Hamburg „Halten Sie Ihren rechten Rand“ – die deftigsten Zitate aus der TV-Runde der Parteichefs
Es war die erste große TV-Runde vor der Bundestagswahl. Im ZDF-„Schlagabtausch“ gab es zwar wenig neue Erkenntnisse, dafür zumindest ein paar unterhaltsame Frotzeleien und prägnante Botschaften.
Bis wirklich mal zwei Politiker aneinandergerieten, musste erst einige Sendezeit vergehen. „Jetzt halten Sie doch mal Ihren rechten Rand, ich rede gerade“, fuhr Linken-Chef Jan van Aken den gerade dazwischen quatschenden AfD-Chef Tino Chrupalla an.
Doch es sollte nicht der einzige erinnernswerte Satz der ersten TV-Runde zur Bundestagswahl bleiben. Beim ZDF-„Schlagabtausch“ standen sich Vertreter von FDP, BSW, Linkspartei, Grünen, AfD und CSU gegenüber. Für Thementiefe reichte die Zeit mit sechs Kandidaten selten, mit kurzen Statements mussten die Kandidaten punkten. Eine Auswahl flotter und streitbarer Sprüche sowie kleiner Reibereien:
„Wie schön, dass Sie das nur bei mir kommentieren.“ – AfD-Co-Chef Tino Chrupalla fühlt sich von Moderator Andreas Wunn schon in der Vorstellungsrunde ungerecht behandelt, weil dieser einwirft, dass die „alimentierte Messer-Männer“-Rede von Alice Weidel auch zu einer Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas beigetragen haben dürfte.
„Die AfD wird man nicht mit Lichterketten kleinmachen, sondern nur, indem man die Probleme kleinmacht, die diese Partei groß gemacht haben.“ – Christian Lindner (FDP) in Richtung des Grünen-Co-Chefs Felix Banaszak.
„Die Partei macht man nicht klein, indem man ihre Narrative übernimmt.“ – Banaszaks Reaktion.
„Warum bekommen Kassenpatienten immer weniger Arzt- und Facharzttermine? Weil es einen massiven Ärztemangel gibt, der dadurch größer wird, dass es mehr Nachfrage nach medizinischen Leistungen gibt.“ – Sahra Wagenknecht (BSW) auf den Spuren von Unions-Kandidat Friedrich Merz, der einst über Asylbewerber sagte: „Die sitzen beim Arzt und lassen sich die Zähne neu machen, und die deutschen Bürger nebendran kriegen keine Termine.“
„Die Realität ist, dass der Alltag der Menschen mit der illegalen Migration ständig konfrontiert ist.“ – Alexander Dobrindt (CSU).
„Wir können mal nachlesen, was das Auswärtige Amt auf Arabisch twittert.“ – Alexander Dobrindt (CSU) streitet sich mit Christian Lindner (FDP) darüber, ob Menschen für eine Einbürgerung nach drei Jahren ihren Lebensunterhalt selbst aufbringen müssen. Dessen Reaktion: „Steht im Gesetz“. „Steht aber anders beim Auswärtigem Amt“, meint Dobrindt.
„Die talentierten Menschen sagen sich: In Deutschland zahlst du hohe Steuern und Abgaben, kriegst eine schlechte Infrastruktur und dann bist du noch nicht mal willkommen.“ – Christian Lindner (FDP) zählt die AfD zu den Standortrisiken des Landes.
„Die Studierenden mit Migrationshintergrund haben gesagt: ‚Ich zieh doch nicht aufs Land, wo die ganzen AfDler mir gleich auf die Fresse hauen.‘“ – Jan van Aken (Linke) über Anwerbungsversuche von Medizinstudenten in Thüringen.
„Jetzt halten Sie doch mal ihren rechten Rand, ich rede gerade.“ – Jan van Aken zu Tino Chrupalla, der die Äußerung über die auf die Fresse hauenden AfDler so nicht stehen lassen möchte.
„So viel Realitätsverweigerung ist schon selten.“ – der im Alltag ständig mit illegaler Migration konfrontierte Alexander Dobrindt versteht nicht, wieso dieses Thema für die Linke und Jan van Aken kein Thema ist.
„Wenn ich mit den Menschen rede, die in den nicht so privilegierten Gegenden leben ...“ – „Wann warst du das letzte Mal in so einem Viertel? Ganz ehrlich?“ – Jan van Aken traut Sahra Wagenknechts Sozialstudien nicht.
„Unsere Wählerschaft hat ein niedrigeres Durchschnittseinkommen als eure.“ – Sahra Wagenknecht kontert auf eine recht linke Art.
„Ich bewundere Elon Musk nicht für sein politisches Urteilsvermögen, sondern dafür, dass es ihm gelingt, große Technologien zu verwirklichen.“ – Christian Lindner.
„Wir nehmen Geld für Klimaschutz in die Hand.“ – eines von gerade zwei Malen in 90 Minuten, dass Grünen-Politiker Felix Banaszak das Wort „Klimaschutz“ sagt.
„Wenn ein Waffenstillstand vereinbart ist, gibt es auch keinen weiteren Angriff.“ – Tino Chrupalla zur Frage, was er macht, wenn Russland nach einem Frieden oder einem Waffenstillstand die Ukraine nochmal angreift.
„Freier Westen nennt sich sowas.“ – Alexander Dobrindt nennt Chrupalla die passenden Verbündeten für Deutschland.
„Es wird jetzt ein bisschen kompliziert. Wir machen gleich mit der FDP weiter, da wird es einfach.“ – ZDF-Moderator Andreas Wunn würde gerne über das FDP-Wahlprogramm sprechen.
„Ich kenne Ihre Ideen, ich könnte jetzt Ihren Platz einnehmen.“ – Christian Lindner zeigt sich bestens informiert über das Parteiprogramm der Linkspartei. Und schiebt zugleich hinterher, dass diese Ideen Deutschland noch weiter in die Krise stürzen würden.
„Sie laufen durch die Straßen und können abzählen. 1, 2, arm. 1, 2, arm.“ – Felix Banaszak über den Duisburger Norden und die Kinderarmut als vergessenes Thema.
„Jetzt machen Sie aus den USA einen sozialistischen Staat, oder was?“ – Christian Lindner zu Wagenknechts Einwurf, dass selbst das Silicon Valley eine Anschubfinanzierung durch öffentliche Gelder bekam.
„Ich hab eine Wärmepumpe.“ – Christian Lindner mit einem unerwarteten Bekenntnis.