Hamburg  „Anti-Habeck“ aus Hamburg: Was Linken-Chef Jan van Aken vom FC St. Pauli gelernt hat

Guido Behsen
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Von Guido Behsen
| 24.02.2025 20:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hat gut lachen: Jan van Aken am Montag nach der Bundestagswahl. Foto: dpa
Hat gut lachen: Jan van Aken am Montag nach der Bundestagswahl. Foto: dpa
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Jan van Aken: Vom Arbeiterkind aus der Hamburger Vorstadt zum Hoffnungsträger der Linken. Wer ist der Norddeutsche, der für seine Partei gemeinsam mit Co-Spitzenkandidatin Heidi Reichinnek fast 9 Prozent holte?

„Jetzt halten Sie mal Ihren rechten Rand!“ Spätestens, als Jan van Aken in einer TV-Diskussionsrunde zwei Wochen vor der Bundestagswahl AfD-Chef Tino Chrupalla diesen Satz vor den Latz knallte, war der Co-Parteichef der Linken richtig angekommen auf der großen Wahlkampf-Bühne. Jetzt kann er sich darauf feiern lassen. Mit seiner Co-Spitzenkandidatin Heidi Reichinnek steht der Hamburger für das kaum für möglich gehaltene Comeback der Linkspartei (8,77 Prozent der Zweitstimmen).

Wer ist der Mann, der in einem Alter, in dem andere an die Rente denken, zum politischen Shooting-Star avanciert? Jan van Aken wurde 1961 in Reinbek bei Hamburg geboren – am Tag der Arbeit, dem 1. Mai. Er wuchs in der Hamburger Vorstadt Glinde im Kreis Stormarn als Sohn einer Sekretärin und eines Werkzeugmachers auf – ein Kind der Arbeiterklasse.

Schon 1980 engagierte van Aken sich politisch als Mitglied der Anti-Atomkraft-Bewegung „Freies Wendland“ gegen das Endlager in Gorleben. Er studierte in Hamburg Biologie, arbeitete lange bei Greenpeace – und landete doch nicht bei den Grünen. Auch das habe mit seiner Herkunft zu tun, sagte Jan van Aken nach seiner Wahl zum Co-Pareteichef im Herbst 2024 im Interview mit unserer Redaktion: „Ich empfand die Grünen von Anfang an als zu unsozial. Für Menschen wie meine Eltern, also Arbeiter, haben sich die Grünen nie interessiert.“ Es fehle die soziale DNA, stattdessen mache Robert Habeck „mit seinem Rumgeeiere einen auf Merkel“, legte van Aken im Wahlkampf nach.

Denn Jan van Aken ist durchaus ein Mann klarer Worte und hat nach eigenen Angaben „keine Hemmungen, mich mit denen anzulegen, die Macht und Geld haben“. Das tat er von 2009 bis 2017 als Abgeordneter der Linkspartei im Bundestag.

Doch es gibt ein Leben neben der Politik. Als Biowaffeninspekteur für die Vereinten Nationen war Jan van Aken in unterschiedlichen Krisengebieten: Irak, Syrien, Iran. Für die Rosa-Luxemburg-Stiftung lebte er zwei Jahre in Tel Aviv, erlebte dort den 7. Oktober 2023 und wurde drei Tage nach dem Terrorangriff der Hamas aus dem Land ausgeflogen. „Ich habe zu oft mit Eltern gesprochen, deren Kinder gefallen sind“, sagt van Aken rückblickend.

Der Vater von drei erwachsenen Kindern lebt seit 25 Jahren in einer Genossenschaftswohnung in einem Wohnprojekt auf St. Pauli. „Ich bin froh, dass von meiner Miete niemand Porsche fährt“, sagt der bekennende Fan des FC St. Pauli, der von den Kiezkickern sogar für die Linke gelernt haben will. „St. Pauli hatte letzte Saison keinen einzigen Superspieler, aber ein Team, das als Kollektiv super funktioniert hat“, erklärt es van Aken. „Alle haben sich ein Stück zurückgenommen und 150 Prozent gegeben – und dann sind sie aufgestiegen. So ungefähr stell’ ich mir Die Linke vor.“

Geradezu seherisch war van Akens Vorstellungskraft im Hinblick auf eine mögliche Koalition nach der Bundestagswahl. „Wahrscheinlich wäre eine SPD mit Friedrich Merz in der Regierung besser als die Grünen“, orakelte der Hamburger Anfang Februar. „Mit der SPD gibt es zumindest ein paar soziale Themen, bei denen wir dann Druck machen können.“ Friedrich Merz, so van Aken am Montag nach der Wahl, könne sich „warm anziehen“.  Am Mittwoch gehe es aber zunächst einmal nach Hamburg auf „Fraktionsklassenfahrt“. Dort steht am Sonntag die Bürgerschaftswahl an.

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