Gedächtniswald Friedeburg  Hund und Herrchen – noch im Tode vereint

Susanne Ullrich
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Von Susanne Ullrich
| 31.01.2025 17:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Liebe zum Tier geht für viele Halter über den Tod hinaus. Viele wünschen sich auch für sich und den Vierbeiner eine würdevolle Ruhestätte. Symbolfoto: Pixabay
Die Liebe zum Tier geht für viele Halter über den Tod hinaus. Viele wünschen sich auch für sich und den Vierbeiner eine würdevolle Ruhestätte. Symbolfoto: Pixabay
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Haustiere sind für viele nahezu vollwertige Familienmitglieder. Im Bestattungswald Friedeburg können sich darum schon bald Tierhalter neben ihren Hunden, Katzen oder Pferden beisetzen lassen.

Friedeburg - Immer wieder fällt bei den Waldführungen durch den Karl-Georgs-Forst im Friedeburger Ortsteil Wiesede dieser eine Satz: „Ich hätte mein Tier gern bei mir.“ Das sagt Ina Budde, Assistentin des Generalbevollmächtigten auf Schloss Gödens, Enno Herlyn, auf Nachfrage. Sie weiß es aus ihren Gesprächen mit den Gedächtniswaldförstern. Genau diesen Wunsch will Maximilian Graf von Wedel auf Schloss Gödens (Sande), Besitzer von rund 400 Hektar Mischwald in der Gemeinde Friedeburg und Betreiber der Bestattungswälder in Logabirum und Friedeburg, auch ernst nehmen: Schon ab Frühjahr 2025, so die derzeitige Planung, sollen in einem abgeschlossenen Teilbereich des Waldes Mensch und Tier Seite an Seite beigesetzt werden können.

Gedächtniswaldförster Sigfried Bley bei einer Waldführung. Foto: Ullrich/Archiv
Gedächtniswaldförster Sigfried Bley bei einer Waldführung. Foto: Ullrich/Archiv

Eigentlich war die Idee eine ganz andere: In einer ersten Planung Ende 2021 war auf genau dieser Fläche im Forst ein reiner Tierfriedhof von 1,47 Hektar vorgesehen – räumlich klar von dem Bereich abgegrenzt, in dem seit Ende 2023 Humanbestattungen vorgenommen werden. Eine gemeinsame Ruhestätte für Menschen und ihre Haustiere hatte Herlyn damals noch ausgeschlossen. Mittlerweile habe sich aber gezeigt, dass es genau diese alternative Bestattungsform sei, die nicht wenige Tierhalter sich wünschten, relativiert Budde den ursprünglichen Kurs. Es gebe zahlreiche Anfragen, hauptsächlich von Besitzern von Hunden und Katzen, aber auch von Pferden und Kleintieren.

Fast jeder zweite Haushalt hat ein Tier

Die Vorbereitungen dafür sind langwierig und noch nicht komplett abgeschlossen. „Wir haben viel recherchiert“, erläutert Budde. Bestehende Planungen, an denen man sich mit dem Vorhaben orientieren könne, gebe es kaum. „Das ist alles sehr vage.“ Also habe sich das Unternehmen mit der Unterstützung des Planungsbüros Buhr aus Leer daran gemacht, die eigenen Ideen ganz individuell umzusetzen. „Wir machen es so, dass es für uns passt.“ Das bestehende Konzept für Friedeburg und Logabirum werde dafür auf die Mensch-Tier-Bestattung übertragen. Seit November 2024 beschäftigt die Thematik auch den Rat und die Verwaltung der Gemeinde Friedeburg.

Der Gedächtniswald in Friedeburg. Foto: Ullrich/Archiv
Der Gedächtniswald in Friedeburg. Foto: Ullrich/Archiv

Der geplante Mensch-Tier-Friedhof wäre der erste in Ostfriesland. Insgesamt gibt es deutschlandweit nur gut 40 solcher gemeinsamen Ruhestätten, fand der Betreiber im Zuge der Recherchen heraus. 2015 wurde in Dachsenhausen (Rheinland-Pfalz) auf private Initiative die erste Möglichkeit geschaffen. Tierfriedhöfe hingegen gibt es flächendeckend, weiß Budde: „Es gibt 150 reine Tierfriedhöfe.“ Einer davon ist mit dem Kleintierfriedhof Südbrookmerland in Victorbur ganz in der Nähe. Laut einer repräsentativen Erhebung im Auftrag des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands leben mehr als 34 Millionen Haustiere in deutschen Haushalten – darunter 15,7 Millionen Katzen und 10,5 Millionen Hunde. Demnach besitzen 45 Prozent aller Haushalte in Deutschland ein Haustier.

