Bundestagswahl Siemtje Möller (SPD) siegt zum dritten Mal
Siemtje Möller (SPD) gewinnt erneut das Direktmandat im Wahlkreis Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund. Es war knapper als zuvor.
Wilhelmshaven - Siemtje Möller von der SPD hat das Direktmandat für den Wahlkreis Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund das dritte Mal in Folge gewonnen. Wenn auch deutlich knapper vor der Zweitplatzierten Anne Janssen (CDU) als bei der letzten Bundestagswahl vor vier Jahren.
Nach Auszählung aller Wahllokale am Sonntag, 23. Februar 2025, gewann Möller in allen drei zum Wahlkreis gehörenden Kommunen: Im Kreis Wittmund kam sie auf 33 Prozent, im Kreis Friesland auf 36 und in Wilhelmshaven auf 35 Prozent. 2021 gewann sie im ganzen Wahlkreis 45,5 Prozent der Erststimmen, Anne Janssen kam damals auf 22 Prozent. Dieser Abstand ist nun geringer geworden. Trotzdem: Möller gewann ihren Wahlkreis gegen den Bundestrend.
„Wir müssen den Kopf hochhalten“
Die Freude im SPD-Kreisbüro in Wilhelmshaven, wo viele Genossen sich am frühen Abend um Möller versammelt hatten, blieb angesichts des Bundestrends sehr überschaubar. Obwohl die 18-Uhr-Prognose nur die letzten Umfragen widerspiegelte, war die Enttäuschung bei den Sozialdemokraten mit Händen zu greifen. Eingefrorene Gesichter, stiller Schock. Auch bei der Direktkandidatin.
Wenig später stand sie trotzdem vor den Genossen und versuchte sich im Mutmachen: „Wir müssen den Kopf hochhalten, wir sind die stolze SPD“, so Möller. Und angesichts dessen, was im Land vor sich gehe, brauche es auch eine starke SPD. Veränderung sei aber natürlich nötig. „Wir gucken jetzt, wie sich das personelle Angebot verändern muss“, tröstete Möller die Genossen.
CDU-Direktkandidatin musste lange bangen
Bei der CDU waren die Verhältnisse am Sonntagabend genau andersherum: Der Sieg im Bund ließ die CDU-Mitglieder in einem Lokal in Jever lautstark feiern. Ihre Direktkandidatin Anne Janssen musste allerdings lange Stunden bangen, ob sie selbst in den nächsten Bundestag einzieht oder doch nicht. Zwar hat sie den eigentlich aussichtsreichen Platz 4 auf der Landesliste; die Auswirkungen des neuen Wahlrechts aber ließen Janssen lange zittern, ob Platz 4 für den Wiedereinzug in den Bundestag reicht. „Das ist total verrückt“, kommentierte sie diesen Zustand selbst.
Gegen 21 Uhr wurde es dann noch einmal richtig laut auf der CDU-Party: Ein Anruf aus der Landeswahlleitung, hieß es auf Nachfrage, einige Listenplätze aus Niedersachsen kämen in den Bundestag. Und da zwei der Landeslistenplätze vor ihr schon die jeweils eigenen Direktmandate geholt hatten und ihre Listenplätze also gar nicht brauchten, sehe es also sehr gut aus für Janssen.
Möller, Janssen und Sichert sind bereits Mitglieder des Bundestags
Für die AfD ist der aus Nürnberg stammende und jetzt in Zetel lebende Martin Sichert angetreten. Auf telefonische Nachfrage am späteren Wahlabend erklärte er, „auf jeden Fall“ in den nächsten Bundestag einzuziehen. Er steht auf Landeslistenplatz 3 seiner Partei in Niedersachsen.
Möller, Janssen und Sichert sind bereits Mitglieder des Bundestags. Für Möller ist dies ihr dritter Einzug ins Parlament. 2017 hat sie das erste Mal das Direktmandat im Wahlkreis 26 gewonnen. Sie machte schnell Karriere innerhalb der Fraktion, war erst verteidigungspolitische Sprecherin und ist mittlerweile parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverteidigungsministerium.
Schwerer Schock
Kommentar von Imke Oltmanns
So ein bisschen klang es bei den Sozialdemokraten am Sonntagabend wie das berühmte Pfeifen im Walde. Ohne uns geht es nicht, versicherten sie sich gegenseitig. Gerade jetzt, wo die Rechten an Zustimmung gewännen. Die stolze SPD, die könne doch nicht einfach verschwinden. Kann sie natürlich doch, jedenfalls wenn sie nicht aufpasst. Und danach sieht es im Moment noch aus. Zweifellos wird es diese Woche Personalrochaden geben im Willy-Brandt-Haus, Olaf Scholz kann die Verantwortung für das Wahldesaster ja nicht allein übernehmen. Muss er auch nicht, am Bedeutungsverlust der SPD haben viele mitgewirkt. Eigentlich wünscht man der ausgelaugten SPD eine Auszeit, ein paar Jahre Opposition, um sich zu sammeln und neu aufzustellen. Neue Ideen, Inhalte, auch neues Personal. Womit man wieder im Wahlkreis 26 landen könnte. Siemtje Möller hat ihren Wahlkreis ziemlich souverän gegen den vernichtenden Bundestrend gewonnen. Und sie ist innerhalb der SPD gut vernetzt. Nach Opposition sieht es für die SPD aber erstmal nicht aus. Wieder muss sie ran. Aber vielleicht mit neuem Personal. Von der Küste zum Beispiel.
Janssen zog 2021 als totaler Politikneuling das erste Mal in den Bundestag, dort ist sie heute Mitglied im Gesundheitsausschuss. Möller und Janssen sind beide Lehrerin, Janssen ist außerdem gelernte Krankenschwester. Sichert ist Diplom-Kaufmann und ebenfalls Mitglied im Gesundheitsausschuss.