Vorurteile  Digital Shoppen und Überweisen per Handy – Ältere abgehängt?

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 29.01.2025 07:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Scanner liest, die Tür öffnet sich. Man kann auch seine Bankkarte vorhalten, um in eine C-Box zu gehen. Foto: Ortgies
Der Scanner liest, die Tür öffnet sich. Man kann auch seine Bankkarte vorhalten, um in eine C-Box zu gehen. Foto: Ortgies
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Vieles funktioniert heute digital: Einkaufen im Laden ohne Personal oder vom Sofa aus Geld überweisen. Ein Problem für die ältere Generation, hört man häufig. Was ist da dran?

Rheiderland - Wenn man nicht Autofahren möchte oder kann, ist es auf dem Land schwieriger geworden, sich zu versorgen. Das gilt fürs Einkaufen, aber auch für die großen Bankfilialen. Dass man seine Erledigungen einfach zu Fuß im eigenen Dorf erledigen kann, ist seltener geworden. Häufig werden deshalb digitale Alternativen geschaffen. Dass dies gerade die älteren Nutzerinnen und Nutzer abhängt, hört man häufig. Ist das so?

Bank auf dem Land – Was bringen digitale Lösungen?

Generell ist in Sachen Geldinstitut das Online-Banking auf dem Vormarsch. Auch in der Region. Rund drei Viertel aller Kundinnen und Kunden der Sparkasse Leer-Wittmund, die in Girokonto besitzen (108.000) führen es online (80.900): „Gegenüber 2023 bedeutet dieses ein Plus von 4,4 Prozent“, erklärt Sprecher Carsten Mohr.

In Bingum (Foto) und Nortmoor gibt es die sogenannen C-Boxen, in Wymeer soll noch eine entstehen. Foto: Ortgies
In Bingum (Foto) und Nortmoor gibt es die sogenannen C-Boxen, in Wymeer soll noch eine entstehen. Foto: Ortgies

Es gehe viel vom Sofa aus: Eine Beratung zu Hause und den Geldbring-Dienst könne man telefonisch abmachen, so Mohr. Über das Kunden-Service-Center könne man telefonisch beispielsweise Überweisungen tätigen, Daueraufträge regeln oder alle Infos erfragen, die man in einer Geschäftsstelle auch bekomme, so Mohr. Ein großer Schwerpunkt liegt hier auf der Hilfe beim Online-Banking. „Dabei ist es egal ob es sich um Anfänger, Fortgeschrittene oder Profis handelt.“

Ist das Online-Banking auch eine Lösung für ältere Kundinnen und Kunden?

Ein klares „Ja“ von der Sparkasse. Der Anteil der älteren Nutzer, die in Sachen Geld online unterwegs sind, steige stärker als insgesamt. „Die Anzahl der Online-Konten von Kunden 65+ beträgt rund 10.400. Das bedeutet ein Plus von 9,6 Prozent“, sagt Sparkassen-Sprecher Carsten Mohr. Es komme eben nicht aufs Alter an. Generell gelte, wer Hilfe brauche, bekomme sie beim Kundenservice. „Die Erfahrung zeigt, dass das bei allen – auch älteren Kundinnen und Kunden – funktioniert. Wir stellen somit fest, dass immer mehr ältere Kunden digitale Angebote nutzen.“ Die Spezialisten, insbesondere aus dem Bereich E-Banking, böten für alle Altersgruppen Vorträge zu Themen rund ums das Online-Banking oder Payment an.

Die Sparkasse Leer-Wittmund gibt Infos, wie es um das Online-Angebot steht. Foto: Ortgies/Archiv
Die Sparkasse Leer-Wittmund gibt Infos, wie es um das Online-Angebot steht. Foto: Ortgies/Archiv

Alles sei leicht zu handhaben, „aber, bei allem digitalen Fortschritt, wollen und dürfen wir den Menschen nicht außer Acht lassen. Deshalb ist es selbstverständlich, dass es ein flächendeckendes stationäres Angebot gibt“, sagt Mohr. Der Rückzug der Geldinstitute aus der Fläche ist eine Sorge, die immer wieder durch den ländlichen Raum wandert. Die Sparkasse Leer-Wittmund stand Mitte 2023 in der Kritik, als sie bekanntgab, dass Filialen geschlossen werden sollten.

