Hannover „Make it in Germany“: Wie Niedersachsen Fachkräfte in den Arbeitsmarkt integriert
In Niedersachsen mangelt es an qualifizierten Fachkräften. Kai von Hörsten ist Experte bei der Bundesagentur für Arbeit für die Fachkräftezuwanderung. Welchen Blick hat er auf das Thema? Wo sind die Hürden besonders hoch?
In Niedersachsen fehlten 2024 nach Angaben des Wirtschaftsministeriums rund 60.000 qualifizierte Arbeitskräfte. Damit standen für etwa 47 Prozent der offenen Stellen keine ausreichend qualifizierten Personen zur Verfügung. Im Bezirk der Arbeitsagentur Vechta lag der Wert sogar bei 62,5 Prozent.
Als besonders hoch gilt der Bedarf in den Berufsfeldern Pflege, Hoch- und Tiefbau sowie Mechatronik und Automatisierungstechnik. Die Bundesagentur für Arbeit (BA), Geschäftsbereich Internationales, hat die Berufe mit hohem Bedarf in drei Säulen zusammengefasst: Demografischer Wandel (also Pflege- und Heilerziehungsberufe), Dekarbonisierung (etwa Energie- oder Elektrotechnik) und Digitalisierung (etwa Mechatronik oder Software-Entwicklung).
Über die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA) haben im Vorjahr 4.139 Fachkräfte und Auszubildende aus Drittstaaten ihre Arbeit in Deutschland aufgenommen; davon 417 in Niedersachsen. Unter den 4.139 waren 1.849 Pflegekräfte, 542 im Bereich Handwerk/Technik, 421 in nicht-pflegerischen Gesundheitsberufen sowie 252 IT-Fachkräfte und Ingenieure.
Das berichtet die BA-Regionaldirektion Niedersachsen/Bremen auf Anfrage. 2023 wurden 3.746 Fachleute aus Drittstaaten über die ZAV in den Arbeitsmarkt integriert; darunter 404 in Niedersachsen.
Als Experte innerhalb der BA-Regionaldirektion gilt Kai von Hörsten. In seinem Büro in der BA-Regionaldirektion in Hannover hat er sogar eine große Tafel mit den Regeln und Gesetzen zur Fachkräftezuwanderung angebracht. Trotz der klaren Gliederung erschlägt die Menge der Möglichkeiten.
Um die Verfahren zu beschleunigen, ist aus seiner Sicht eine bessere Kommunikation zwischen den Behörden sowie eine verstärkte Anerkennung der im Ausland erworbenen Abschlüsse erforderlich. Die Bewerber benötigten Hilfestellung bei der Einschätzung ihrer Kompetenzen, beim Spracherwerb und bei der Wohnungssuche in Deutschland. Schon im Ausland sollte mit dem Spracherwerb begonnen werden.
Im aufnehmenden Unternehmen selbst sollte es Ansprechpartner geben, um die Zuwanderer zu integrieren. Über das Portal „Make it in Germany“ können Interessenten im Ausland selbst auf Jobsuche in Deutschland gehen. Über die Zahl der Nutzer liegen der BA-Regionaldirektion keine Zahlen vor.
Ausdrücklich lobt Von Hörsten die geplante niedersächsische Zentralstelle für Fachkräfteeinwanderung, die organisatorisch bei der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen angesiedelt werden soll. Dies sorge für klare Zuständigkeiten und eine Entlastung der 55 kommunalen Ausländerbehörden im Land.
Von Brasilien bis Usbekistan hat Niedersachsen 13 Fokusländer definiert, in denen unter den Kriterien der fairen Migration Fachkräfte angeworben werden sollen. Die BA fungiert hier ebenfalls als Türöffner. Niedersachsen sucht vor allem den Kontakt zu Regionen in Marokko, Kolumbien und Indien, um das Land bei Zuwanderungswilligen bekannt zu machen. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hat kürzlich ein Partnerschaftsabkommen mit der marokkanischen Region Tanger-Tétouan-Al Hoceïma unterzeichnet.
Der SPD-Politiker sprach von einer „bundesweit einmaligen Brücke für faire und geordnete Arbeitsmigration“. Lies und Sozialminister Andreas Philippi (SPD) wollen noch in diesem Sommer nach Kolumbien reisen, „um Türen zu öffnen und Kontakte zu vertiefen“, wie es heißt. Bei einem Modellprojekt in Kolumbien will Niedersachsen vor allem kleine und mittlere Unternehmen fördern, die keine Kapazitäten für die Fachkräfteanwerbung im Ausland haben. Eine für Februar geplante Reise nach Indien hat der Wirtschaftsminister wegen der Bundestagswahl verschoben.
Das Land Bremen hat in den vergangenen Jahren bereits 152 Kita-Fachkräfte aus Spanien angeworben. Die Abbrecherquote bei diesem Programm sei relativ gering, teilte Bildungssenatorin Sascha Karolin Aulepp (SPD) kürzlich mit. 124 Erzieher schlossen demnach das Programm erfolgreich ab; von ihnen wurden 115 unmittelbar in Einrichtungen des Landes Bremen eingestellt.