Von Gazprom zu SEFE Bald Geld vom Gasriesen für ostfriesische Gemeinde?
Das Energieunternehmen SEFE betreibt einen Speicher in der Gemeinde Jemgum. Es stehen weitere große Pläne an. In Sachen Geld könnte Bewegung reinkommen.
Jemgum - Dass unter der Erde im beschaulichen ostfriesischen Ort Jemgum einer der größten Erdgaskavernenspeicher Europas liegt, wissen viele nicht – oder erst seit Deutschland nach dem Beginn des Angriffs von Russland auf die Ukraine mit Sorge auf die Erdgas-Speicherstände geschaut hatte.
Heute wird der Speicher gemeinsam von SEFE Storage und VNG Gasspeicher betrieben. Seit 2018 fließt allerdings keine Gewerbesteuer mehr an die Gemeinde Jemgum. Es hatte Umstrukturierungen im Unternehmen gegeben, im Zuge dessen wurde eine Abmachung mit der Gemeinde aufgekündigt. Seinerzeit wurde der Speicher noch von Astora – einer Tochter der Gazprom Germania – geführt. Um die Gasversorgung in Deutschland zu sichern, überführte die Bundesregierung diese Unternehmensgruppe 2022 ins Eigentum des Bundes.
„Das betrifft auch den Gasspeicher in Jemgum“, teilte Fiete Wulff, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundesnetzagentur in Bonn, seinerzeit mit. Seit Jahren setzen sich Bürgermeister Hans-Peter Heikens und Landtags- sowie Bundespolitikerinnen und -politiker dafür ein, dass der Ort wieder profitiert. Nun kommt offenbar Bewegung in die Sache.
Was ist SEFE?
SEFE steht für Securing (S) Energy (E) for (F) Europe (E), zu deutsch: Sichern der Energie für Europa. Das Unternehmen gehört, wie beschrieben, dem Bund. Die SEFE GmbH, das Mutterschiff sozusagen, hat ihren Sitz in Berlin.
Astora – die Gazprom-Germania-Tochter – betrieb und vermarktete die Speicherkapazitäten in Jemgum. Aus Astora wurde SEFE Storage – mit Sitz in Kassel. Die Wingas GmbH war an der Planung und Koordination des Speicherbaus beteiligt. Wingas wurde zur SEFE Energy. Die Änderungen teilte der Mutterkonzern im Sommer 2024 mit. Aber nicht nur die Namen wurden vereinheitlicht. Bei SEFE hat sich noch mehr getan.
Wer ist der Chef?
Zum Januar teilte SEFE Storage mit, dass sich in der Chefetage etwas tut. Prof. Dr. Thomas Ruttmann und Andreas Schulz sind zur neuen Geschäftsführung ernannt worden.
Sie treten die Nachfolge von Eduard Schmitke an. „Prof. Dr. Thomas Ruttmann wird als Sprecher der Geschäftsführung alle kommerziellen Themen übernehmen, während Andreas Schulz für die Technik verantwortlich sein wird“, schreibt das Unternehmen. Ruttmann habe mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Öl- und Gasindustrie gesammelt. Schulz sei nach seinem Studium der Elektrotechnik in Bremen im Anlagenbau an zahlreichen Projekten im In- und Ausland beteiligt gewesen. Auch vor Ort ist er kein Unbekannter, so habe er den Oberbau- und die Inbetriebnahmeleitung für den Bau des Erdgasspeichers in Jemgum übernommen. Er habe außerdem die Erdgasspeicherbetriebe der SEFE Storage übernommen und weiterentwickelt.
Wie sehen die Pläne der neuen Geschäftsführung für den Speicher in Jemgum aus?
„Das vorrangigste Interesse von SEFE Storage ist und bleibt der sichere Betrieb der Speicheranlagen“, schreibt Stephanie Minkler von der Pressestelle SEFE Storage. Mit dem Projekt JemgumH2 strebe das Unternehmen an, Deutschlands führender Wasserstoffspeicherbetreiber zu werden und damit einen Beitrag zur Energiewende und zur Erreichung der Klimaziele zu leisten. Die Sicherstellung der Finanzierung, sowie die Beantragung der Nutzung von europäischen Fördermitteln und Subventionen zur Unterstützung des Projekts stünden ebenfalls im Fokus.
Außerdem gehe es um die Abstimmung mit Netzbetreibern. Der Speicher solle nämlich in das geplante Fernleitungskernnetz integriert werden.
Wie weit sind die Pläne für den Wasserstoff-Speicher?
Wie die Sprecherin des Unternehmens, Stefanie Hallaschka, erklärt, hat die EU-Kommission ein Qualitätssiegel an das Projekt JemgumH2 vergeben, es erfülle die Anforderungen. Auch Grundstücke habe man schon erworben und starte mit der Pflege der Flächen. Bis Mitte 2025 werde „unter anderem ein genauer Plan aufgesetzt wird, wie die Speicher-Anlage genau aussehen wird und welche Gebäude an welcher Stelle ihren Platz finden“, so Hallaschka. Sobald alles offiziell genehmigt sei, könne man weitere Details mitteilen. „Wir gehen davon aus, dass unter anderem der geplante Baubeginn im Jahr 2027 hier bestätigt wird.“
Wie kann die Gemeinde davon finanziell profitieren?
Das liebe Geld ist schon lange ein Thema. Nun scheint Bewegung in die Sache zu kommen: „Dieses Thema fällt in den Verantwortungsbereich der Infrastruktur bei der SEFE GmbH in Berlin“, schreibt SEFE-Storage-Sprecherin Hallaschka. „Die Besetzung der Leitungsposition in diesem Bereich ist für das zweite Quartal 2025 geplant.“ Erst danach werde SEFE Storage das Gespräch mit der SEFE GmbH in Berlin suchen. Heißt: Mitte dieses Jahres weiß man mehr darüber, ob, wann und wie viel Geld vom Energieriesen in die kleine ostfriesische Gemeinde fließt.