Osnabrück Auch Mercedes schwächelt: Die Auto-Flaute verhagelt weit mehr als nur Bilanzen
Nobel-Nimbus schützt nicht vor Krise: Die Gewinne sacken auch bei Mercedes ein. Deutschlands Autobauer brauchen Strategien, um aus dem Tal der Tränen zu kommen – und Sägen am „Verbrenner-Aus“ ist die falsche.
Mercedes, BMW, Porsche, Audi: Auch an Autobauern, die im Premiumbereich unterwegs sind, geht die Flaute am Automarkt nicht spurlos vorbei. Kaum überraschend: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sackt die Nachfrage nach Nobelkarossen eben ab, und schwierige Zeiten herrschen gerade in allen wichtigen Märkten. Und am bislang allerwichtigsten, nämlich China, sind die fetten Jahre für die deutschen Hersteller ohnehin vorbei.
Dass nun auch Mercedes einen empfindlichen Gewinneinbruch eingefahren hat, macht die Stuttgarter Traditionsschmiede zwar noch nicht zu einem Sanierungsfall. Von roten Zahlen ist der Autobauer trotz des Ergebnisrückgangs von 28 Prozent noch weit entfernt, Maßnahmen zur Kostensenkung laufen längst. Nur: Für eine tatsächliche Wende ist mehr nötig.
Zum Beispiel wirkte Mercedes nie so richtig in der Elektromobilität angekommen, trotz des selbstgesetzten Ziels, 2030 nur noch Stromer bauen zu wollen, und trotz einer ganzen Reihe von E-Modellen in der Angebotspalette. Verkauft haben sie sich nur mäßig; insbesondere im unteren Preissegment unterscheiden sie sich kaum von der Konkurrenz. Die Hoffnungen ruhen nun auf dem neuen CLA – der, wenn er seine vollmundigen Effizienzversprechen erfüllt, Mercedes durchaus in die erste Liga der E-Autobauer katapultieren könnte. Was auch über die Marke hinaus ein wichtiges Signal wäre.
Denn im Moment suchen die Autobauer ihr Heil wieder verstärkt in Verbrennermodellen, die mehr Marge abwerfen, und in Hybriden, die besser nachgefragt werden. Das mag kurzfristig die Absatzzahlen stabilisieren; den Spagat, in alle möglichen Antriebsarten gleichzeitig zu investieren und trotzdem die gewohnten Gewinne einzufahren, kriegt aber kein Hersteller auf Dauer hin.
Das sollten jene politischen Kräfte bedenken, die nun auf EU-Ebene kräftig am „Verbrenner-Aus“ sägen. Denn so ziemlich alle Autobauer müssen in den kommenden Jahren sparen. Nur wo? Bei den Entwicklungsausgaben für E-Antriebe? Dann geraten sie technisch noch weiter ins Hintertreffen, und vom Mobilitätswandel und den Klimazielen kann man sich allmählich verabschieden. Oder sparen sie noch stärker bei den Jobs, wie jetzt schon teilweise angekündigt? Das wäre dann keine Strategie mehr, sondern ein Eingeständnis des Scheiterns. Und das kann niemand wollen.