Osnabrück Zukunft von VW-Werken: Wer sind Volkswagens China-Partner?
Was ein Interesse chinesischer Autobauer an deutschen VW-Werken betrifft, hält sich Volkswagen bedeckt – es ist aber offenbar Thema in Gesprächen des Konzerns mit seinen Partnern in China. Wer die genau sind: Ein Überblick.
Rückt der Einstieg chinesischer Autobauer in VW-Werke näher? Vor wenigen Tagen hat Vorstandschef Oliver Blume mit den chinesischen Partnern des Konzerns gesprochen – offenbar auch über deren Ambitionen auf dem europäischen Markt. Ob es dabei um konkrete Standortfragen ging, wollte Volkswagen nicht kommentieren. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass chinesische Hersteller an VW-Standorten interessiert seien. Namen wurden nicht genannt, allerdings dürften die Werke in Osnabrück und Dresden infrage kommen, deren Zukunft noch unklar ist.
Es sei grundsätzlich positiv zu sehen, wenn Unternehmen in Europa investieren und Jobs schaffen, sagte Blume unlängst auf einer Konferenz. VW habe enge Partnerschaften in China, „und natürlich gibt es Diskussionen, aber keine konkreten Entscheidungen“, zitiert Reuters den VW-Chef. Der Konzern teilte mit, dass die Ausführungen allgemeiner Natur gewesen seien.
Zuletzt sagte der Chef der VW-Tochter Audi, Gernot Döllner, in der „Financial Times“, es sei „natürlich denkbar“, ungenutzte Kapazitäten in VW-Werken chinesischen Autobauern anzubieten. Die Zeitung zitierte zudem VW-Finanzchef David Powers mit den Worten: „Wir sind offen für jegliche Diskussionen zu jedem Thema mit jedem Partner.“ Auch die IG Metall zeigt sich nicht grundsätzlich abgeneigt: „Das könnte für solche Werke eine Lösung sein“, sagte Vize-Chef Jürgen Kerner gegenüber Reuters. Voraussetzungen seien die Einhaltung tariflicher Standards und eine „Local-Content-Strategie“, was bedeutet, dass Teile der Produktion weiterhin in Europa stattfinden müssten.
Aber wer sind die engen China-Partner von VW eigentlich? Ein Überblick.
SAIC: Der Staatskonzern aus Shanghai ist der älteste Partner von VW. Das Joint Venture gibt es bereits seit vier Jahrzehnten, erst vor wenigen Wochen wurde es bis 2040 verlängert. Ziel sei „eine führende Marktposition mit den Marken Volkswagen Pkw und Audi im Zeitalter der intelligenten, vollvernetzten Elektro-Fahrzeuge“, heißt es von VW. Bis 2026 wolle man „eine neue Generation von elektrifizierten Fahrzeugen“ auf die Straßen bringen, sagte VW-China-Chef Ralf Brandstätter.
Das Gemeinschaftsunternehmen SAIC Volkswagen, an dem beide Partner je zur Hälfte beteiligt sind, produziert im Rahmen der „In China, für China“-Strategie Modelle des Wolfsburger Konzerns für den chinesischen Markt – neben VW auch Audi und Skoda. Rund eine Million Autos lieferte das Joint Venture im vergangenen Jahr aus.
Insgesamt hat SAIC nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 4,6 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, etwa jedes vierte davon ein reines E-Auto oder ein Plug-in-Hybrid. Zu den Eigenmarken des Konzerns gehören unter anderem die früheren britischen Marken MG und Roewe (früher Rover), von denen SAIC im vergangenen Jahr in Deutschland knapp 21.000 Fahrzeuge verkaufen konnte.
JAC: Das Joint Venture mit Anhui Jianghuai Automobile, kurz JAC, besteht seit 2017. Mit dem Gemeinschaftsunternehmen Volkswagen Anhui, an dem VW 75 Prozent hält, wollten die Wolfsburger vor allem das E-Auto-Geschäft voranbringen. Im vergangenen Jahr fuhr das Unternehmen, in das VW im Frühjahr nochmal rund 650 Millionen Euro nachschoss, allerdings Verluste ein. Volkswagen erklärte das Minus mit hohen Investitionen in die Fabrik-Infrastruktur.
JAC selbst ist weltweit auf vielen Märkten vertreten, spielt in Deutschland allerdings bislang keine Rolle. Rund 400.000 Fahrzeuge konnte der Konzern, der auch mit dem Mobilfunk-Riesen Huawei Autos baut, 2024 absetzen – 7,4 Prozent weniger als im Vorjahr.
FAW: Seit 1991 besteht das Joint Venture mit der First Automotive Group Corporation aus Changchun, an dem VW und Tochter Audi 40 Prozent halten. Insbesondere für Audi hat die Kooperation große Bedeutung. Als zentrales Element des Joint Ventures gilt auch der Bereich Forschung und Entwicklung. FAW-VW produziert in acht Werken Fahrzeuge von VW, Audi und Jetta – das in China eine eigene Marke ist – für den chinesischen Markt. Darunter fällt übrigens auch der ID.6, der ausschließlich dort angeboten wird und in einer anderen Version auch von SAIC gebaut wird. Berichten zufolge konnte FAW-VW im vergangenen Jahr rund 1,6 Millionen Autos verkaufen.
Xpeng: Mit dem Autobauer aus Guangzhou entwickelt VW eine neue elektrische Architektur, mit der Produktions- und Entwicklungskosten gesenkt werden sollen. Zwei gemeinsam entwickelte E-Fahrzeuge sollen 2026 auf den Markt kommen. Außerdem will VW mit der Kooperation die Digitalisierung und Autonomisierung von Fahrzeugen voranbringen. VW hält bei XPeng einen Anteil von 4,99 Prozent.
Der 2014 gegründete Autobauer konnte 2024 rund 190.000 E-Autos verkaufen und sich damit deutlich steigern. Auch außerhalb Chinas ist Xpeng aktiv: Im Dezember konnte der Konzern das zehntausendste in Europa abgesetzte Fahrzeug feiern. Es ging übrigens an einen deutschen Käufer – allerdings war die Gesamtzahl verkaufter Xpeng-Autos hierzulande mit 393 im vergangenen Jahr kaum der Rede wert.
Inwieweit einer der VW-Partner Interesse an deutschen Werken haben könnte, lässt sich angesichts ihrer noch starken Fokussierung auf den chinesischen Markt schwer sagen. Theoretisch kämen Modelle infrage, die ohnehin für den europäischen Markt gedacht sind – und man darf annehmen, dass die EU-Zölle gegen China eine zentrale Rolle in den Überlegungen der Vorstandsetagen spielen. So entfällt etwa auf SAIC der höchste Zollsatz von etwa 35 Prozent, was die in Europa beliebten MG-Modelle deutlich teurer macht. Und der Chef der VW-Tochter Cupra begründete seine scharfe Kritik an den Zöllen im Herbst mit dem Argument, dass sie das bei JAC in China gefertigte Modell Tavascan so sehr verteuerten, dass dies Auswirkungen auf das gesamte Unternehmen habe.