Schädlingsbekämpfung  Führt ein Gift-Verbot zur Rattenplage in Ostfriesland?

Oliver Bär
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Von Oliver Bär
| 23.01.2025 19:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Ratte schaut aus der Öffnung einer Köderbox. Rattengift muss auch von Privatpersonen fachgerecht ausgebracht werden. Foto: Brandt/DPA
Eine Ratte schaut aus der Öffnung einer Köderbox. Rattengift muss auch von Privatpersonen fachgerecht ausgebracht werden. Foto: Brandt/DPA
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Eine Diskussion über das mögliche Verbot von Rattengift für Privatpersonen ist entbrannt. Während Unternehmen vor Rattenplagen warnen, sehen ostfriesische Experten das Verbot als sinnvoll an.

Ostfriesland/Dortmund - Weil ein Rattengift möglicherweise nicht mehr für Privatpersonen zugelassen wird, warnen Verbände und Unternehmen vor Rattenplagen. Das zuständige Amt und der Tierschutzbund sind anderer Ansicht. Auch ostfriesische Schädlingsbekämpfer, die mit unserer Redaktion gesprochen haben, halten das Verbot für sinnvoll.

„Die Mittel, die für Privatleute auf dem Markt sind, taugen eh nichts. Da bekommen die Ratten bestenfalls ordentlich Durchfall“, sagt Dave Heinze, geprüfter Schädlingsbekämpfer und Inhaber der Wiesmoorer Firma Heinze Schädlingsbekämpfung. Bestenfalls wirkten diese noch gegen Mäuse und auch dann nur, wenn die Tiere mehrmals davon fressen würden. Anders sei dies bei den Mitteln der zweiten Generation, die allerdings Fachleuten vorbehalten wären.

Behörde sieht Rattengifte kritisch

In der von Unternehmen und Verbänden mit einem Brandbrief losgetretenen Debatte geht es allerdings um Rodentizide der ersten Generation, die in Rattenfraßködern verwendet werden und derzeit noch von Privatpersonen benutzt werden können. Die für die Zulassung zuständige Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) mit Sitz in Dortmund sieht diese Rattengifte kritisch. Der Behörde zufolge kann der Einsatz einen qualvollen und tagelangen Tod der Tiere durch inneres Verbluten zur Folge haben. Zudem berge es Gefahren für Haustiere und Umwelt.

Eine Ratte läuft aufgeschreckt davon. Foto: von Jutrczenka/DPA
Eine Ratte läuft aufgeschreckt davon. Foto: von Jutrczenka/DPA

Eine Nichtverlängerung der Zulassung der Rodentizide für Privatpersonen durch die Bundesanstalt würde die Rattensituation in Städten und Gemeinden „dramatisch verschärfen“, heißt es in dem Brandbrief, den mehrere Verbände und Hersteller unterzeichnet haben. Wenn Privatpersonen die Rattenfraßköder nicht mehr einsetzen dürften, könnten Schädlingsbekämpfer aufgrund von Personalmangel nicht genügend gegen die Ausbreitung von Ratten tun, ist dort weiter zu lesen.

Gift kann auch Hunde und Katzen treffen

„Das ist doch völliger Quatsch“, winkt Franz Volkers von der Auricher Schädlingsbekämpfung Jessica Volkers ab. „Wir haben ausreichend Kapazitäten.“ Auch er vertritt die Ansicht, dass die entsprechenden Rattengifte nichts mehr in den Läden zu suchen hätten. „Ich fände es gut, wenn es das Zeug nicht mehr zu kaufen gibt“, betont er. Auch, weil die Beratung oft nicht ausreichend sei und in der Folge die Köder nicht fachmännisch ausgelegt würden. Dies habe Folgen, könne dann auch Vögel, Katzen oder Hunde treffen. Zudem seien die Rattengifte angesichts ihrer schlechten Wirkung viel zu teuer.

Aus seiner langjährigen Erfahrung weiß Volkers auch, dass sich die meisten Menschen das Rattenproblem selbst ins Haus holen. Dabei seien Essensreste oder Unrat nicht das alleinige Problem. Unterschätzt werde etwa das Füttern von Vögeln. „Davor warnen wir Schädlingsbekämpfer immer wieder. Da werden viele Fehler gemacht.“

Schlagfallen zeigen Wirkung

In Fällen von vereinzelt auftretenden Nagetieren im Privatbereich sind der Bundesanstalt zufolge Schlagfallen gegenüber Rodentiziden vorzuziehen. Dass diese laut den Verbänden keinen ausreichenden Erfolg hätten, sei nicht richtig. Bei größeren Fällen mit einem etablierten Schädlingsbefall sei ein professionelles Schädlingsbekämpfungsunternehmen aufgrund des benötigten Fachwissens ohnehin unumgänglich.

Auch der Deutsche Tierschutzbund würde einer Sprecherin zufolge eine Nichtverlängerung der Zulassung für Privatpersonen begrüßen, unter anderem wegen der Schäden für Tiere und Umwelt. Die Rodentizide seien für alle Tiere giftig – auch für Hunde und Katzen, aber auch für den Menschen, sagte sie. Statt auf der Bekämpfung der Tiere solle der Fokus auf der Prävention liegen. Man könne Schädlinge durch bauliche Maßnahmen, Hygienevorkehrungen sowie durch bessere Lagerbedingungen fernhalten.

Mit Material von DPA

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