Für Menschenrechte  Omas gegen rechts in Leer bleiben aktiv

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 23.01.2025 14:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Brigitte Junge (von links), Mechtilde Schratz und Melanie Röben sind seit einem Jahr bei den Omas gegen rechts in Leer aktiv. Foto: Lüppen
Brigitte Junge (von links), Mechtilde Schratz und Melanie Röben sind seit einem Jahr bei den Omas gegen rechts in Leer aktiv. Foto: Lüppen
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Seit ihrer Gründung vor einem Jahr verzeichnen die Omas gegen rechts in Leer stetigen Zulauf. Was waren die Aktionen der Frauen und welche Reaktionen gab es?

Leer - Die Aktion war kaum zu übersehen und noch weniger zu überhören: Die Omas gegen rechts hatten für den vergangenen Freitag zu einer Lichterkette für Menschenrechte auf dem Denkmalsplatz eingeladen und gut 200 Menschen waren dabei. „Wir haben jetzt einen eigenen Chor“, sagt Mechtilde Schratz, Sprecherin der Omas gegen rechts für Landkreis und Stadt Leer. Die zwölf Frauen stimmen „We shall overcome“ an und viele singen mit.

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Lichterkette für Menschenrechte in Leer - Ein Jahr Omas gegen rechts
21.01.2025

Es ist ein Jahr her, als der Leeraner Ableger der bundesweit in 300 Regionalgruppen aktiven Omas gegen rechts gegründet wurde. Damals kamen rund 200 Frauen (und ein paar Männer) ins Zollhaus. Schratz und ihre Mitstreiterinnen waren überwältigt. Im Januar 2024 gab es überall im Land riesige Demonstrationen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus. Hat das dazu geführt, dass die Initiative in Leer so viel Zulauf bekam?

„Wir müssen was tun“

„Wir wachsen weiter“, sagt Schratz. Zum ersten Gruppentreffen nach der Gründungsversammlung kamen 140 Frauen, die mitmachen wollten, inzwischen seien regelmäßig 170 an den Treffen beteiligt. Die gegenwärtige politische Situation in Deutschland vor der Bundestagswahl werde dazu führen, dass es wieder Demonstrationen gebe, sagt die Moormerländerin. „Wir müssen was tun“, so dächten viele Menschen im Land angesichts einer AfD-Vorsitzenden, die jetzt unverhohlen von Remigration rede.

Bei der ersten Versammlung am 23. Januar 2024 konnte Mechtilde Schratz (am Mikrofon) einen vollen Saal im Zollhaus in Leer begrüßen. Foto: Ortgies/Archiv
Bei der ersten Versammlung am 23. Januar 2024 konnte Mechtilde Schratz (am Mikrofon) einen vollen Saal im Zollhaus in Leer begrüßen. Foto: Ortgies/Archiv

Die Omas gegen rechts unterstützen die Forderung nach einem Verbot der AfD. Nach dem im Sommer die Berliner Omas gegen rechts die Sperrung eines AfD-Kontos bei der Berliner Volksbank erreicht hatte, recherchierte die hiesige Gruppe ebenfalls. „Wir haben ein Konto bei der Raiba Moormerland gefunden, das bei einem Spendenaufruf der AfD genannt wurde“, sagt Melanie Röben. Daraufhin sei man bei der Bank vorstellig geworden.

Erfolg: AfD-Spendenkonto wird gelöscht

Dort habe man nicht gewusst, dass das Konto im Zusammenhang mit der AfD stehe. „Die Raiba ist genossenschafltich organisiert“, sagt Röben. Die Gruppe habe argumentiert, dass ein Spendenkonto der in Teilen rechtsextremen Partei nicht dazu passe. Daraufhin habe die Raiba das Konto aufgelöst – ein Erfolg für die Omas gegen rechts. Die Frauen haben außerdem 2024 insgesamt 34 Aktionen und Infostände organisiert oder sich daran beteiligt, unter anderem an Demonstrationen beim Kreisparteitag der AfD in Leer.

