London  „Ein zutiefst persönlicher Kampf“: Prinz Harry verklagt Medienhaus wegen Spionage

Susanne Ebner
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Von Susanne Ebner
| 21.01.2025 17:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Prinz Harry (m.) und sein Anwalt David Sherborne (r.) verlassen im Juni 2023 den High Court nach ihrer Zeugenaussage. Prinz Harry kann den nächsten Zeitungsverlag in Großbritannien vor Gericht bringen. Foto: DPA/Frank Augstein
Prinz Harry (m.) und sein Anwalt David Sherborne (r.) verlassen im Juni 2023 den High Court nach ihrer Zeugenaussage. Prinz Harry kann den nächsten Zeitungsverlag in Großbritannien vor Gericht bringen. Foto: DPA/Frank Augstein
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In einem Londoner Gericht kommt es zum Showdown zwischen Prinz Harry und der Boulevardpresse. Der Royal möchte mit einer Klage „die Wahrheit ans Licht bringen“. Sein Vorwurf: Journalisten hätten sein Telefon abgehört und Privatdetektive auf ihn angesetzt.

Es ist der scheinbar ungleiche Kampf eines Einzelnen gegen eine übermächtige Institution: Prinz Harry als moderner David, der sich mit seiner Schleuder mutig gegen den Goliath der britischen Boulevardpresse stellt. So jedenfalls möchte der Royal selbst die Situation verstanden wissen, wie er im vergangenen Sommer in einer Dokumentation des Senders ITV bekräftigte. Jetzt nimmt es der 40-Jährige mit einem ganz Großen der Zeitungsbranche auf.

Gemeinsam mit dem früheren Labour-Politiker Tom Watson klagt der Prinz gegen die News Group Newspapers (NGN). Der Vorwurf: Zeitungen der NGN wie die Sun sollen sie durch das Abhören von Sprachnachrichten und den Einsatz von Privatdetektiven in den Jahren zwischen 1996 und 2011 ausspioniert haben. Die Kläger wollen dies anhand von veröffentlichten Artikeln beweisen.

Doch am Dienstag wurde der Start der Verhandlung zu Prinz Harrys Zivilklage gegen die britische Zeitungsgruppe von Medien-Mogul Rupert Murdoch vor dem High Court in London bis in den Nachmittag hinein immer wieder verschoben - entgegen der Entscheidung des Richters Timothy Fancourt, der eine weitere Vertagung ablehnte.

Der Grund für die Verzögerungen: Es seien offenbar „Dynamiken” hinsichtlich eines möglichen Vergleichs im Spiel, so Fancourt. Medienberichte zu einer möglichen Einigung häuften sich, es ist eine völlig überraschende Kehrtwende.

Harry sagte im Vorfeld des Prozesses, er wolle die Wahrheit ans Licht bringen, nachdem Dutzende andere Kläger, darunter der Schauspieler Hugh Grant, ihre Fälle beigelegt hätten, um das Risiko von Anwaltskosten in Millionenhöhe zu vermeiden, die ihnen selbst bei einem Sieg vor Gericht hätten entstehen können.

„Sie haben sich geeinigt, weil sie sich einigen mussten“, sagte er kürzlich. Er fechte das nun stellvertretend für alle aus. Ob es dazu kommt, ist jetzt offen. Bislang wurde der Sohn von König Charles III. in dem auf mehrere Wochen angesetzten Prozess im Februar im Zeugenstand erwartet. „Für Prinz Harry ist dies ein zutiefst persönlicher Kampf”, kommentierte die BBC den Zivil-Prozess am Dienstag im Vorfeld.

NGN beteuerte indes, dass bei der Sun keine illegalen Methoden genutzt wurden. Zudem habe es in den Führungsetagen keinerlei Wissen über illegale Aktivitäten gegeben. Unbestritten ist jedoch, dass britische Boulevardzeitungen in den 1990er- und 2000er-Jahren Praktiken wie das Abhören von Sprachnachrichten nutzten. Die Wochenzeitung „News of the World”, ebenfalls Teil von NGN, wurde als Folge eines Abhörskandals im Jahr 2011 eingestellt.

Der Verlag sprach eine öffentliche Entschuldigung aus, einzelne Journalisten der Zeitung wurden verurteilt. Kommt es zu einer Verhandlung, müsste sich die NGN gegen Anschuldigungen verteidigen, wonach Journalisten und Führungskräfte der gesamten Organisation in unrechtmäßige Recherchemethoden verwickelt waren oder davon wussten.

Harrys Kampf gegen die Boulevardpresse begann schon, bevor er mit seiner Frau Meghan und seinen beiden Kindern in die USA übersiedelte und sich damit von der königlichen Familie zurückzog. Die Verfolgung durch Kameras, die skrupellose Jagd nach intimen Details haben sein Leben seit seiner Kindheit geprägt.

Seine Mutter, Prinzessin Diana, starb im August 1997 bei einem Autounfall in einem Tunnel in Paris, nachdem sie von Paparazzi verfolgt wurde.

Doch was lange wie ein stilles Erdulden wirkte, hat sich in den letzten Jahren zu einem offenen Schlagabtausch gewandelt - mit Klagen, Interviews und Dokumentationen. Ende des Jahres 2023 errang Harry einen wichtigen Teilsieg. Ein Londoner Gericht entschied, dass sein Telefon im Auftrag der „Mirror Group Newspapers“ (MGN) gehackt wurde.

Ihm wurde ein Schadensersatz von umgerechnet über 160.000 Euro zugesprochen. In dem Prozess warf Harry unter anderem der Zeitung „The Mirror“ vor, sich für Storys über ihn in sein Telefon gehackt, Sprachnachrichten abgehört und ihn beschattet zu haben. 15 der 33 Artikel, die im Rahmen der Klage verhandelt wurden, seien das Ergebnis von Telefon-Hacking oder anderen rechtswidrigen Informationsbeschaffungen gewesen, urteilte das Gericht.

Darunter war auch ein Artikel aus dem Jahr 2002 mit dem Titel „Harry nahm Drogen“, in dem es darum ging, dass der Prinz mit Freunden in einem Pub Haschisch geraucht haben soll. Im Verlauf des Verfahrens hatte Harry selbst im Zeugenstand gesessen, als erster Royal seit 130 Jahren. 

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