Hannover Grünkohl-Ernte endet früher: Steigt jetzt der Preis?
Neun Prozent weniger Grünkohl haben die Landwirte in Niedersachsen dieses Jahr geerntet. Weil die Landwirte letztes Jahr schlechte Erfahrungen mit dem Wetter gemacht haben, wurde die Ernte früher als üblich beendet. Das wird sich wohl auf den Preis auswirken.
Die Grünkohl-Ernte in Nordwestninedersachsen ist für diese Saison bereits abgeschlossen, wie der Bauernverband Landvolk mitteilte. Das ist ungewöhnlich früh. „Früher wurde der Grünkohl nicht vor dem ersten Frost angerührt“, schreibt das Landvolk. Denn: Erst bei Minustemperaturen wandelt sich die Stärke zu Zucker und Bitterstoffe in der Pflanze bauen sich ab.
Warum die Ernte früher beendet wurde, ist für die Landwirtschaftskammer „schwer zu beantworten“. Ein Grund ist offenbar, dass sich die Anbaumethoden der Branche gewandelt haben.
Grünkohl wird üblicherweise auf kleineren Flächen frisch angebaut und geerntet, vor allem in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Hier geschieht die Ernte die ganze Saison über frisch und zum größten Teil noch per Hand. „Der Arbeitszeitbedarf bei dieser Anbauform ist enorm“, erklärt die Landwirtschaftskammer. Weil aber Arbeitskräfte in den Wintermonaten schwer zu bekommen sind, hat die Branche in der letzten Saison neben dem frischen Anbau vor allem auf die Maschinenernte gesetzt.
Dabei bekommt der Kohl den für den Geschmack so wichtigen „Kälteschubser“ beim Schockfrosten in der Fabrik. Die Verarbeitung läuft dann industriell, der Grünkohl wird gewaschen, zerkleinert, von Strunkanteilen befreit und dann verfrostet. Der Vorteil: „Während eine Gruppe Helfer früher am Tag sechs bis sieben Tonnen schaffen konnte, leistet die Maschine jetzt 20 Tonnen in einer Stunde“, erklärt Grünkohl-Landwirt Christoph Wehenpohl aus Vechta-Calveslage.
Doch mit dem „Industriegrünkohl“ haben die Bauern in der letzten Saison negative Erfahrungen gemacht, erklärt die Landwirtschaftskammer. Denn in den Wintermonaten sind viele Landwirte wegen der hohen Niederschläge mit ihren schweren Erntemaschinen nicht auf die Flächen gekommen, sodass etliche Flächen nicht abgeerntet werden konnten. „Diese Erfahrungen haben sicherlich eine Umstellung der Anbauzeiträume zur Folge gehabt“, erklärt die Landwirtschaftskammer die frühe Ernte.
Die niedersächsische Landwirtschaftskammer geht auf Anfrage deshalb von „moderaten Preissteigerungen“ für Grünkohl aus. Das liegt auch daran, dass die Erntemenge laut Zahlen des Statistischen Landesamts im Vorjahresvergleich um rund neun Prozent sank. Die geringere Erntemenge „sollte aber keinen Einfluss auf die Qualität haben“. Bei neueren Grünkohlsorten reichen bereits weniger kalte Temperaturen, damit die Bitterstoffe abgebaut werden.