Vechta Seltene Vierlingsgeburt: Wie die Geburt ablief und wie die Babys jetzt ins Leben starten
Glück im Vierer-Pack: Eine Frau aus Ostfriesland hat jetzt Vierlinge zur Welt gebracht. Warum das in Vechta passierte, wie lange die Neugeborenen im Krankenhaus bleiben – und wo die Eltern jetzt unterkommen.
Im Vechtaer St. Marienhospital sind am Dienstagmorgen Vierlinge zur Welt gekommen. Die drei kleinen Jungen, ihre Schwester und ihre Mutter sind wohlauf, aber erschöpft. Der rechnerische Entbindungstermin wäre erst am 19. April gewesen. Ein großes Team mit Gynäkologen, Kinderärzten, einer Hebamme und Kinderkrankenschwestern war im Einsatz. Die Entbindung verlief komplikationslos.
Die Säuglinge sind nach der Geburt in der 31. Schwangerschaftswoche nur etwas mehr als handgroß. Anais Rebeca, Eric Gabriel, Patrick Mathias und David Cristian wogen nur zwischen 1120 und 1480 Gramm – üblich sind im Vechtaer Krankenhaus 3500 Gramm und teils mehr als 4000 Gramm. Die Vierlinge werden in den kommenden Wochen in Inkubatoren auf der Neonatologie – der Frühchen-Intensivstation – des Marienhospitals verbringen. Das Krankenhaus ist auf derartige Fälle spezialisiert.
Die Teams der Vechtaer Gynäkologie und der Vechtaer Kinderklinik werden sich das Datum der Entbindung aber genau merken: Vierlingsgeburten sind extrem selten. In den Jahren 2021 und 2022 gab es bundesweit jeweils vier. Für 2023 und 2024 verzeichnet das Statistische Bundesamt gar keine Vierlingsgeburt – für eine Erfassung der Daten hätten es aus Datenschutzgründen mindestens drei Fälle gebraucht.
Im Vechtaer Marienhospital waren zuletzt im Jahr 2015 Vierlinge zur Welt gekommen. Dr. Dietmar Seeger, der Chef der Vechtaer Gynäkologie, und Dr. Oliver Schirrmacher, Chefarzt in der Kinderklinik des Marienhospitals, können sich noch sehr genau an den Fall erinnern. Schirrmacher sagt: „Das ist auch für uns etwas Besonderes.“ Alle Beteiligten seien stolz darauf, dass alles so gut geklappt habe, und „dass wir daran teilhaben durften“.
Die Familie der Vierlinge stammt aus Emden. Mutter Vasilica-Florentina Imbrea und ihr Mann haben bereits einen fast 2-jährigen Sohn. Der Junge wurde in Ostfriesland geboren. Bei den Vierlingen ging das nicht. Die Mutter kam mit vorzeitigen Wehen zunächst in ein Krankenhaus in Aurich, wurde von dort aus aber gleich nach Vechta verlegt.
Das dortige Marienhospital erfüllt die Anforderungen eines Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe Level 1 und kann extrem frühe Mehrlingsgeburten leisten. Nach Krankenhausangaben werden im Schnitt 30 Frühchen pro Jahr in Vechta versorgt. Die Voraussetzung für die Versorgungsstufe ist die Kombination von Gynäkologie und Kinderklinik und ihrer Spezialisierung auf Frühchen.
Für Gynäkologie-Chef Seeger ist die Geburt nach Plan verlaufen. Bei der Entbindung per Kaiserschnitt sei die Mutter wach gewesen. Sie habe die Geburt erleben können und sehen können, wie ihre Kinder auf die Welt gekommen sind. Der Mann sei dabei gewesen. Beide seien inzwischen auch bei den Babys auf der Neonatologie gewesen. Nach der Entbindung übernahmen direkt die Kinderärzte und die Kinderkrankenschwestern. Die Babys seien zuerst beatmet worden, sagt Schirrmacher. Das sei nicht mehr nötig, sie würden jetzt nur noch bei der Atmung etwas unterstützt.
Jetzt gehe es darum, die kleinen Körper in Schwung zu bringen. Sie bekämen dafür jede Menge Medikamente. Die Kleinen seien schließlich 2 Monate früher auf die Welt gekommen als eigentlich üblich. Die Babys werden deshalb aktuell noch über Magensonden ernährt. Dafür stünden die Chancen gut, dass sie sich in den kommenden Jahren normal entwickeln, sagt Oliver Schirrmacher. Die Medizin habe da in den vergangenen Jahrzehnten viele Fortschritte gemacht. „Wir haben viel gelernt.“ Auch die technischen Voraussetzungen hätten sich sehr verbessert.
Die Vierlinge werden jetzt voraussichtlich bis kurz vor dem errechneten Geburtstermin in der Klinik bleiben. Dann sollen die Babys nicht mehr auf medizinische Versorgung angewiesen sein. Katharina Rindfleisch, Klinikmanagerin des St. Marienhospitals, sagt, die Eltern werden aber nicht jeden Tag von Emden nach Vechta fahren müssen. Das Krankenhaus habe eigene Wohnungen, in denen die Eltern unterkommen könnten. Aus medizinischer Sicht könnte die Mutter nach 2 bis 3 Tagen das Krankenhaus wieder verlassen.
Dieser Artikel erschien zuerst bei den OM-Medien in Vechta.