Ideen für Weener  Tempolimits innerorts – Experten unterstützen Kommunen

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 10.02.2025 07:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Es ist nicht immer leicht, innerorts eine Straße zu überqueren. Foto: Archiv
Es ist nicht immer leicht, innerorts eine Straße zu überqueren. Foto: Archiv
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Große Laster, Autoschlangen: Auch innerorts ist es teils schwer, sicher über die Straße zu kommen. Kommunen sollen leichter Tempolimits einrichten können. In Weener gibt es eine Idee, wo.

Weener - Schnell, viel, groß: Fahrzeuge, die über Ortsdurchfahrten jagen, können zur Gefahr für Fußgänger und Radfahrer werden. Zwei Ideen, die immer wieder aufkommen, um die Gefahren zu bannen: Tempo 30 auf Ortsdurchfahrten und Druckampeln. Nach dem Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar bringt die SPD Weener zwei entsprechende Anträge aufs Tableau. Fachleute hatten sich bei der Konferenz vom 29. bis 31. Januar unter anderem dafür ausgesprochen, dass die Kommunen Tempolimits innerorts leichter selbst festlegen können. Dazu später mehr.

Tempolimit und Tonnenbegrenzung

Was will die SPD genau? Ein Tempolimit und eine Tonnenbegrenzung auf den Ortsdurchfahrten im Stadtbereich Weener. Das steht im Antrag der Fraktion für die nächste Sitzung des Ausschusses für Bau- und Stadtentwicklung. Die Idee war schon mehrfach im Gespräch. Unter anderem 2023. Mehr als 6000 Fahrzeuge rauschen täglich durch die Ortsdurchfahrt von Weener, hieß es seinerzeit.

Über den Verkehr an der Ortsdurchfahrt Weener wurde schon häufiger beraten. Foto: Archiv
Über den Verkehr an der Ortsdurchfahrt Weener wurde schon häufiger beraten. Foto: Archiv
Mehr Schwerlastverkehr, größere Fahrzeuge mit mehr Tonnenbeladung und das Umfahren von Mautstrecken führten zu einer höheren Belastung der Ortsdurchfahrten – deutlich an den Straßen erkennbar, schreibt die SPD in ihrem neuen Antrag. Noch wichtiger sei, dass die Anwohner vom Lärm entlastet würden. „Wir fordern daher eine Tonnenbeschränkung bis 7,5 Tonnen – ausgenommen natürlich Lieferkehr, Müllfahrzeuge und Rettungsfahrzeuge – und eine Geschwindigkeitsbeschränkung.“ Tempo 30 solle auf den betroffenen Straßen gelten.

Ampel für Fußgänger und Radfahrer

Die Druckampel an der Ortsdurchfahrt Weener hatte lange auf sich warten lassen. Foto: Gettkowski/Archiv
Die Druckampel an der Ortsdurchfahrt Weener hatte lange auf sich warten lassen. Foto: Gettkowski/Archiv
Wegen des hohen Verkehrsaufkommens ist die SPD für eine Fußgänger-Ampel an der L31 im Ortskern Stapelmoor, wie in einem zweiten Antrag steht. 2011 habe das Ordnungs- und Straßenverkehrsamt des Landkreises Leer zwar erklärt, dass eine Ampel nicht erforderlich sei, schreibt die Fraktion. Aber auch, dass es aus Sicht des Arbeitskreises Verkehrssicherheit grundsätzlich keine Bedenken gegeben habe, wenn die Kosten auf die Kappe der Stadt Weener gingen. Es solle laut Antrag eine neue Verkehrszählung geben und eine neue Prüfung. Unabhängig davon solle man die finanziellen Mittel im Haushalt 2025 einstellen.

