Niederdeutsche Bühne Wiesmoor Im ersten Jahr im eigenen Theater komplett ausverkauft
Ein Jahr lang spielt die Niederdeutsche Bühne Wiesmoor bereits in der Theaterstuuv – mit großem Erfolg. Trotzdem holt sie die Vergangenheit oft ein. Das hat viel Gutes.
Wiesmoor - Gut ein Jahr ist es schon her. Am 20. Januar 2024 spielte die Niederdeutsche Bühne Wiesmoor das erste Mal im eigenen Theater – der Theaterstuuv. Es war ein langer Weg – allein die Bauzeit von sechseinhalb Jahren in Eigenregie, mit Geldsorgen und Hindernissen wie der Corona-Pandemie machten diese Zeit zu einer echten Herausforderung. Jetzt sitzen Bühnenleiter Christian Behrends und Wilfried Nowak vom Vorstand in der hellen Cafeteria des kleinen Theaters an der Hauptstraße 237 in Wiesmoor und alles wirkt ein wenig, als wäre es schon immer so gewesen: die roten Wände im Flur, die Fotos, der Tresen, die Tischchen.
Doch das kleine Theater mit seinen 86 Sitzplätzen schreibt die Geschichte eines Gebäudes fort, das einmal die Druckerei der 2015 verstorbenen Rosemarie Ehmann war – und das sehr erfolgreich. Behrends liebt Zahlen. Deshalb ist es eine Prozentzahl, mit der er das erste Theaterjahr zusammenfasst. Zu 97 Prozent seien alle 57 Vorstellungen der vier aufgeführten Stücke im vergangenen Jahr ausverkauft gewesen. Insgesamt 5100 Gäste zählte das neue Buchungssystem. „Das heißt, dass pro Vorführung höchstens mal ein Platz frei war“, sagt Behrends. Wenn es einmal mehr waren, dann waren die Kartenbesitzer nicht gekommen – hatten aber den Sitzplatz bezahlt.
Die Theaterstuuv war ausgebucht
„Auch schön ist, dass das Theater in dieser ganzen Zeit an insgesamt 180 Tagen genutzt wurde“, ergänzt er. Auf diese Zahl kommt Behrends, wenn er die 120 Proben, die 57 Aufführungen und Gastspiele wie Kinoveranstaltungen zusammenzählt: „Wir waren also jeden zweiten Tag hier.“ Ihm ist wichtig, dass die in ehrenamtlichen samstäglichen Arbeitseinsätzen geschaffene Spielstätte mit Leben gefüllt wird. Was noch wichtig ist: Nach der mit vielen Geldsorgen verbundenen Bauzeit hat das erste Jahr endlich ein wenig Geld in die Kassen gebracht. „So konnten wir ein paar Rücklagen bilden. Das ist wichtig“, sagt Behrends.
Viel von dem Geld könne die Bühne aber nicht zurücklegen. Noch immer muss investiert werden. Bei der Bühnenbeleuchtung sei bisher nur das Notwendigste angeschafft worden. „Es ist doch teilweise etwas dunkel auf der Bühne“, sagt Wilfried Nowak, der für die Technik und den Bühnenbau zuständig ist. „Außerdem muss die andere Haushälfte, die früher als Wohnhaus diente, noch saniert werden“, sagt Behrends. Gut, dass er als Freund von Zahlen dafür einen Fördertopf der Ostfriesischen Landschaft entdeckt hat. Neben einer neuen Heizungsanlage gibt es auf diesem Weg für das kleine Theater einige neue Fenster und weitere Scheinwerfer. Die Fördersumme beträgt 15.467,46 Euro.
Ein Platz für Requisiten und Kostüme
„Durch die Förderung für kleine Kultureinrichtungen müssen wir nur ein Viertel der gesamten Kosten selbst übernehmen“, so Behrends. Nach gerade einmal einem Jahr Baupause machen sich die Ehrenamtlichen jetzt auch wieder bereit für samstägliche Arbeitseinsätze. Hier ein neuer Schaukasten, dort ein Bodenbelag für den Dachboden, wo einmal die Requisiten untergebracht werden sollen. „Einmal haben wir uns schon wieder an einem Samstag getroffen. Mensch, was habe ich mich darauf gefreut“, sagt Nowak. Es war wieder so wie zur Bauzeit des Theaters – mit einem gemeinsamen Frühstück in der großen Küche der ehemaligen Eigentümerin Rosemarie Ehmann. „Es war wieder richtig schön. Die Niederdeutsche Bühne ist für uns eine richtige Ersatzfamilie geworden“, sagt Nowak.
Noch lässt die Vergangenheit die Niederdeutsche Bühne nicht ganz los, denn die Ehrenamtlichen müssen das mehr als 30 Jahre lang genutzte Bühnenheim unter dem Dach der Kooperativen Gesamtschule Wiesmoor noch räumen. „Wir haben schon viele Möbel zum Sperrmüll gebracht“, so Behrends. Noch immer befindet sich ein großer Teil der Requisiten und Kostüme dort. „Wir müssen ja erst einmal die Räume im neuen Theater fertig haben, bevor wir sie herüberholen“, sagt Behrends. Doch langsam wird es – und der Abschied vom ehemaligen Bühnenheim fällt nicht schwer. „Wir behalten es in guter Erinnerung, aber wir haben jetzt ein neues zu Hause“, sagt Nowak.
Johann Wienbeuker kommt zurück
Wie geht es weiter? Die Proben für das erste Stück des Jahres laufen schon seit drei Wochen. In der letzten Aufführung der Saison „Spektakel bi Chrischan – De Gartenzwerg-Mord“ spielen Gartenzwerge, wie der Name schon sagt, eine tragende Rolle. Der Vorverkauf hat bereits begonnen – die 16 Termine sind auf der Internetseite der Niederdeutschen Bühne (https://ndb-wiesmoor.de/spielplan/) und bei den Ticketanbietern einsehbar.
Die Premiere ist am Samstag, 29. März 2025, um 20 Uhr. Wie erstmals im vergangenen Jahr können die Tickets auch wieder online gebucht werden. Sie sind über Anbieter wie Reservix oder Nordwest-Ticket auch an den anderen angeschlossenen Vorverkaufsstellen erhältlich. Behrends: „Zwei Drittel unserer Karten haben wir im vergangenen Jahr online verkauft.“
Christian Behrends ist in der Zwischenzeit schon wieder auf der Suche nach Stücken für die neue Spielzeit, die nach den Sommerferien startet. Währenddessen bereitet sich ein weiteres Stück Vergangenheit darauf vor, bei der Bühne wieder zur Zukunft zu gehören. „Johann Wienbeuker wird nach sechs Jahren Pause wieder Regie führen“, sagt der neue Bühnenleiter. „Welches Stück es sein wird, wissen wir noch nicht.“ Aber noch ist ein wenig Zeit, das zu entscheiden.