Untersuchung gegen Polizisten Wer drehte das Video der eskalierten Kontrolle in Bunde?
Eine normale Grenzkontrolle in Bunde endete vorige Woche mit Schusswaffeneinsatz der Polizei. Davon kursiert ein Video im Internet, das nun auch die Staatsanwälte interessiert.
Bunde - Große Aufmerksamkeit hat ein Video von einer eskalierten Fahrzeugkontrolle am Grenzübergang in Bunde erregt: In dem kurzen Clip ist zu sehen, wie Polizeibeamte auf die Fenster eines Mercedes einschlagen, schließlich tritt einer sogar die Scheibe auf der Fahrerseite mit dem Stiefel ein. Der Fahrer gibt daraufhin Gas. Während er davonfährt, fallen Schüsse. Dieser Vorfall zieht inzwischen eine Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft Aurich nach sich. Aber woher kommt dieses Video?
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Für die stichprobenartigen Grenzkontrollen wurde am Grenzübergang in Bunde ein Zelt aufgestellt. Autofahrer werden vor dem Grenzübertritt herausgewunken und rollen mit ihrem Fahrzeug durch dieses Zelt. Die meisten können ohne großes Aufheben die Fahrt fortsetzen. Doch der 54-jährige Fahrer des Mercedes sollte am vergangenen Donnerstag (6. Februar 2025) offenbar eingehender kontrolliert werden. Warum, ist unklar. Das in Groningen erscheinende Dagblad van het Noorden schreibt, dass der Mann auf Aufforderung hin die Seitenscheibe nicht öffnen wollte.
Dicht neben Polizisten gefilmt
An dieser Stelle setzt wohl das Video ein – aber was den Aufnahmen vorausging, ist unklar. Eindeutig ist, dass die Person, die die Kamera hielt, direkt neben den Polizeibeamten steht. Er oder sie geht im Verlauf um das Auto herum und durch die umstehenden Polizisten durch. Die Beamten müssen also gesehen haben, dass dort jemand filmt. Wer war das?
Diese Frage kann Staatsanwältin Anna Hoormann nicht beantworten: „Wir haben uns auch gefragt, wie es in die Öffentlichkeit kam.“ Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Aurich bestätigt, dass Herkunft und Inhalt des Videos bei der Prüfung des Vorfalls untersucht werden. Der Clip wurde mehrfach geteilt, unter anderem vom Dagblad van het Noorden. Es kursiert zudem in sozialen Medien, wobei der Urheber nicht eindeutig zu erkennen ist.
Niederländische Beamte sind dabei
Die Bundespolizeidirektion in Hannover will zu dem Vorfall vom vorigen Donnerstag gar keine Fragen unserer Redaktion beantworten. „Wegen der laufenden Ermittlungen werden wir uns dazu nicht äußern“, sagte eine Sprecherin. An der Kontrolle, das ist ebenfalls in dem Video erkennbar, waren Beamte der niederländischen Behörden beteiligt. Insgesamt standen etwa sechs uniformierte Polizisten um den Mercedes herum – das ist bei einer Grenzkontrolle nicht ungewöhnlich.
Auf die Frage, ob die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Aurich auch die niederländischen Polizisten einbeziehen, sagte Sprecherin Hoormann, dass noch geprüft werde, ob und gegen wen Ermittlungen zu führen seien. Ob es in den Niederlanden eigene Ermittlungen gibt, könne sie nicht beantworten. Der Vorfall ereignete sich auf der deutschen Seite des Grenzübergangs.
Flucht endete auf Autobahn 31
Ob das Verhalten des Mannes im Auto einen Anlass gab, so brachial gegen die Fensterscheiben vorzugehen, blieb bisher unbeantwortet. Er soll zwar für die Polizei nicht unbekannt sein, aber es habe aktuell kein Haftbefehl vorgelegen, noch sei nach ihm gefahndet worden, so die Staatsanwaltschaft. Als die Beamten die Fenster eingeschlagen hatten, raste der Mann davon. Seine Flucht wurde später auf der Autobahn zwischen Dörpen und Lathen mit einer Nagelsperre gestoppt.
Der 54-Jährige ließ sich dann widerstandslos festnehmen, er kam zunächst auf die Wache in Leer. Dort wurde er am Freitag nach einer Vernehmung wieder entlassen – einen Haftgrund oder Tatvorwurf gegen ihn gibt es nicht. Sein Verhalten während der Kontrolle und die Flucht werden ebenfalls untersucht, die Staatsanwaltschaft ließ dieses unkommentiert. Die Untersuchung, zu der eine Befragung aller beteiligten Personen gehört, werde mehrere Wochen dauern, sagte Anna Hoormann.