Neue U-Boote TKMS Emden hofft auf Auftrag aus Argentinien
Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat sein Okay für den Bau von drei U-Booten für Argentinien gegeben. TKMS mit einem Standort in Emden ist mit im Rennen. Es geht um Milliarden.
Emden/Berlin - Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) hofft auf einen Großauftrag aus Argentinien. Es geht um drei neue U-Boote für die argentinische Marine. Auftragswert: etwa 2,2 Milliarden Euro. Hoffnung auf zusätzlich Arbeit darf sich nun auch der TKMS-Standort Emden machen.
Hintergrund: Nach Auskunft des SPD-Bundestagsabgeordneten Johann Saathoff (Pewsum) hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages TKMS Staatsgarantien für drei U-Boote zugesichert. Damit kann TKMS sich um den Bau dreier U-Boote für die argentinische Marine bewerben. Der Baubeginn im Falle eines Zuschlags ist laut Saathoff für Mitte 2026 geplant und die Auslieferung für 2034 und 2035.
Was bedeutet das für TKMS Emden?
„Diese Aufträge würden zur Sicherung des TKMS-Standortes Emden beitragen“, teilte der SPD-Politiker mit. „Deshalb bin froh, dass der Bund sich hier engagiert.“ Aber auch mit den Aufträgen des Bundes für vier U-Boote für die Marine und das Forschungsschiff Polarstern 2 leiste der Bund einen wichtigen Beitrag für den TKMS-Standort Emden und zur Sicherung von Beschäftigung und Know-how in Ostfriesland. Und: Vor wenigen Wochen sei entschieden worden, dass TKMS vier U-Boote der Klasse U212 CD für die Deutsche Marine bauen solle, dazu weitere zwei für den Nato-Partner Norwegen. Außerdem sei der Auftrag zum Bau des Forschungsschiffs Polarstern 2 an TKMS vergeben worden.
Thyssenkrupp Marine Systems bestätigte gegenüber unserer Zeitung die Bewerbung um den Bau von drei U-Booten für die argentinische Marine. „Als Thyssenkrupp Marine Systems pflegen wir seit vielen Jahren enge Kundenbeziehung zu Argentinien“, teilte das Unternehmen mit Sitz in Kiel mit. In der Vergangenheit habe man die argentinische Marine bereits mit U-Booten ausgestattet, die jedoch schrittweise modernisiert werden müssten. Die Entscheidung im Deutschen Bundestag sei ein positives Zeichen, die TKMS in die Lage versetze, wettbewerblich tätig zu werden. Zu Einzelheiten des Beschaffungsvorhabens wollte sich TKMS aktuell nicht äußern. Nach Informationen unserer Zeitung ist neben TKMS auch die Naval Group im Rennen um den Milliarden-Auftrag. Die Naval Group ist ein staatlicher Schiffbaukonzern aus Frankreich.
Was hat der Bundessicherheitsrat damit zu tun?
„Wir können Ihnen jedoch versichern: Die rechtlichen und politischen Vorgaben der Bundesregierung sind für Marine Systems entscheidende Grundlage und Maßstab für jedes wirtschaftliche Handeln“, teilte TKMS auf Anfrage mit. Dazu gehörten auch außen- und sicherheitspolitische Abwägungen der Bundesregierung mit Blick auf Exportvorhaben im Bereich der Marineausrüstung. Die Bundesregierung sei bereits vor Beginn von Projekten über Voranfragen befasst und eingebunden. Die Prüfungsverfahren verantworte der Bundessicherheitsrat. Die Abgabe von Angeboten sowie die Durchführung von Aufträgen durch Thyssenkrupp Marine Systems erfolge immer erst auf der Grundlage eines positiven Bescheids des Bundessicherheitsrats.
Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte bereits eine Woche vor Weihnachten grünes Licht für die Beschaffung von vier weiteren U-Booten der modernen Klasse U212 CD gegeben. Mit den Stimmen der Union und der FDP stimmten die Fachpolitiker einer Beschlussvorlage für das 4,7 Milliarden Euro teure und gemeinsam mit Norwegen begonnene Rüstungsprojekt zu, das beim Rüstungsunternehmen TKMS in Auftrag gehen soll.
Worum geht es auf geopolitischer Ebene?
Auf dem Tisch des Haushaltsausschusses lagen dabei insgesamt 38 sogenannte 25-Millionen-Vorlagen für Rüstungsprojekte für Marine, Heer und Luftwaffe zur Entscheidung. Es ging um insgesamt rund 21 Milliarden Euro, davon rund 7 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für die Bundeswehr.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) dankte damals auch der Opposition – Union und FDP – für die Zustimmung. Er verwies auf die Bedrohung durch Russland unter Präsident Wladimir Putin: „Wir müssen uns so aufstellen, dass wir die Sicherheit trotz Putins Aggression weiterhin gewährleisten und gerade eben auch wegen Putins Aggression.“ Nach dem Aus der Ampel-Koalition und mit Blick auf die für den 23. Februar geplante Neuwahl des Bundestages schienen nötige Mehrheiten zeitweise ungewiss.
Mit Material von DPA