siegelsum Das Dorf, das heimlich zur Krummhörn gehören wollte
Schön ist es in der Krummhörn. Anscheinend so schön, dass ein Dorf aus der Nachbargemeinde Anspruch auf Zugehörigkeit zur Krummhörn erhebt. Das steckt dahinter.
Siegelsum/Krummhörn - 18 Warfendörfer und das Fischerdorf Greetsiel umfasst die Gemeinde Krummhörn. In vielen der Dörfer stehen historische Kirchen. Besonders Rysum und Greetsiel sind auch bei Besuchern unglaublich beliebt. Von der Prominenz der Krummhörn will offensichtlich auch ein kleiner Ort in der Nachbargemeinde profitieren. Zumindest, wenn man dem Internet Glauben schenken möchte.
Denn sucht man in einer gängigen Suchmaschine nach dem Ort Siegelsum, wie es eine Kollegin jüngst tat, verweist gleich das allererste Ergebnis auf die vermeintliche Siegelsumer Website. Und dort steht es deutlich: „Willkommen in Siegelsum – Siegelsum ist eine kleine Ortschaft in der Gemeinde Krummhörn, gelegen in Ostfriesland.“ Stimmt, klein ist Siegelsum mit seinen wenigen Höfen und den wenigen Hundert Einwohnern allemal. Ein Blick auf die Karte verrät außerdem: Das Dorf Siegelsum befindet sich eindeutig in Ostfriesland, gelegen im Dreieck zwischen den Städten Emden, Aurich und Norden.
„Eine besondere Wertschätzung für unsere Gemeinde“
Aber Moment: Siegelsum ist eine Ortschaft in der Gemeinde Krummhörn? Das kann so nicht ganz stimmen. Schließlich wirbt die Gemeinde Krummhörn auf der eigenen Website ganz stolz mit ihren 18 Warfendörfern und dem Fischerdorf Greetsiel. Der Ort Campen mit dem höchsten oder – je nachdem, wen man fragt – zweithöchsten Leuchtturm Deutschlands wird dort zum Beispiel erwähnt. Oder Rysum mit einer der weltweit ältesten Orgeln. Oder eben Greetsiel mit seinem charmanten Kutterhafen. Von Siegelsum steht dort allerdings nicht.
Kein Wunder: Seit der Eingemeindung im Jahr 1972 gehört Siegelsum eindeutig zur Gemeinde Upgant-Schott, in der Samtgemeinde Brookmerland. Davon hat sich der Sprecher der Gemeinde Krummhörn, Oliver Janssen, auf unseren Hinweis hin auch noch mal selbst ein Bild gemacht. „Wir haben noch einmal intensiv recherchiert: Siegelsum gehört weiterhin zur Gemeinde Upgant-Schott“, schreibt Janssen. Heimlich gewachsen sei die Gemeinde Krummhörn also nicht – „auch wenn die Website es anders erscheinen lässt.“ Ob ein Versehen vorliege oder die Ersteller einfach „eine besondere Wertschätzung für unsere Gemeinde“ hätten, sei Janssen nicht bekannt.
Siegelsum wirbt mit Greetsiel und Upleward
Inhaltlich verrät die Seite nicht allzu viel über den Ort. Das „ruhige Dorf“ zeichne sich durch „seine ländliche Atmosphäre und die typische ostfriesische Landschaft aus“, heißt es dort. Auch eine kleine Übersichtskarte ist angefügt. Darauf zu sehen: die Kirche und ein paar Straßen. Außerdem gibt es ein paar Fakten zum Dorf. Postleitzahl: 26529. Einwohner: 238. Fläche: 3,78 Quadratkilometer. Einen Link zu einigen Ferienwohnungen in Greetsiel und Upleward (beides Krummhörn) und in Siegelsum findet man dort ebenfalls. Das war‘s. Der Zweck der Website wird daraus nicht ganz ersichtlich: Sollen hier Ferienwohnungen beworben werden? Oder sollen Besucher mehr über das eher unscheinbare Siegelsum erfahren? Das bleibt unklar.
Die Ersteller der Website, die mutmaßlich mit einem Hofladen in der Region im Zusammenhang stehen, konnten wir nicht erreichen. Die E-Mail-Adresse, die auf der Internetseite angegeben ist, ist nicht mehr aktuell, unsere abgeschickte Mail kam als unzustellbar markiert zurück. Ist die Website also schon lange nicht mehr aktuell und geistert jetzt weiterhin durchs Netz? Auch bei Instagram bleibt unsere Nachricht an den Hofladen ungelesen. Ob Geist oder nicht, laut Suchmaschine scheint die Seite dennoch die erste Anlaufstelle für all jene zu sein, die etwas über Siegelsum erfahren möchten. Sonst stünde sie nicht so weit oben bei der Internetsuche.
Unabhängig davon, wer die Seite wann und aus welchem Grund erstellt hat: Die Gemeinde Krummhörn freut sich über die offenkundige Beliebtheit auch über die Gemeindegrenzen hinaus. „In jedem Fall ist die Zugehörigkeit eindeutig geregelt – aber wir freuen uns über das Interesse an unserer Gemeinde“, schreibt Janssen abschließend.