Hannover  Nutria und Hundeausbildung: Rot-Grün will Jagdgesetz in Niedersachsen verschärfen

Stefan Idel
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Von Stefan Idel
| 21.01.2025 05:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Geht es nach Rot-Grün, soll das Jagdrecht in Niedersachsen geändert werden. Die Jäger laufen dagegen Sturm – und bekommen Unterstützung von der CDU. Foto: dpa/Kästle
Geht es nach Rot-Grün, soll das Jagdrecht in Niedersachsen geändert werden. Die Jäger laufen dagegen Sturm – und bekommen Unterstützung von der CDU. Foto: dpa/Kästle
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Die Koalition im Landtag in Hannover will das Jagdrecht anpassen. Das lehnt die Jägerschaft ab. Sie ruft für den 30. Januar zu einer Großdemo auf. Die CDU unterstützt den Protest – und begründet das unter anderem mit dem Schutz vor Sturmfluten. Darum geht es.

Niedersachsens Jäger machen mobil gegen die von Rot/Grün geplante Reform des Niedersächsischen Jagdgesetzes. Die Landesjägerschaft (LJN) mit Präsident Helmut Dam­mann-Tamke an der Spitze wirft Agrarministerin Miriam Staudte (Grüne) vor, sie plane „rein ideologisch begründete Verbote“ zum Schaden der Jagd.

Bei einer Großdemonstration der Jägerschaft am 30. Januar, am Rande der Landtagssitzung, werden in Hannover mehrere Tausend Teilnehmer erwartet.

Offiziell liegt noch kein Gesetzentwurf vor. Geplant ist unter anderem, die „Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren“ zu verbieten. Rot/Grün will den Abschuss in Jagdgattern auslaufen lassen, den Einsatz von Totschlagfallen untersagen sowie die Erdbaujagd in sogenannten „Schliefenanlagen“, in denen Jagdhunde an lebenden Füchsen abgerichtet werden, beenden. Ausnahmen will Staudte in einer Verordnung regeln.

Scharfe Kritik kommt auch von der CDU-Opposition. Sie unterstützt den Aufruf der Jägerschaft zur Demo. Die Novelle sei „völlig überflüssig“, sagt CDU-Fraktionschef Sebastian Lechner im Gespräch mit dieser Redaktion. In der SPD/CDU-Koalition sei das Jagdrecht zuletzt 2022 umfassend novelliert worden. Es sei eines der modernsten im Land. Die nun geplanten Änderungen erfolgten allein aus ideologischen Motiven.

Einschränkungen bei der Hundeausbildung am lebenden Wild würden eine deutliche Verschlechterung bedeuten. „Der Jagdhundegebrauch ist aktiver Tierschutz“, betonte Lechner. Der Jagdhund solle Tiere stellen und krankes Wild bergen. Die Ausbildung der Tiere ende mit einer komplizierten Gebrauchshundeprüfung. „Wenn er das nicht kann, würde dem Tierschutz ein Bärendienst erwiesen.“

Auch lehnt die CDU die Streichung der Nutria, auch Biberratte genannt, aus dem Jagdrecht ab. Nutria seien eine sich schnell vermehrende invasive Art, die die Sicherheit der Deiche und Gewässer enorm gefährde. Die Naturschutzverbände könnten die Nutria-Jagd nicht leisten. 

Die geplante Novelle sei wiederum ein Beispiel dafür, dass den Menschen im ländlichen Raum neue Regeln aufgebürdet werden, die sie gar nicht benötigen. Mit dem jetzigen Regelwerk sei eine waidgerechte, tierschutzkonforme Jagd möglich. Lechner forderte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) auf, den grünen Koalitionspartner zu stoppen und die Pläne ad acta zu legen.

SPD-Fraktionschef Grant Hendrik Tonne würdigte das aktuelle Jagdgesetz. Es sei „eine gute und moderne Grundlage für die Jagd in Niedersachsen“. Veränderungswünsche würden auf wissenschaftlicher Grundlage gemeinsam mit der Jägerschaft und der Landespolitik diskutiert. Tonne sagte, bisher gebe es „lediglich Ideen und Vorschläge von verschiedenen Seiten, die aber noch nicht abschließend besprochen, geschweige denn geeint sind“. 

Für die SPD-Fraktion stehe fest, dass die Jägerinnen und Jäger in Niedersachsen eine wertvolle Arbeit auch im Sinne des Tierschutzes leisten. „Jedes Jagdgesetz muss diese Arbeit ermöglichen und unterstützen. Wir werden uns an weiteren Gespräche in diesem Sinne gerne einbringen“, so der SPD-Fraktionschef.

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