Rätselhafter Diebstahl in Leer  Künstler hofft auf Rückkehr des „Goldhähnchens“

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 10.02.2025 07:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dieses Gemälde wurde am Tag vor Silvester während der Öffnungszeiten aus Schloss Evenburg gestohlen. Es war Teil einer Sonderausstellung. Foto: Polizeiinspektion Leer/Emden
Dieses Gemälde wurde am Tag vor Silvester während der Öffnungszeiten aus Schloss Evenburg gestohlen. Es war Teil einer Sonderausstellung. Foto: Polizeiinspektion Leer/Emden
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Das Gemälde „Goudhaantje“ von Henk Helmantel war vor Silvester aus Schloss Evenburg gestohlen worden. Die Polizei in Leer geht Hinweisen nach, während der Eigentümer eine Belohnung ausgesetzt hat.

Leer / Westeremden - Der Kunstdiebstahl aus den Räumen von Schloss Evenburg in Leer beschäftigt noch immer die Ermittler der Polizeiinspektion Leer/Emden. Einen Tag vor Silvester (30. Dezember 2024) war ein Gemälde des niederländischen Künstlers Henk Helmantel aus der Ausstellung verschwunden – bisher fehlt von dem Bild „Goudhaantje“ jede Spur. Aber: „Die Ermittler versuchen den aktuellen Fall zu klären und für eine Rückgabe des Gemäldes an den rechtmäßigen Besitzer zu sorgen“, sagt Polizeipressesprecherin Ina Reuwsaat.

Im Schloss Evenburg waren in einer Ausstellung bis Mitte Januar 36 Stillleben von Helmantel zu sehen. Der Künstler gilt als „Rembrandt des Nordens“, weil er im Stil der klassischen niederländischen Maler wie Rembrandt oder Vermeer arbeitet. Das Gemälde „Goudhaantje“ (Goldhähnchen) hat nach früheren Angaben der Polizei einen Wert von etwa 10.000 Euro – jedoch hat es für Helmantel darüber hinaus einen ideellen Wert. Als der Künstler 1980 mit seinen beiden Großtanten in Bierum umzog, flog ein Goldhähnchen in die Windschutzscheibe des stehenden Umzugswagens. Er hatte den zierlichen Vogel daraufhin in dem Bild verewigt – das ist einer Mitteilung des Museums zu entnehmen.

Belohnung für Hinweise auf die Täter

Wohl auch deshalb liegt der Familie Helmantel die Wiederbeschaffung des Bildes am Herzen: „Die Direktorin des Museums Helmantel in Westeremden teilte auf Anfrage des zuständigen Sachbearbeiters mit, dass die Familie Helmantel eine Belohnung in Höhe von 3000 Euro für den Hinweis zahlen wird, der zur Rückgabe des Gemäldes führt“, so die Polizeisprecherin. Das Museum am Wohnort des Künstlers beherbergt eine große Sammlung seiner Werke und war Leihgeber für die Ausstellung in Leer. Es plant selbst ab Mai 2025 eine Ausstellung anlässlich des 80. Geburtstags Helmantels, für die das Bild bislang vorgesehen war.

Das „Goudhaantje“ war in der Evenburg während der regulären Öffnungszeiten gestohlen worden. Dazu gibt es jetzt laut Reuwsaat neue Erkenntnisse: Unter anderem durch Berichte und die Pressemitteilung zu dem Diebstahl seien vereinzelte Hinweise eingegangen. „Dadurch konnte der Tatzeitraum auf bis zum frühen Nachmittag des Silvestervortages eingegrenzt werden“, sagt Reuwsaat. Die Kripo Leer ermittele wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall. „Es liegen derzeit keine Anhaltspunkte für ein bandenmäßiges Vorgehen vor“, so Reuwsaat weiter.

Keine Kamera im Ausstellungsraum

Somit könnten selbst normale Besucher der Ausstellung den Diebstahl begangen haben. Zu den Spuren, denen die Kripo nachgegangen ist, gehört die Auswertung des Videoüberwachungsmaterials aus der Evenburg. Diese habe jedoch zu keinen konkreten Täteransätzen geführt, so die Sprecherin, „auch deshalb nicht, da der betreffende Raum, indem das Gemälde ausgestellt war, nicht videoüberwacht gewesen ist“. Der Landkreis Leer hatte als Eigentümer des Schlosses bereits angekündigt, die Sicherheitsvorkehrungen überprüfen und verbessern zu lassen.

Im Schloss Evenburg waren 36 Stillleben von Henk Helmantel zu sehen. Der Landkreis Leer will die Sicherheitsvorkehrungen im Gebäude nun verschärfen lassen. Foto: Archiv
Im Schloss Evenburg waren 36 Stillleben von Henk Helmantel zu sehen. Der Landkreis Leer will die Sicherheitsvorkehrungen im Gebäude nun verschärfen lassen. Foto: Archiv

Es ist nach Angaben der Polizei nicht ausgeschlossen, dass der oder die Täter aus den Niederlanden stammen. Es bestehe daher ein Austausch mit anderen Behörden, unter anderem mit Interpol. Dort werde eine Datenbank über Kunstgegenstände und Kulturgüter geführt. „Dort ist das Gemälde ebenfalls, wie auch in nationalen Datenbanken, zur Fahndung ausgeschrieben“, teilt Reuwsaat mit. Es ist mit zwölf mal 14 Zentimeter nicht sehr groß, allerdings steckt das Gemälde in einem festen Rahmen.

Polizei hat selten mit Kunstdieben zu tun

Mit Kunstdiebstählen haben die Kriminalbeamten der PI Leer/Emden nicht allzu oft zu tun. Wie Reuwsaat auf Anfrage mitteilt, kam es im Zuständigkeitsbereich der PI Leer / Emden zurückliegend seit 2020 lediglich zu zwei Diebstählen von Bildern beziehungsweise Gemälden aus einem Hotel auf Borkum. Dort waren 2022 aus dem Strandhotel VierJahresZeiten innerhalb weniger Wochen zwei Gemälde des französischen Malers Théodore Gudin gestohlen worden.

Bei seinen Bildern lässt sich der fast 80-jährige Henk Helmantel von den klassischen niederländischen Malern inspirieren. Repro: Landkreis Leer
Bei seinen Bildern lässt sich der fast 80-jährige Henk Helmantel von den klassischen niederländischen Malern inspirieren. Repro: Landkreis Leer

Dagegen war der Künstler Helmantel, einer der renommiertesten niederländischen Maler der Gegenwart, schon einmal das Opfer eines spektakulären Kunstdiebstahls. Vor fast 25 Jahren waren aus dem Museum in Westeremden 37 Bilder gestohlen worden. Damals waren wohl Profis am Werk. Sie strichen zwar ein Lösegeld von 300.000 Euro für die Gemälde ein, wurden dann aber doch von der Polizei ermittelt. Sie bekamen dafür eine Gefängnisstrafe von drei Jahren. Die Bilder kehrten ins Museum zurück.

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