Zur Bundestagswahl haben die Leeraner Omas „Wunschzettel zum Nikolaus“ an die demokratischen Parteien und deren Kandidaten geschickt. „Es kam nur eine Antwort“, sagt Mechtilde Schratz – für die SPD habe Anja Troff-Schaffarzyk die Gruppe zu einem Gespräch eingeladen. Von CDU, FDP und anderen gab es keine Reaktionen. „Wir erwarten von den demokratischen Parteien, dass sie sich klar abgrenzen und für ein Verbot der AfD einsetzen.“ Es gebe keine Zweifel mehr, dass diese Partei rechtsextrem sei.

Training gegen verbale Angriffe

Um gegen verbale Angriffe und ausländerfeindliche Rhetorik gewappnet zu sein, hatten die Omas gegen rechts an einem Argumentationstraining in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Leer teilgenommen. „Es ist wichtig, sicher und freundlich aufzutreten, auch wenn wir angegriffen werden“, sagt Röben. Das Training habe Sicherheit gegeben auch für Diskussionen bei der Arbeit oder in der Familie.

Die Omas gegen rechts stellen sich gegen die aktuelle Migrationspolitik. Bei der Aktion auf dem Denkmalsplatz sollten eigentlich bei der Lichterkette Betroffene ihre Situation und ihre Gefühle schildern. Doch niemand wollte. „Die Menschen haben Angst“, sagt Schratz und zwar konkret vor der Ausländerbehörde des Landkreises Leer. Es würden Menschen abgeschoben, obwohl sie sich integriert hätten und einer Arbeit nachgingen, was Kozi Kezie im Namen des Vereins Afrikanische Diaspora Ostfriesland bestätigt.

Eine Bewegung von Frauen

Das individuelle Asylrecht werde immer mehr infrage gestellt, kritisieren Mitglieder der Gruppe im Gespräch. Dabei sei dies durch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland garantiert. Die Omas gegen rechts wollen das nicht unwidersprochen lassen. „Mir gefällt, dass es eine Bewegung von Frauen ist“, sagt Melanie Röben, das habe sie bewogen, dort mitzumachen. Die Gruppe werde sich in diesem Jahr an den Frauenwochen im Landkreis Leer beteiligen, bei denen es um die Sensibilisierung gegen Alltagsrassismus und für Frauenrechte gehen soll.

Beim Christopher Street Day in Leer waren die Omas gegen rechts mit Transparenten dabei. Foto: Heinig/Archiv
Beim Christopher Street Day in Leer waren die Omas gegen rechts mit Transparenten dabei. Foto: Heinig/Archiv

Welche Reaktion gab es auf die Gründung und die Aktionen der Gruppe? „Die waren hauptsächlich positiv“, sagt Brigitte Junge. Als die Frauen mit ihren Transparatenten am Christopher Street Day in Leer dabei waren, hätten viele junge Menschen den Daumen hoch gehalten. Ebenso hätten Autofahrer reagiert, die vorbeifuhren, als sie am Ostersteg gegen den AfD-Parteitag demonstriert hatten. Aber: „Wir werden fast immer gefilmt“, berichtet Junge. Nicht immer wisse man, was dahinter steckt: „Das ist unangenehm.“ Gespräche an den Infoständen seien dagegen mitunter kritisch, aber konstruktiv verlaufen.

„Meine Eltern sind vor dem Mauerbau aus der DDR geflohen“, sagt Röben. Sie hätten in Freiheit leben wollen. Genau das treibe sie jetzt ebenfalls an: „Ich möchte, dass auch meine Kinder in Freiheit leben können.“ Während Röben in der Gruppe zu den jüngeren Frauen gehört, hätten gerade die Älteren den gleiche Antrieb, vermutet Schratz: „Es gibt viele, für die als Kinder die Gräuel der NS-Zeit noch präsent waren. Das darf sich nicht wiederholen. Niemals.“

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