Einkaufen auf dem Land – Was bringen digitale Angebote?

„Funktionierende Nahversorgungsstrukturen sind ein wesentliches Element der Daseinsvorsorge und sozialen Teilhabe. In vielen ländlichen Regionen können die Menschen ihren Bedarf immer weniger vor Ort decken“, schreibt dazu auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Einkaufen müsse man in vielen Fällen nicht mehr am Wohnort, sondern in meist nicht mehr fußläufig erreichbaren Discountern und Supermärkten.

Geldautomaten gehören weiter zum Service der Sparkasse. Foto: Ortgies/Archiv
Geldautomaten gehören weiter zum Service der Sparkasse. Foto: Ortgies/Archiv

In Weener hat die Fleischerei Leggedör einen digitalen Laden ohne Personal eröffnet. Unter anderem das Unternehmen Bünting verfolgt mit digitalen Dorfläden – sogenannten C-Boxen ebenfalls eine Strategie, um kleine Filialen ohne Personal wirtschaftlich betreiben zu können. Es läuft so: Man hält die Bankkarte vor, geht hinein, legt die ausgesuchten Waren unter einen Scanner, zahlt mit der Karte und kann gehen.

Ist der Digitale Laden auch eine Lösung für ältere Kundinnen und Kunden?

Ja, teilt Bünting mit. „Wir erhalten sehr viele positive Rückmeldungen zu den C-Boxen, auch von unseren älteren Kundinnen und Kunden.“ Die Läden würden generationenübergreifend sehr gut angenommen. Mehr noch: „Ältere Kundinnen und Kunden spielen bei der Konzeption der C-Box eine wichtige Rolle“, so Unternehmenssprecherin Sophie Bloser. „Sowohl bei der Ladenplanung, der Barrierefreiheit als auch beim Sortiment.“

Bei der Eröffnung der C-Box in Nortmoor schauten sich viele Interessierte das Angebot an. Foto: Ortgies/Archiv
Bei der Eröffnung der C-Box in Nortmoor schauten sich viele Interessierte das Angebot an. Foto: Ortgies/Archiv

Der Zugang per Karte, der Scanvorgang und das bargeldlose Bezahlen stellten für ältere Kundinnen und Kunden kaum eine Hürde dar. „Das Vorurteil, ältere Menschen seien nicht digitalaffin, kann zumindest für die C-Boxen nicht von uns bestätigt werden.“ Im Gegenteil: „Für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, bringt die C-Box sicherlich ein Stück Freiheit und Selbstbestimmung zurück, so wurde es uns bereits zurückgemeldet.“ Man übernehme mit den C-Boxen zum einen die Nahversorgung im ländlichen Raum, teilt die Unternehmenssprecherin mit. „Sie sind aber auch Orte der Begegnung.“ Es sei schön zu sehen, wie sich viele Kundinnen und Kunden über den Weg liefen und ein Schwätzchen hielten.

Digitale Lösungen für alle? – Das sagen die Statistiken

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind rund 95 Prozent der 16- bis 74-Jährigen in Deutschland online. Zur Wahrheit gehört aber auch: Für Menschen ohne Internet wird der Alltag zunehmend schwieriger zu bewältigen. Gut fünf Prozent seien 2023 sogenannte „Offliner“ gewesen – hatten noch nie das Internet genutzt. Das entspreche 3,1 Millionen Menschen in Deutschland, wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt.

In jeder Altersgruppe gibt es Personen, die mit dem Internet noch nie etwas am Hut hatten: In der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen sei gut ein Siebtel – 15 Prozent – offline. In der Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen haben knapp fünf Prozent das Internet noch nie genutzt. Bei den 16- bis 44-Jährigen gab es noch zwei Prozent Offliner.

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