Osnabrück König Charles kommt: Neuer Berliner Tatort führt Ermittler in Abgründe des politischen Berlins
Im neuen "Tatort: Vier Leben" jagen Karow und Bonard einem Scharfschützen hinterher, der den Besuch des britischen Königs in Berlin bedroht. Spannender Politthriller nach wahren Begebenheiten.
Der König kommt! Ob der Besuch von King Charles III. die Berliner nun irgendwie juckt oder auch nicht, das sei mal dahingestellt. Aber die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Das Regierungsviertel wird schon früh am Morgen weiträumig abgesperrt. Es gilt die höchste Sicherheitsstufe. Nichts soll schließlich den Besuch des Monarchen stören oder gar gefährden.
Nützt alles nichts. Der Tag hat noch gar nicht richtig angefangen, da fallen Schüsse in der Nähe vom U-Bahnhof Friedrichstraße mitten in Berlin. Das tödlich getroffene Opfer ist kein Unbekannter im Berliner Polit-Betrieb. Jürgen Weghorst war ein aufstrebender Jungpolitiker, der sich nach einem Skandal zwar kurzfristig aus der Politik zurückgezogen hatte, aber nun wieder ein Comeback versuchen wollte. Zuletzt war er als Lobbyist für die Lebensmittelwirtschaft tätig.
Am Tatort finden Kommissar Robert Karow (Mark Waschke) und seine Kollegin Susanne Bonard (Corinna Harfouch) schnell heraus, dass es sich beim Täter um einen Scharfschützen gehandelt haben muss, der sein Opfer aus großer Entfernung getroffen hat. Um den Staatsbesuch des britischen Königs nicht zu gefährden, sollen die Ermittler doch bitteschön zuallererst ausschließen, dass es sich bei dem Mord um einen Terroranschlag gehandelt haben könne. Aber das ist gar nicht so einfach. Erst recht nicht, nachdem es einen zweiten, ähnlichen Anschlag gibt.
Nach dem großartigen letzten Berliner „Tatort: Am Tag der wandernden Seelen“ dreht sich diesmal in der Episode „Vier Leben“ alles um den Berliner Politik-Alltag. Die Spurensuche führt die Ermittler mitten hinein in die fremde, seltsame Welt der Volksvertreter zwischen Wirtschaftsinteressen und der eigenen Karriere. So führen die beiden letzten Telefonate des ersten Opfers sowohl zur Chefin des Lebensmittelverbandes Ulrike Menzel (Tara Marie Linke) als auch zu einer hochrangigen Lobbyistin. Offenbar wollten sie den Jungpolitiker davon abbringen, einem Journalisten in einem Interview brisante Details über ein besonders düsteres Kapitel aus Afghanistan zu verraten, zu dem Weghorst bereits vor einem Untersuchungsausschuss befragt wurde.
„Jetzt nicht den Überblick verlieren“, beschwört Kommissarin Bonard sich selber, als es ein bisschen unübersichtlich zu werden droht. Aber keine Angst – Regisseur Mark Monheim und Drehbuchautor Thomas André Szabó mit seinem Team aus dem Writers Room sorgen dank straffer Dramaturgie und Handlungsführung dafür, dass die Zuschauer den Überblick behalten.
Es geht nicht nur um die Verquickung von Politik und Wirtschaft, um Karrieren und Karrieristen. In diesem „Tatort“ geht es vor allen Dingen auch um das politische Berlin als Ausgangsort und „große Bühne nationaler und internationaler Verstrickungen“, wie es Autor Szabó formuliert. Macht und Machtmissbrauch gehen dabei stets auf Kosten anderer und können unabsehbare Folgen haben. Inwieweit dieser Krimi dann „angelehnt an wahre Begebenheiten“ ist, wie es zu Beginn in einer Einblendung heißt, erschließt sich erst allmählich.
Bei diesen „wahren Begebenheiten“, so viel sei verraten, dreht es sich um den unrühmlichen Abzug der NATO aus Afghanistan, der für viele dort vom Westen allein gelassene Menschen tödliche Folgen hatte und hat. Da passt dieser Polit-Thriller ganz gut in die Endphase unseres Wahlkampfes, in der der Streit um die Migrationspolitik endgültig aus dem Ruder gelaufen ist. „Taliban sind die Mörder“, lautet die anklagende Schlüsselbotschaft in diesem „Tatort“. „Aber der Westen hat ihnen die Opfer ausgeliefert“. Und, so möchte man beschämt hinzufügen, wir als Westen haben bis heute offenbar nur wenig bis gar nichts daraus gelernt.
„Tatort: Vier Leben“. Das Erste, Sonntag, 16. Februar, 20.15 Uhr und in der ARD Mediathek.