Das sagten die Fachleute: Tempo 30 sollten die Kommunen einfacher selber festlegen können

Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar haben mehr als 1900 Fachleute über Themen des Verkehrsrechts und der Verkehrssicherheit debattiert. Zum Abschluss gaben sie zu den verschiedenen Themen Gesetzes-Empfehlungen ab. Solche Empfehlungen wurden in der Vergangenheit immer wieder bei der Gesetzgebung berücksichtigt. Eine Empfehlung: Kommunen sollen Tempo-30-Zonen innerorts leichter selbst festlegen können. Konkrete Vorschläge zu Geschwindigkeitsvorgaben machten die Fachleute aber nicht. Das solle den Kommunen überlassen werden.

Ein Schild weist auf eine 30er-Zone und Kinder hin. Im Vordergrund ist ein Schild für einen Zebrastreifen zu sehen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Ein Schild weist auf eine 30er-Zone und Kinder hin. Im Vordergrund ist ein Schild für einen Zebrastreifen zu sehen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Dieses Thema flammt in Ostfriesland immer wieder auf. Raser, Fast-Unfälle und reale Unglücke bringen Anwohner immer wieder auf die Barrikaden. In der Vergangenheit hatte es mehrfach Bemühungen gegeben, beispielsweise auf der L15, die unter anderem durch den Ort Hatzum führt, Tempo 30 einzuführen. Die Bemühungen scheiterten allerdings bis jetzt, weil sich Verkehrsexperten einig sind, dass es sich nicht um einen Unfallschwerpunkt handelt. In regelmäßigen Runden treffe sich die Verkehrskommission und auch die Unfallkommission, die unter anderem aus Verkehrsbehörde, Polizei und dem Baulastträger bestehen.

Nicht nur Tempolimit – Zu Fuß gehen attraktiver machen

Mit mehr Geschwindigkeitsbegrenzungen sollen den Angaben der Fachleute bei der Tagung in Goslar nach unter anderem Fußgänger besser geschützt werden. Mit einer Änderung der Straßenverkehrsordnung wurde es Kommunen bereits im vergangenen Jahr erleichtert, 30er-Zonen etwa an Schulen einzuführen.

Die provisorischen Zebrastreifen, wie an der Graf-Edzard-Straße wurden wieder deinstalliert. Foto: Wolters/Archiv
Die provisorischen Zebrastreifen, wie an der Graf-Edzard-Straße wurden wieder deinstalliert. Foto: Wolters/Archiv
Generell müsse zu Fuß gehen attraktiver werden. Dazu forderten die Verkehrsexperten auch ein durchgängiges und barrierefreies Netz an Fußwegen sowie voneinander getrennte Fuß- und Radwege. Auch brauche es mehr Querungen wie Zebrastreifen. Parken an diesen Überwegen müsse etwa durch mehr Kontrollen und höhere Strafen unterbunden werden. Bremsassistenten in Autos sollen demnach verpflichtend werden.

Mischkonsum, Tests und vor Abzocke schützen

Gänzlich verbieten wollen die Experten den Mischkonsum von Cannabis und Alkohol beim Autofahren. Bisher ist es erlaubt, Auto zu fahren, wenn die beiden Grenzwerte für Cannabis und Alkohol nicht überschritten werden. Bei Cannabis liegt der Grenzwert bei 3,5 Nanogramm pro Milliliter, beim Alkohol bei 0,5 Promille. Wer Gefahrgut transportiert, solle ebenfalls nüchtern sein. Bisher gilt für diese Fahrer nur ein Alkoholverbot.

Die Fachleute forderten zudem bessere Drogenschnelltests. Zudem soll nach Auffassung der Fachleute klarer geregelt werden, unter welchen Umständen Menschen schon nach der ersten Drogenfahrt der Führerschein entzogen werden dürfe. Außerdem sollten für Fahrtüchtigkeitstests der Polizei bundesweite Qualitätsstandards gelten.

Verbraucher sollen besser vor Abzocke geschützt werden: Für Vorbereitungskurse zu Fahreignungstests, der sogenannten medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU), soll nach Meinung der Experten eine Positivliste erstellt werden. Die soll Anbieter auflisten, die sich an fachliche Standards halten. Damit sollen Betroffene vor unseriösen Angeboten und Abzocke geschützt werden.

Mit Material der dpa

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