So funktioniert die Mensch-Tier-Bestattung

Die Idee, sich mit seinen Tieren zur letzten Ruhe zu betten, ist nicht neu. Einer der prominentesten Anhänger war Friedrich der Große: Der Preußenkönig liebte seine Hunde sehr und wollte sie auch nach seinem Tod bei sich haben. Obwohl zuletzt wenig populär, waren Hunde, Katzen oder sogar Pferde geschichtlich gesehen oft beliebte Grabbeigaben. Als das sind Haustiere rechtlich gesehen definiert. Wer das Haustier nach dem Tod bei sich haben möchte, kann es als Grabbeigabe mit ins Grab nehmen, erklärte Elke Herrnberger, Pressesprecherin beim Bundesverband Deutscher Bestatter, bereits im Zuge der Planungen des Friedeburger Tierfriedhofs. „Das ist durchaus nicht mehr ungewöhnlich.“

Waldspaziergänge stehen vor allem bei Hundehaltern hoch im Kurs. Wer sich frühzeitig einen Baum für ein Urnengrab aussucht, kann ihn bei regelmäßigen Besuchen wachsen sehen. Symbolfoto: Pixabay
Waldspaziergänge stehen vor allem bei Hundehaltern hoch im Kurs. Wer sich frühzeitig einen Baum für ein Urnengrab aussucht, kann ihn bei regelmäßigen Besuchen wachsen sehen. Symbolfoto: Pixabay

Sterben Hund oder Katze, wird das Tier kremiert und die Urne mit der Asche darin bis zum Tod des Halters verwahrt. Wer das plant, ist aber auch vom Betreiber des Friedhofes, meist Kirchengemeinden oder auch Gemeinden, abhängig, warnen die Haustierexperten beim Haustierzentralregister Tasso: Einheitliche Regelungen, ob Tiere im Grab erlaubt sind, hat kaum ein Bundesland. Tierhalter, die auf Nummer sicher gehen möchten, sollten sich genau erkundigen – oder direkt einen Friedhof mit einer ausdrücklich erlaubten Mensch-Tier-Bestattung wählen.

Vorsorge – auch fürs Tier

Herrnberger hatte bereits 2022 einen Trend zur gemeinsamen Ruhestätte vorausgesagt – da die Bindung von Mensch und Haustier heute deutlich enger sei als noch vor einigen Jahrzehnten. Das Haustier als Gefährte und Familienmitglied soll angemessen würdig beigesetzt werden, das finden auch die Betreiber des Friedeburger Gedächtniswaldes. Und so soll das aussehen: Es gebe die Möglichkeit, dass eine alleinstehende Person nur für sich und ihren Vierbeiner eine Urnengrabstelle aussucht, so Budde. Aber man werde auch das Angebot eines Familienbaumes machen. Familien könnten sich beispielsweise einen Baum aussuchen, der Platz für mehrere Familienmitglieder und Haustiere bietet. Auf einem Hektar Bestattungswald werden 90 bis 100 Bestattungsbäume ausgewählt. Je Baum werden bis zu 14 Gräber festgelegt. Urnengräber für Menschen. Die maximale Anzahl an Tieren sei noch Inhalt der Detailplanung.

Befestigte Wege führen durch den als Bestattungswald gewidmeten Teil des Karl-Georgs-Forsts. Ähnlich wird auch der Bereich aussehen, in dem bald Mensch-Tier-Bestattungen ermöglicht werden sollen. Foto: Ullrich/Archiv
Befestigte Wege führen durch den als Bestattungswald gewidmeten Teil des Karl-Georgs-Forsts. Ähnlich wird auch der Bereich aussehen, in dem bald Mensch-Tier-Bestattungen ermöglicht werden sollen. Foto: Ullrich/Archiv

Trauerfeiern sind dann künftig auf Wunsch sowohl für die Menschen als auch die Tiere möglich. Dieser Service kostet natürlich, ebenso wie die Ruhestätte, Beisetzung, Kremierung, Urne und Überführung. „Tierhalter sollten frühzeitig die Vorsorge für ihr Haustier treffen“, raten die Tierschützer bei Tasso. Nicht zuletzt auch finanziell: Schnell kommen einige Hundert Euro allein fürs Kremieren zusammen. Tierkrematorien sind Dienstleister und berechnen ihre Dienste je nach Größe des Tieres, erläutert Ina Budde auf Nachfrage. Das Einäschern einer Katze mit etwa fünf Kilo liege bei 300 Euro. Ein großer Familienhund bis 45 Kilo koste rund 420 Euro.

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