Berlin Wieso nach der ersten TV-Debatte nur das Studiopublikum in Erinnerung bleibt
Beim „Schlagabtausch“ im ZDF durften sich fast alle großen Parteien präsentieren. Die kommenden TV-Runden sind weit weniger vielfältig. Hoffentlich sind es dafür die Themen und das Studiopublikum.
Mit Blick auf die personelle Abwechslung wird man die große Runde vom ZDF-Schlagabtausch noch vermissen. Sahra Wagenknecht hält dem Ex-Genossen Jan van Aken triumphierend vor: „Unsere Wählerschaft hat ein niedrigeres Durchschnittseinkommen als eure“. Christian Lindner bemüht sich, Wortbeiträge von AfD-Co-Chef Tino Chrupalla zu übersetzen, die er im Kern richtig findet. Und der Faktencheck als letzte Ausflucht wird häufiger angefordert, als der Videobeweis bei einem Bundesliga-Spiel.
Ob es derart munter bleibt, wenn sich allein Olaf Scholz und Friedrich Merz durch die Sendelandschaft hindurch sechsmal bis zur Bundestagswahl gegenüberstehen?
Es bleibt zu hoffen, dass in diesen TV-Debatten dafür zumindest die thematische Vielfalt größer wird. Ausführlich sprachen die Kandidaten über Migration und verstrickten sich vor allem in alten Befindlichkeiten der vergangenen Woche, als Union und FDP mit Stimmen der AfD einen härteren Asylkurs einschlagen wollten. Die Politiker wirkten selbst so erschöpft von der Thematik, dass sogar AfD-Mann Tino Chrupalla bei seinen Schlussworten vergaß, die Migration zu den drei wichtigsten Anliegen einer hypothetischen AfD-Regierung zu zählen.
Der Wirtschaft wurden noch ein paar Minuten zugesprochen, das Soziale kam noch kürzer. Eine Bereicherung waren da die vorher eingesammelten Fragen der TV-Zuschauer, bei deren Beantwortung die Kandidaten fast im Schnellquiz-Format wenig Ausweichmöglichkeiten hatten. Hier kamen immerhin kurz Themen wie Verteidigung, Pflege und die auseinander driftende Schere von Arm und Reich in Deutschland dran.
Während die Kandidaten sich in Sprüchen und schnellen Antworten übten, versagte das ZDF allerdings in der B-Note. Noch bevor ein Argument ausgetauscht wurde, war klar, dass das Publikum vor allem Sympathien für die Parteichefs von Linkspartei und Grünen hegen.
Der einseitige Applaus ist dem Publikum selbst nicht vorzuwerfen, dem ZDF aber schon. Ein Kameraschwenk reichte, um zu sehen, dass da weder das durchschnittliche ZDF-Publikum sitzt, noch eine ansatzweise repräsentative Wählerschaft. Sondern vor allem politisch interessierte Studenten aus Berlin. Wie ein ZDF-Redakteur später sagte, hatten die Verantwortlichen gezielt Studenten der eher linken Berliner Universitäten eingeladen.
Die Folge, dass eine bestimmte Klientel sich vor allem mit ein, zwei Parteien identifiziert, wäre abzusehen gewesen. Das ZDF hat damit einen völlig unnötigen Nebenschauplatz in den digitalen Kanälen provoziert, der noch weiter von dem geringen Erkenntnisgewinn des Abends ablenkt.