Pläne abgespeckt  So will Lidl jetzt in Wolthusen neu bauen

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 21.02.2025 14:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So könnte es aussehen: der neue Lidl-Markt an der Uphuser Straße in Wolthusen. Die Parkplätze sollen auch noch mit Photovoltaik überdacht werden. Fotomontage: Stadt Emden
So könnte es aussehen: der neue Lidl-Markt an der Uphuser Straße in Wolthusen. Die Parkplätze sollen auch noch mit Photovoltaik überdacht werden. Fotomontage: Stadt Emden
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Lange war es still um den geplanten neuen Lidl-Markt im Emder Stadtteil Wolthusen. Jetzt kommt er also doch – und nochmals ganz anders.

Emden - Jetzt also doch und nochmals ganz anders: Die Discounter-Kette Lidl hält an ihrem Vorhaben fest, eine größere Filiale im Emder Stadtteil Wolthusen zu bauen. Allerdings beschränkt sich Lidl dabei auf den reinen Verkaufsmarkt. Von den Plänen zusätzlicher Wohnbebauung bis an den Ems-Jade-Kanal habe sich Lidl-Immobilien inzwischen verabschiedet. Das erklärte Stadtbaurätin Irina Krantz am Donnerstagabend, 20. Februar 2025, im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Klimaschutz.

Man spricht offenbar wieder miteinander, nachdem es zuletzt still geworden war um das Vorhaben, das eigentlich schon 2021 im Emder Rat die erste Planungshürde genommen hatte. Seither war es seitens des Investors still geworden. Die Stadt Emden hatte zuletzt im September 2024 ein Vermittlungsangebot an Lidl herangetragen, weil es zuletzt erheblichen Gegenwind von Ratsfraktionen zu den Lidl-Plänen gab.

Sorge vor Flächenversiegelung auf 2,7 Hektar

Die Erstpläne sahen die Aufgabe des alten Standortes an der Folkmar-Allena-Straße zugunsten eines Neubaus vor. Lidl-Immobilien hat dafür ein 2,7 Hektar großes Gelände gegenüber an der Uphuser Straße gekauft. An der Straße sollt der neue Lidl-Markt gebaut werden. Einen Teil des Areals wollte Lidl für Wohnbebauung vorhalten. Im Gesamtpaket stieß das dann auf Widerstand.

Noch grüne Wiese: Entlang der Baumreihe soll der neue Lidl gebaut werden. Foto: Schuurman
Noch grüne Wiese: Entlang der Baumreihe soll der neue Lidl gebaut werden. Foto: Schuurman

Mit den neuen Plänen nimmt Lidl einigen Kritikern jetzt den Wind aus den Segeln. Zwar bleibt es bei den Neubauplänen auf der grünen Wiese. Aber für die damit einhergehende Versiegelung der Fläche will Lidl jetzt an Ort und Stelle für Ausgleich sorgen. Das heißt, dass es hinter dem Markt kein Bauland geben wird, sondern das bereits bestehende Biotop nahe dem Kanal noch ausgeweitet werden soll. „Das wird eine hochwertige Fläche“, sagte Krantz. „Und sie wird damit dauerhaft gesichert.“

Klinker und Holzrahmenbauweise

Lidl habe der Stadt auch schon zugesichert, dass sich der Neubau optisch in die Nachbarschaft einfügen werde. So soll die Filiale einen Klinker-Verblender bekommen. Es sei auch eine nachhaltige Holzrahmenbauweise geplant. Die Parkplätze sollen wie auch das Gebäude selbst mit PV-Anlagen überdacht werden. Weitere Details würden bei den nächsten Verfahrensschritten in der Bauleitplanung im Ausschuss vorgestellt. „Ich freue mich jetzt schon einmal über den Verfahrensstand, auf den Markt in attraktiver Größe und die positive Weiterentwicklung am Alt-Standort“, sagte Krantz.

Zu eng, zu viel Verkehr: So schätzt Lidl die Lage an der Folkmar-Allena-Straße ein. Foto: Schuurman
Zu eng, zu viel Verkehr: So schätzt Lidl die Lage an der Folkmar-Allena-Straße ein. Foto: Schuurman

Den alten Standort an der Folkmar-Allena-Straße habe Lidl allerdings aufgrund der schwierigen Anlieferung von Waren endgültig aufgegeben. Der Radius sei für Lkw in der Wohnstraße zu klein. Der alte Markt soll abgerissen und an seine Stelle ein Mehrparteienhaus gebaut werden, das sich damit praktisch mit der Bebauung an der Straße spiegelt. So hatte es Lidl auch schon anfangs geplant.

Baustart wird noch dauern

Und wann kann es losgehen? Tatsächlich wird bis zum Baustart der neuen Filiale noch Zeit vergehen. Bis alle baurechtlichen Verfahrensschritte abgeschlossen sind inklusive Umwelt- und vieler anderer Gutachten, werde mindestens noch dieses Jahr vergehen, sagte Krantz. Über jeden Verfahrensschritt hat auch nochmals der Fachausschuss und letztlich der Rat zu entscheiden.

Achtung: Wo rechterhand ein Mehrparteienhaus ins Bild montiert ist, befindet sich jetzt noch der alte Lidl-Markt an der Folkmar-Allena-Straße. Fotomontage: Stadt Emden
Achtung: Wo rechterhand ein Mehrparteienhaus ins Bild montiert ist, befindet sich jetzt noch der alte Lidl-Markt an der Folkmar-Allena-Straße. Fotomontage: Stadt Emden

Die CDU-Fraktion unterstützt den „gefundenen Kompromiss“ zum Neubau des Lidl-Marktes aber schon einmal, wie der Kreisvorsitzende Wilke Held unmittelbar nach der Ausschusssitzung am Donnerstagabend mitteilte. „Mit dieser Lösung bleibt die Nahversorgung für die Menschen in Wolthusen langfristig gesichert und die Feuchtwiese wird nachhaltig aufgewertet. Das ist ein Gewinn für alle Seiten“, so Held.

Erste Kritiker umgestimmt

Im Ausschuss war es zu diesem Punkt zu keiner weiteren Aussprache gekommen, da die Neuigkeiten zu Lidl nur mitgeteilt und eben noch nicht weiter diskutiert werden konnten. Die CDU und auch die Grünen gehörten zuvor zu den größten Kritikern des Lidl-Vorhabens. Auch die Wählergemeinschaft GfE hatte sich gegen den Umzug der Filiale in dem Stadtteil auf die bis dato unberührte grüne Wiese ausgesprochen. Tenor der Kritik: neue Flächenversiegelung, kein ausreichender Schutz der Wiesenweidenfläche und der in der Nähe am Kolk beheimateten Wasserschildkröten und Eisvögel.

Nur die FDP im Rat der Stadt Emden hatte vor Widerstand gewarnt und sogar geunkt, dass mit dem politischen Gegenwind nicht nur die Neubaupläne von Lidl in Emden platzen könnten, sondern sich der Discounter womöglich ganz aus dem Stadtteil zurückziehen könnte. Das tritt nun offensichtlich nicht ein.

Ob sich die Konzernleitung von Lidl überhaupt von den politischen Querelen beeindrucken ließ oder womöglich die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt ausschlaggebend für die abgespeckten Pläne sind, ist offen. Die geringere Nachfrage nach Grundstücken zum Bauen dürfte aber auch eine Rolle gespielt haben, zumal Bauen für privat nicht zum Kerngeschäft von Lidl gehört, heißt es. In jedem Fall dürften die neuen Pläne nunmehr auf weniger Widerstand in Emden stoßen.

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