Hamburg  „Klartext“ im ZDF: Vier bemerkenswerte Szenen von Habeck, Merz, Scholz und Weidel

Mark Otten
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Von Mark Otten
| 14.02.2025 17:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Format der ZDF-Wahlsendung „Klartext“ hatten die Kanzlerkandidaten von Union, SPD, Union und AfD jeweils 30 Minuten Zeit, um kurz vor der Bundestagswahl 2025 am 23. Februar Wähler für sich zu gewinnen. Foto: IMAGO / Sven Simon
Im Format der ZDF-Wahlsendung „Klartext“ hatten die Kanzlerkandidaten von Union, SPD, Union und AfD jeweils 30 Minuten Zeit, um kurz vor der Bundestagswahl 2025 am 23. Februar Wähler für sich zu gewinnen. Foto: IMAGO / Sven Simon
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In der ZDF-Wahlsendung „Klartext“ haben Olaf Scholz, Robert Habeck, Friedrich Merz und Alice Weidel sich je 30 Minuten zu verschiedenen Themen und Fragen aus dem Publikum geäußert. Vier auffällige Szenen der einzelnen Kanzlerkandidaten.

Im Format der ZDF-Wahlsendung „Klartext“ hatten die Kanzlerkandidaten von Union, SPD, Union und AfD jeweils 30 Minuten Zeit, um kurz vor der Bundestagswahl 2025 am 23. Februar Wähler für sich zu gewinnen. Vor allem die Dialoge mit den Zuschauern sorgten dabei für besondere Momente.

Bundeskanzler und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD): Ein Student aus Münster kritisiert „unbezahlbar hohe Mieten“ und dass sich die Situation für Auszubildende und Studenten unter der Scholz-Regierung nicht verbessert habe. Er selbst habe zeitweise in einer Turnhalle schlafen müssen. Der Mann, der als „aktiv bei den Grünen“, vorgestellt wird, fragt den Kanzler mit Blick auf eine mögliche Koalition mit der Union: „In ihrem Wahlprogramm stehen ja eigentlich richtig gute Sachen – aber wie kann man Ihnen noch vertrauen, dass Sie ihre Versprechen halten?“

Scholz begründet die schwachen Zahlen beim Wohnungsbau erst mit dem Ukraine-Krieg, stellt dann Teile des SPD-Wahlprogramms vor und kündigt an, „viele neue Wohnungen“ bauen zu lassen und die Menge der Bauvorschriften zu reduzieren. Wie er seine Wahlversprechen in Verhandlungen mit der Union halten möchte, sagt der Kanzler nicht. Auch die bisherige Zielmarke von 400.000 Wohnungen pro Jahr fehlt. ZDF-Moderator Christian Sievers hakt nach und will wissen, ob Scholz sich erneut auf die konkrete Zahl festlegen will. Der Kanzler antwortet, auf Dauer brauche es noch viel mehr.

Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck: In seinen 30 Minuten geht es unter anderem um die schwächelnde deutsche Autoindustrie und den 2024 deutlich gesunkenen Absatz von E-Autos. Ein Unternehmer aus Unna, der die Firmenflotte mithilfe von Zuschüssen auf E-Autos umstellen wollte, nahm davon Abstand – weil die Ampel-Regierung plötzlich die Kaufprämie für E-Autos gestrichen hatte. Habeck entgegnet, wegen des großen Haushaltslochs sei dafür kein Geld dagewesen. Doch er räumt auch ein, dass die Koalition es anders gelöst hätte, wenn die „fatalen – auch psychologischen – Effekte dieser Entscheidung“ bekannt gewesen wären.

Der Unternehmer sagt dem Wirtschaftsminister daraufhin: „Was ich wirklich positiv fand, ist, dass Sie den Fehler zugegen haben. Das finde ich wirklich bemerkenswert.“ Von Vorredner Scholz „und auch sonst“ habe er bisher nicht gehört, dass auch Fehler gemacht worden seien. Das Publikum applaudiert. Moderation Bettina Schausten schiebt hinter: „Wenn man zu oft Fehler eingestehen muss, dann ist die Gesamtwirkung nicht mehr so doll.“

AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel: Beim Thema Migration und Arbeitskräfte aus dem Ausland sagt ein Pflegeheimleiter aus Bielefeld, die Antworten der AfD-Chefin reichten ihm vor dem Hintergrund des Personalmangels nicht aus. Ihre Partei stehe für Remigration, doch in der Sendung spreche sie mit wertschätzenden Worten über arbeitstätige Migranten, „aber das kann ich Ihnen überhaupt nicht abnehmen.“

Weidel antwortet: „Da müssen Sie einfach nur unser Programm lesen.“ Der Zuschauer sagt, das habe er getan und beim Thema Pflege sei es „eine einzige Enttäuschung.“ Er will wissen, was die AfD und Weidel für die Zukunft der Altenpflege planten. Statt die Frage zu beantworten, sagt die 46-Jährige: „Ich habe den Eindruck, dass Sie mir nicht zugehört haben. Und dass Sie unser Wahlprogramm gar nicht gelesen haben, und dass sie das, was Sie eben gesagt haben, auswendig gelernt haben.“ Das Publikum reagiert empört. Weidels Lösung für den Personalmangel in der Pflege: „Wenn Sie die Leute ordentlich bezahlen, haben Sie auch keinen Fachkräftemangel.“

Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz: Der CDU-Chef liefert sich im letzten 30-Minuten-Block einen Schlagabtausch mit dem Gründer eines Wärmepumpen-Start-up aus Köln. Die Union will laut Wahlprogramm das Heizungs­gesetz der Ampel-Regierung abschaffen. Der Unternehmer sorge sich, dass auf Eigentümer und Mieter, die mit Öl oder Gas heizen, durch steigende CO₂-Preise bald enorme Kosten zukommen. Er will wissen, welchen Maßnahmen die Union plane, um die Menschen finanziell nicht zu überfordern.

Merz setzt mehrfach zur Antwort an, doch der Unternehmer grätscht immer wieder dazwischen. Als der CDU-Chef das Klimageld als Hilfsmittel nennt, schießt der Fragensteller zurück: „Das reicht hinten und vorne nicht.“ Der Unionskanzlerkandidat sagt, er komme auf die Ausgestaltung an. „Nein“, antwortet der Unternehmer. Bevor die Moderatoren die Diskussion beenden, betont Merz, seine Partei wolle keine Technologien vorschreiben.

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