Pläne in Emden  Darum droht dem Klo am Delft das Aus

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 24.02.2025 12:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Stadtplanung im Weg? Die WC-Anlage am Delft. Foto: Schuurman
Der Stadtplanung im Weg? Die WC-Anlage am Delft. Foto: Schuurman
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Auf den Plänen zur Umgestaltung der Innenstadt von Emden ist ein Toiletten-Haus verschwunden. Das finden manche echt k....

Emden - Am Stadtgarten von Emden stehen große Aufsteller mit den Plänen zur Neugestaltung von Neutorstraße und Delft. Die Ausstellungs-Skizzen zeigen relativ detailliert, wie es spätestens in fünf Jahren an der Promenade und auf der Einkaufsstraße in der Innenstadt aussehen soll. Die breiten Straßen sind verschwunden, aber auch ein für viele wichtiges Gebäude direkt am Hafentor. Das rot geklinkerte Toilettenhaus ist weg!

Kein Klo am Delft: Auf den Planungsskizzen ist es verschwunden. Foto: Schuurman
Kein Klo am Delft: Auf den Planungsskizzen ist es verschwunden. Foto: Schuurman

Aufgefallen ist das auch dem Vorsitzenden der Wählergemeinschaft Gemeinsam für Emden (GfE). Jochen Eichhorn fragte bei der Präsentation des Großbau-Vorhabens im Stadtentwicklungsausschuss deshalb leicht provokant: „Wird das WC-Gebäude etwa auf dem Altar der Planungen geopfert?“

WC als Kleinod

Eichhorn dagegen würde es begrüßen, das „Kleinod für den Emder Bürger“ dort stehen zu lassen, zumal öffentliche Toiletten generell in Emden schwer zu finden seien. Er erinnerte außerdem daran, dass dieses Gebäude einst mit EU-Geldern zur Förderung des Tourismus errichtet worden sei. Und nach der Einschätzung des Immobilienexperten dürfte das Gebäude, so man es in dieser Weise neu errichten würde, inzwischen um die 270.000 Euro kosten würde. Will man das wirklich verschenken?

Dass das Toilettenhäuschen auf den neuen Plänen nicht mehr auftaucht, ist kein Versehen – anders vielleicht als das fehlende historische Hafentor, das wohl nur wegen der gezeigten Perspektive auf keinem der Stellwände zu sehen ist. Laut Stadtbaurätin Irina Krantz ist das WC-Gebäude nämlich „nicht das bestfunktionierende“ der Stadt. Sie setzt deshalb weniger auf diese Toilettenanlage. Und sie begründet das auch.

Gefährliches Behinderten-WC

Ein kürzlich durchgeführter Test mit Jörn Malanowski, dem Vorsitzenden des Teilhabebeirats, der sich selbst in einem elektrobetriebenen und gut steuerbaren Rollstuhl bewegt, habe nämlich ergeben, dass die Behindertentoilette sogar gefährlich sei. „Wer anders als er mit einem einfachen Rollstuhl dort rückwärts herausfährt, läuft Gefahr, in den Delft zu rollen“, sagte Krantz. Passiert ist das allerdings noch nicht. Man sei aber nun in der Findungsphase, ob das Toilettenhäuschen erhalten bleiben soll oder nicht und ob es nicht vielleicht doch einen besseren Alternativstandort gebe.

Gefährlich? Rollstuhlfahrer könnten direkt aus dem Behinderten-WC in den Delft rollen, so die Sorge. Foto: Schuurman
Gefährlich? Rollstuhlfahrer könnten direkt aus dem Behinderten-WC in den Delft rollen, so die Sorge. Foto: Schuurman

Den kann sich der Ratsvorsitzende erst einmal nicht vorstellen. Gregor Strelow (SPD) sprang Eichhorn vehement zur Seite. „Ohne Toilettenhaus am Delftstrand? Das geht gar nicht“, sagte er. „Wer das wegplant, kann sich nicht Stadtplaner nennen.“ Sein Parteifreund Harald Hemken zeigte sich dagegen „erstaunt, dass wir bei einem so großen Projekt übers Toilettenhaus reden“, zumal man noch beim Grobentwurf sei und über alles reden könne. Also auch über einen neuen Standort fürs Delft-WC. Das sei im Übrigen auch schon bei der Errichtung des jetzt einfach mal weggeplanten Klosetts umstritten gewesen. Seinerzeit habe man sich auch kaum einigen können, wo das EU-finanzierte WC letztlich stehen soll, wie Grünen-Ratsherr Bernd Renken noch wusste.

Bahnhofs-Klo mit Priorität

Also wieder ein großes Hin und Her, wo die Notdurft am Delft künftig verrichtet werden kann? Die Stadtbaurätin versicherte jedenfalls einlenkend, dass die Stadt längst die Notwendigkeit von WC-Anlagen in Emden im Blick habe. Sie verwies auf das geplante Gesamtkonzept für Toiletten in Emden. Das Konzept sei bereits fest im Haushalt des Gebäudemanagements einkalkuliert. Die Argumentation, dass ein WC-Haus für Bootjefahrer, Strandbar-Besucher und Veranstaltungen auf dem Hafentorplatz genau an bisheriger Stelle wichtig sei, werde man auch berücksichtigen, versprach sie.

Priorität habe aber zunächst das Bahnhofs-WC. Weil die Bahn keines vorhält, fängt die Stadt das Manko seit Jahren mit improvisierten Container-Lösungen auf. Ausgehend von dieser Problematik werde dieses City-Toiletten-Konzept für die gesamte Innenstadt erarbeitet. Dazu gehöre auch die problematische WC-Anlage am Stadtgarten. Die erste Baumaßnahme soll 2025/26 umgesetzt werden, hieß es zuletzt seitens der Stadt.

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