Sizilien auf dem Teller Santino bringt Mutters Rezepte nach Emden
Pizzerien gibt es viele, original italienisch sind sie selten: Der Emder Gastronom Santino ist für seine authentische italienische Küche ausgezeichnet worden. Was führt ihn in den hohen Norden?
Emden - Wenn Santo La Tona seine Carbonara serviert, dann steht auf dem Tisch mehr als nur ein Nudelgericht mit einer Soße aus Ei und Speck. Der aus Sizilien stammende Emder Gastronom versucht, seinen Gästen ein ganzes Lebensgefühl zu servieren – eine Kombination aus Geschmack, Ambiente und Familiengefühl. Dafür ist der 53-Jährige nun vom italienischen Minister für Landwirtschaft und Ernährung, Francesco Lollobrigida, in Rom ausgezeichnet worden. Der Reise in die italienische Hauptstadt ging ein Besuch eines Testessers voran. Wenig später erhielt er eine Einladung zur Preisverleihung in den Palazzo Montecitorio, zu der Köche aus der ganzen Welt angereist waren.
Inzwischen ist Santino, wie ihn die Emder liebevoll nennen, zurück aus seinem Heimatland. Mit im Gepäck: eine Medaille und eine Urkunde der Federazione Italiana Cuochi (Fic), die nun einen festen Platz am Eingang in seinem Restaurant „La Cucina“ haben, das er seit August 2018 zusammen mit der Köchin Tindara D’Angelo im Hotel „Deutsches Haus“ am Neuen Markt 5 betreibt. Der italienische Verband der Köche zeichnet damit diejenigen aus, die die Kochkunst zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben und jeden Tag mit ihrem Wissen dazu beitragen, die Werte und die Tradition der italienischen Küche zu verbreiten und zu schätzen. Denn Pizzerien gibt es viele, original italienisch sind sie selten.
Vor 30 Jahren begann die Liebe zu Emden
Santino ist nun einer dieser Köche, die mit dieser Auszeichnung werben dürfen. „Es ist zwar kein Michelin-Stern“, sagt der Italiener. „Aber ich bin stolz und es zeigt mit, dass ich alles richtig mache.“ Im Jahr 1994 kam er als junger Koch zum ersten Mal nach Emden. Damals arbeitete er im Restaurant „La Trattoria“ am Neuen Markt. Später wechselte la Tona als Pizzabäcker und Geschäftsführer in die benachbarte Mini-Pizzeria, die damals noch unter dem Namen „Ciao Ciao“ lief. 1998 kehrte la Tona für längere Zeit in seine sizilianische Heimat zurück.
Er besuchte eine Kochschule und eröffnete ein Restaurant mit mexikanischen Spezialitäten. Doch Emden ließ ihn nicht los. „Ich wollte gerne zurückkommen“, sagt er. 2014 wagte er den Schritt und kehrte schließlich wieder in den hohen Norden zurück. Neben seinem Restaurant „La Cucina“ betreibt er das Bistro „La Bottega“, ebenfalls am Neuen Markt. Nachdem er zwischenzeitlich eine weitere Pizzeria sowie ein Nudelrestaurant am Neuen Markt eröffnet hatte, konzentriert er sich inzwischen in Emden nur noch auf diese beiden Restaurants.
Heimweh hat Santino nicht
Seine Frau betreibt zudem ein weiteres Restaurant auf Sizilien. Die beiden sehen sich nur selten. Seine Heimat besucht Santino nur etwa einmal im Jahr. Heimweh hat er nicht. Er holt sich die Heimat Tag für Tag mit den Gerichten, die er kreiert, auf den Tisch. Was der Gastronom an Emden so liebt, ist die offene Art der Ostfriesen. „Jeder sagt hier Moin“, sagt la Tona. Emden sei inzwischen eine neue Heimat für ihn.
Das Rezept für den Erfolg sei die Authentizität. Die meisten Rezepte stammen von seiner Mutter, die früher für die ganze Familie kochte. Die 88-jährige Sizilianerin wird regelmäßig noch telefonisch von Santino kontaktiert und um Rat gebeten, wenn einem Gericht noch der letzte Schliff fehlt. Noch wichtiger als jede Medaille sei jedoch die Zufriedenheit seiner Gäste. „Wenn die Teller leer sind, dann ist das die größte Auszeichnung für mich.“