Hannover  Niedersachsen braucht mehr Lehrer für Schulen auf dem Land – wie das gelingen soll

Stefan Idel
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Von Stefan Idel
| 13.02.2025 10:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Zu wenige Lehrer, zu viele Unterrichtsstunden fallen aus. Der Philologenverband Niedersachsen will mehr angehende Lehrer für eine Schule in ländlichen Regionen zu begeistern. Was der Verband vorschlägt.

Kommt nach dem Landarzt künftig bald der Landlehrer? Geht es nach dem Philologenverband Niedersachsen (PHVN), sollen Schulen in ländlichen Regionen bei der Verteilung der angehenden Lehrkräfte bevorzugt werden – mit der Hoffnung auf einen „Klebeeffekt“, wie der PHVN-Vorsitzende Christoph Rabbow sagt. Er stellte gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Astrid Thielecke am Dienstag in Hannover eine Werbekampagne des Verbands vor, der überwiegend die Gymnasiallehrer vertritt. Das Motto: „Stadt? Land!“ Auf den Social-Media-Kanälen des Verbands sollen Lehrkräfte regelmäßig über die Vorteile des Landlebens berichten.

Die Unterrichtsversorgung liege an manchen Schulen im ländlichen Raum mittlerweile bei 75 Prozent, so Rabbow. Die Zahl der Abordnungen von Lehrkräften an unterversorgte Schulen steige. Der PHVN will die Zuweisung von Lehrkräften im Vorbereitungsdienst daher gezielt steuern.

Nach dem Bachelor-Abschluss sollen angehende Lehrer ein halbes Jahr an die Schulen gehen. Dieses Praxissemester soll ins Masterstudium integriert werden. Anschließend solle der 18-monatige Vorbereitungsdienst erfolgen. Dies solle den „Praxisschock“ lindern. Zugleich könnten die Referendare an den Schulen engmaschig begleitet werden. Auch die Kommunen sollten sich stärker engagieren, damit sich künftige Lehrkräfte fürs Landleben entscheiden – etwa durch Hilfe bei der Wohnungssuche.

Rabbow sieht Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) in der Pflicht, Lehrkräfte passgenau einzustellen. Die Studienseminare könnten mit einem Vorlauf von eineinhalb Jahren sagen, wer wann mit welchen Fächern den Vorbereitungsdienst absolviert hat. Diese Information könnten Kultusministerium und die Regionalen Landesämter für Schule und Bildung (RLSB) nutzen, um zielgenau einzustellen. Dabei müssten auch Planstellen berücksichtigt werden, die innerhalb der nächsten zwei Schuljahre frei werden. Im benachbarten Nordrhein-Westfalen sei eine derartige Einstellung „über Bedarf“ möglich, erläuterte Rabbow.

Im Kalenderjahr 2024 wurden nach Angaben des Kultusministeriums insgesamt 2.296 Lehrkräfte neu eingestellt – das sind rund 530 mehr, als in Pension gegangen sind. Zu Beginn des 2. Schulhalbjahres 2024/2025 konnten von den 1.160 ausgeschriebenen Stellen mittlerweile 923 besetzt werden (Stand: 3.2.2025). Das entspricht einer Quote von 79 Prozent. Niedersachsen will in diesem Jahr 2460 weitere Stellen schaffen.

Doch die Unterrichtsversorgung stagniert schulformübergreifend bei 96,9 Prozent. Landesweit falle derzeit jede siebte Unterrichtsstunde aus, erklärte Rabbow. „Das ist zu viel.“ Daher sollten verfügbare Lehrkräfte schon eingestellt werden, wenn sich der Bedarf erst in einem Jahr oder später entstehe. Der PHVN sieht die rot-grüne Landesregierung gefordert. In der Bildungspolitik müsse viel mehr passieren, betonte Rabbow.

Weitgehend zufrieden ist der PHVN mit der Reform der gymnasialen Oberstufen, die 2029 greifen soll. Danach bleibt es in Niedersachsen bei fünf Prüfungsfächern fürs Abitur. Die Prüfungen in den drei Leistungskursen (P1 bis P3) sollen schriftlich abgelegt werden. Die den beiden Prüfungsfächern auf grundlegendem Anforderungsniveau (Grundkursen) sollen mündliche Prüfungen erfolgen. Niedersachsen führt ein neues Prüfungsformat ein: den „kombinierten Leistungsnachweis“. Er soll im 1. Halbjahr des Jahrgangs 13 erbracht werden. Als mögliche Element werden auch Podcasts, Ausstellungskonzeptionen oder Podiumsdiskussionen zugelassen. Rabbow forderte eine Kombination aus Fachbezogenheit und Methodik. Es könne nicht sein, dass jemand ohne Anlass einen Podcast mit der Oma produziere. Zudem fordert der Verband, den 11. Jahrgang dringend anzupassen. Benötigt werde eine gymnasiale Oberstufe „aus einem Guss.“

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