Leerstand im Denkmal Eine Milchbude im Emder Wall-Kiosk?
Seit Jahren stehen der Kiosk am Emder Wall und der Chinesentempel leer. Ideen gibt es viele. Doch die Prioritäten liegen gerade woanders.
Emden - Ein Eis auf die Hand, einen Kaffee zum Mitnehmen – das wäre doch ganz schön bei einem Spaziergang über die Emder Wallanlagen. Da böte sich beispielsweise der seit Jahren leerstehende, ehemalige Kiosk an der Nordertorstraße geradezu an – zumal aus den zwischenzeitlich überlegten Bewirtungsplänen an der Johanna-Mühle wohl erst einmal nichts wird. Tatsächlich hat es auch schon entsprechende Interessenten gegeben, die dann aber wieder Abstand von der Betreiberidee genommen haben, heißt es seitens der Stadt. Und so bleibt es erst einmal bei dem Leerstand, wie es seitens der Stadt heißt. Auch für den sogenannten Chinesentempel auf der neuen Kunstmeile.
Tatsächlich steht vor einer Nutzung beider, aus der Zeit des Klinker-Expressionismus stammenden und repräsentativen Gebäude zwingend eine umfassende Sanierung. Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) nannte in diesem Zusammenhang mehrere, noch nicht weiter spezifizierte 100.000 Euro Kosten. Doch für alle aktuell anstehenden Bauvorhaben in der Stadt wie beispielsweise die Erweiterungen und Neubauten der Schulen, die Innenstadtsanierung und weitere Projekte reiche das Geld eben nicht. „Der Chinesentempel und der Kiosk stehen vor diesem Hintergrund nicht oben auf der Prioritätenliste“, sagte der OB. „Es ist alles auch eine Frage der Kapazitäten.“
Gebäude müssen erhalten bleiben
Sollte sich aber doch ein konkreter Interessent für Kiosk oder Chinesentempel melden, könne die Sache schnell anders aussehen. Stadtsprecher Eduard Dinkela teilte am Beispiel des ehemaligen Kiosks mit: „Die Sanierung des Gebäudes ist eng mit der geplanten Folgenutzung verknüpft und wird entsprechend an das Nutzungskonzept angepasst.“ Heißt: Es kann nicht einfach aufs Geratewohl umgebaut werden. Denn womöglich müssen diverse WC-Anlagen in dem ehemaligen Kiosk untergebracht und je nach gastronomischem Konzept weitere sanitäre Anlagen installiert werden. Angesichts der denkmalschutzrelevanten Auflagen zur Sanierung kommen schnell hohe Summen zusammen, die mit einer Verpachtung an einen Eisverkäufer kaum wieder hereinkommen. „Wirtschaftlich werden wir die Gebäude nie betreiben können“, bestätigt der OB. Und so hängt auch jede Entwicklung letztlich von der Zustimmung des Rates ab.
Dennoch müssen die Gebäude erhalten bleiben. Gemäß des niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes hat die Stadt auch schon gehandelt. Zuletzt Ende 2023 am Kiosk am Wall. Als Eigentümerin, die verpflichtet ist, Kulturdenkmale instand zu halten, hat die Stadt erste Sicherungsmaßnahmen an dem kleinen Gebäude erledigt. So wurden beispielsweise wild gewachsene Bäume an den Grundmauern gefällt, der Efeubewuchs gestutzt und das undichte Dach in Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde repariert. Für diese Behörde führt der Monumentendienst, der sich die Rettung historischer Bauwerke auf die Fahnen geschrieben hat, dort außerdem ein regelmäßiges Monitoring durch.
Seit 2021 Leerstand
Ähnlich wird am Chinesentempel verfahren. Zwar gibt es hier bereits genauere Vorstellungen für die Nachnutzung – von partizipative Museumsarbeit und dem Landesmuseum als Mieter ist immer die Rede –, doch auch hier scheitert die Umsetzung aktuell noch an der ausstehenden Sanierung. Ob für derartige Ideen Fördermittel eingeworben werden können, muss sich zeigen. Solange es die aber nicht gibt, wird sich auch im Chinesentempel trotz der aktuell weitestgehend fertiggestellten Kunstpromenade nicht viel bewegen.
Chinesentempel und Kiosk am Wall stehen also weiter leer, lediglich die Substanz soll gewahrt bleiben. Zuletzt hatte der Künstler Jörn P. Haut das Kiosk-Häuschen als Dependance zu dem von ihm 17 Jahre lang als Atelier genutzten Chinesentempel an der Abdenastraße für eine geringe Summe gepachtet. Der Vertrag für den Chinesentempel wurde Haut dann aber von der Stadt gekündigt, weil dieser eben Teil der Kunstmeile im Zusammenspiel mit der nahegelegenen Kunsthalle werden soll. Den Kiosk am Wall stellte Haut im gleichen Zuge dem städtischen Gebäudemanagement zu Verfügung und zog dort 2021 aus.
Eigentlich Bedürfnisanstalten
Beide Gebäude stammen übrigens aus der Ära des städtischen Architekten Walter Luckau, der diese um 1929 herum bauen ließ. Und beide dienten ursprünglich als öffentliche Bedürfnisanstalten. Bis in die 1990er Jahre befanden sich im hinteren Teil des Kiosks auch noch öffentliche Toiletten.
Als Kiosk selbst war das Gebäude von 1979 bis 2010 von Bernd Weiser betrieben worden. Heute ist es kaum denkbar, dass dort erneut wie damals einzelne Zigaretten für wenige Cent und Süßigkeiten in den Schulpausen verkauft werden. Ein anderes, lukratives Konzept steht weiter aus. Dem Vernehmen nach interessierte sich zwischenzeitlich unter anderem ein Imbissbetreiber für das Häuschen, der dort eine Döner-Bude einrichten wollte. Doch dieses Vorhaben scheiterte bis dato ebenso, wie eine kleine Milchbude einzurichten.