Hamburg Jede zweite Frau kämpft um ihre finanzielle Zukunft – sie brauchen mehr Unterstützung
Jede zweite berufstätige Frau kann laut Studie des DGB nicht finanziell für ihre Zukunft vorsorgen. Das muss sich ändern – die Politik und die Frauen selbst sind gefragt.
Ist die finanzielle Abhängigkeit von Frauen kein Zufall – sondern politisch gewollt? Im Bundestagswahlkampf kommen die immergleichen Themen auf den Tisch: die Diskussion zur Migrationspolitik, Steuerdebatten, Energiepreise, Bundeswehr-Budget... Die Themen Soziales, Gleichstellung und Arbeit bleiben unterbelichtet. Dabei verdienen mehr als die Hälfte aller berufstätigen Frauen in Deutschland laut einer aktuellen Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) so wenig, dass sie langfristig nicht für sich selbst vorsorgen können – das muss sich rasch ändern.
Der Niedriglohnsektor ist weiblich. Frauen sind überproportional in schlecht bezahlten Jobs vertreten, obwohl sie bereits seit Jahren die besseren Bildungsabschlüsse haben. Warum wählen Frauen dennoch so häufig geringer bezahlte Berufe in der Pflege, in der Erziehung und im Einzelhandel? Ein jährlicher, vom Bundesministerium geförderter „Girls’ Day“ taugt nicht, um Generationen von Mädchen für eine stabile Existenzsicherung zu sensibilisieren.
Und dann ist da noch die Teilzeitfalle: Viele Frauen entscheiden sich – oft aufgrund von Kindern – für reduzierte Arbeitszeiten, dadurch verzichten sie nicht nur auf Gehalt, sondern auch auf Rentenansprüche und Aufstiegschancen. Fehlende Kitaplätze, Ganztagsschulen sowie zu kurze Öffnungszeiten und Betreuungsausfälle erschweren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Das traditionelle Konzept „Frau bleibt zu Hause bei den Kindern, Mann verdient Geld“ wird von der Politik noch begünstigt: Das Ehegattensplitting fördert die finanzielle Abhängigkeit. Je weniger der eine Partner verdient, desto mehr spart der besserverdienende Partner an Steuern – ein staatlich subventioniertes Modell der Abhängigkeit?
Die strukturelle Diskrepanz ist offenkundig, doch sich als Frau aus der Verantwortung zu ziehen und selbst auf das „Versorgermodell Mann“ zu setzen, ist fahrlässig. Frauen sollten sich aktiver um ihre finanzielle Sicherheit kümmern: früh ein starkes Bewusstsein für die eigene Karriereplanung entwickeln und diese mit ihrem Partner besprechen. Die bestehenden Strukturen zeigen, es reicht nicht, darauf zu warten, dass Politik oder Partner die Lösung bringen – es ist umso wichtiger, dass sich Frauen politisch für ihre Belange einsetzen.