Amt im Ministerium Moormerländer spricht für Deutschlands Jugend
Ahmet Bekisoglu aus Moormerland ist für das Bundesministerium für Gesundheit im Dienst. Bei der Weltgesundheitsversammlung soll er eine Rede halten. Dafür bereitet er sich auch in Ostfriesland vor.
Moormerland/Köln - Mit seinen 24 Jahren steht Ahmet Bekisoglu kurz vor Ende seines sechsjährigen Medizinstudiums an der Uniklinik Köln. Der Moormerländer will danach eine Facharztausbildung für Psychiatrie in Hamburg oder Berlin machen. „Langfristig sehe ich mich aber wieder im Norden“, sagt er. Seit Dezember vergangenen Jahres ist Bekisoglu auch für das Bundesministerium für Gesundheit im Dienst. Dort ist er Jugenddelegierter. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die 1948 gegründet wurde, schreibt das Statistische Bundesamt auf seiner Webseite. Ihr gehören 193 Mitgliedsstaaten an. Der Hauptsitz der Organisation befindet sich in Genf. Weiter heißt es: Die WHO nimmt innerhalb der Vereinten Nationen die Rolle eines Koordinators für Gesundheitsfragen ein. Sie legt Standards und Forschungsziele zum Thema Gesundheit fest, benennt mögliche Maßnahmen der Gesundheitspolitik und bietet ihren Mitgliedstaaten technische Unterstützung. Ziel der Weltgesundheitsorganisation ist es, weltweit die Gesundheitsversorgung zu verbessern.
Ein unbezahltes Ehrenamt, erklärt er, für das er in der Woche etwa zehn bis zwölf Stunden einplanen muss. Im Moment schreibt der 24-Jährige viele Mails und verabredet sich zu einigen Treffen. Denn er muss sich auf einen Termin ganz besonders vorbereiten: die Versammlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Schweizer Genf. Dort soll er im Mai eine Rede vor den Vertretern aller Mitgliedsstaaten halten – auf Englisch. Das stellt für den Moormerländer aber keinerlei Problem dar. Im medizinischen Bereich sei die englische Sprache essentiell, sagt er. Und auch im Vorstellungsgespräch für das Amt gab es einen deutschen und englischen Teil.
Warum Leer wichtig für Deutschland ist
Die Rede in Genf soll die Jugendperspektiven aus Deutschland im Hinblick auf die globale Gesundheit thematisieren. „Ich werde da ein Statement halten, wo ich erzähle, was die Jugend interessiert“, sagt Bekisoglu. Dafür will er in der nächsten Zeit beispielsweise Schulen besuchen und vor Ort mit Schülern reden. Er befinde sich aktuell im engeren Austausch mit drei Schulen aus dem Landkreis Leer. Er plane aber einen Besuch an vier bis fünf Schulen. Davon mindestens ein Gymnasium, eine Realschule und eine Gesamtschule. „Ungleichheit in der medizinischen Behandlung, Ärzteversorgung auf dem Land oder Klima-Folgen von Gesundheit“, nennt Bekisoglu drei mögliche Themenbereiche, die er dann in Genf erwähnen will. Diese Punkte möchte er auch ins Bundesministerium einbringen. Besonders Leer habe als Kleinstadt mit ländlicher Prägung das Potenzial der Politik einen Stempel aufzudrucken.
Konkret möchte Ahmet Bekisoglu direkt im Unterricht mit Schülern Diskussionen führen. „Ich glaube, Schülerinnen und Schüler haben viel Vorwissen und Erfahrungen zum Thema Gesundheit.“ Gerade Corona habe für mehr Depressionen bei Schülern gesorgt, wie auch das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung bestätigt. Demnach wiesen Kinder und Jugendliche während der Schulschließungen zu 75 Prozent häufiger generelle Depressionssymptome auf als vor der Pandemie. Daher ist es laut Bekisoglu wichtig, die Jugend zu Wort kommen zu lassen.
Treffen mit Steinmeier und Macron
Das Jugenddelegiertenprogramm existiert seit 2021, heißt es vom Bundesministerium für Gesundheit. Und weiter: „Das Programm für Jugendliche und junge Erwachsene soll das Kennenlernen von internationalen Organisationen und Prozessen ermöglichen, Interesse an einer zukünftigen Tätigkeit im Bereich der globalen Gesundheit und internationalen Raum erhöhen sowie das Vernetzen mit internationalen Akteuren fördern.“ Das Mandat ist immer auf sechs Monate befristet. Im Juni 2025 endet dann also auch das Amt von Ahmet Bekisoglu.
Er ist der insgesamt fünfte Jugenddeligierte. Nicht nur medizinisch sollte man für diesen Posten engagiert sein, sondern auch ehrenamtlich. Dazu sagt der 24-Jährige: „Ich bin Teil vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) und dort für den Bereich ,One Health‘ (Eine Gesundheit) zuständig.“ Diese Organisation will die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich stärken – auch auf gesundheitlicher Ebene. Deswegen hält sich Bekisoglu oft in Frankreich auf, um sich mit anderen Jugendgruppen auszutauschen. Ein Highlight: „Dabei habe ich auch schon Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron getroffen.“
Dem deutschen Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) konnte der 24-Jährige jedoch noch nicht die Hand geben. Noch nicht. Die Wege seien aber kurz. Zum einen wohne Lauterbach ganz in der Nähe des Kölner Medizinstudenten und sei auch Professor an der Uniklinik, zum anderen sei auch eine Hospitanz im Bundesministerium geplant, sagt Bekisoglu.
Für Anfragen ist Ahmet Bekisoglu unter der Mailadresse germany@youthdelegatewha.de zu erreichen.