Hannover/Delmenhorst Trotz Zugeständnissen von Rot-Grün: Niedersachsens Jägerschaft hält an Demo fest
Nach kontroversen Debatten über die Reform des niedersächsischen Jagdgesetzes hat die rot-grüne Landesregierung die Pläne deutlich entschärft. Doch Zweifel bleiben – und demonstrieren wollen die Jäger trotzdem.
Niedersachsens Agrarministerin Miriam Staudte (Grüne) hat die geplante Reform des Landesjagdgesetzes nach scharfer Kritik aus der Jägerschaft entschärft. Das geht aus einem Eckpunktepapier hervor, das das Landwirtschaftsministerium veröffentlicht hat. Doch die Landesjägerschaft (LJN) bleibt skeptisch. Es gebe „Widersprüche“ und „Hintertüren“, teilte der Verband am Donnerstag in Hannover mit. „Bei uns entsteht der Eindruck, dass die Grünen ihre Positionen nicht wirklich aufgeben wollen“, sagte LJN-Vizepräsident Helmut Blauth (Delmenhorst) der Redaktion.
An der für kommenden Donnerstag, 30. Januar, geplanten Demonstration auf dem Schützenplatz in Hannover solle daher festgehalten werden. Das sei einhellige Meinung in einer gemeinsamen Sitzung des LJN-Präsidiums mit den Bezirksvorsitzenden gewesen. Blauth sagte, er rechne mit etwa 15.000 Teilnehmern. Täglich gingen weitere Anmeldungen beim Verband ein.
Zentrales Streitthema ist die Frage, ob die Ausbildung von Jagdhunden mit lebenden Tieren wie Füchsen oder Enten erlaubt bleiben soll. Laut Tierschutzgesetz darf kein Tier auf ein anderes gehetzt werden. Besonders umstritten ist der Einsatz von lebenden Füchsen in Erdbauten, sogenannten Schliefenanlagen. Staudte will prüfen lassen, ob beim Training lebende Füchse oder besser Dummys eingesetzt werden sollen. Rot-Grün vereinbarte eine Delegationsreise nach Dänemark, wo diese Ausbildung mit Dummys („Ever Fox“) schon praktiziert wird. Blauth sagte, das mache wenig Sinn, weil der „Ever Fox“ gar nicht mehr produziert werde.
Auch für die Hundeausbildung an lebenden Enten will Staudte nach Alternativen suchen. Bis diese gefunden sind, dürfen maximal nur vier Enten für Ausbildung und Prüfung der Jagdhunde eingesetzt werden. Zudem werde ein Forschungsprojekt auf den Weg gebracht. Die Ausbildung von Jagdhunden im Schwarzwildgatter soll weiterhin erlaubt sein. Die Zulassung von Jagdgattern soll – wie in Schleswig-Holstein – jedoch auslaufen.
Blauth räumte ein, dass Rot-Grün den Jägern in vielen Punkten entgegengekommen sei. So sieht das Eckpunktepapier nun vor, dass die Nutria als zu bejagende Art im Jagdgesetz bleibt und eine Duldungspflicht für weitere Bekämpfungsmaßnahmen eingeführt wird. Das soll vor allem dem Schutz der Deiche dienen. Zudem ist geplant, die Jägerschaft auch die Bejagung des Bisams zu gestatten. Das hatte der Verband gefordert.
Der Abschuss von wildernden Katzen soll zwar ab einer Entfernung von 350 Metern (bisher 300 m) zum bewohnten Haus erlaubt sein; die Tötung von Hauskatzen allerdings nicht. „Das ist alles sehr nebulös formuliert“, meinte Blauth. Er glaubt, dass sich die Ministerin noch Hintertüren geöffnet lassen wolle. „Die ganze Novelle ist unsinnig“, bilanzierte der Delmenhorster Jäger.
„Klar ist, solange die Ausbildung unserer Jagdhunde nicht gegen geltenden Tierschutz verstößt, gehört diese Ausbildung erlaubt“, betonte LJN-Präsident Helmut Dammann-Tanke. Von der rot-grünen Landesregierung erwarte man die Beibehaltung dieses Prinzips und die Zusage, dass es bei den bestehende gesetzlichen Regelungen bleibe. Solange dies fehlt, würden sich die Jäger lautstark für ihre Rechte und für eine tierschutzkonforme Ausbildung der Jagdhunde einsetzen. Man werde den 30. Januar auch nutzen, um deutlich zu machen, dass der ländliche Raum eine starke Stimme habe.